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Die neuen Striezelmarkttassen

Der Glühwein wird in diesem Jahr in roten Bechern aus Neukirch serviert. Die gibt es auch in einer besonderen Auflage – streng limitiert.

© Steffen Unger

Von Theresa Hellwig

Neukirch / Dresden. Es ist kein runder Geburtstag: Der Dresdner Striezelmarkt wird 583. Dennoch hat sich die Marktorganisation etwas Besonderes einfallen lassen. Striezelmarkt-Fans können in diesem Jahr eine Sondertasse kaufen. Das Relief darauf ist mit Glanzgold handbemalt, die Gefäße sind nummeriert: Nur 583 Stück dieser speziellen Charge gibt es. Neu ist in diesem Jahr aber auch die Farbe der normalen Weihnachtstasse. Glühwein und Punsch werden in einem bordeauxroten Becher serviert.

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Die Striezelmarkttasse in Gold. © Dresden-Information

In den vergangenen beiden Jahren waren die Becher auf Dresdens größtem Weihnachtsmarkt „preußischblau“. Das Relief darauf schimmert weiß. 50 000 Tassen liefert die Keramikmanufaktur Kannegießer aus Neukirch in diesem Jahr für den Striezelmarkt. Um dies zu meistern, hat die Töpferei bereits im August mit der Produktion begonnen – täglich 2 000 Tassen. Erstmals daraus getrunken wird am 29. November. Dann wird der Striezelmarkt eröffnet.

Schadstofffreie Glasur

Seit 2015 ist die Traditionstöpferei für die Herstellung der Glühweinbehältnisse für den berühmten Weihnachtsmarkt verantwortlich. Die Tasse wird zunächst geformt, dann leicht geputzt und anschließend bei 940 Grad vorgebrannt. Dann wird sie in die Glasur mit der Farbe getaucht, die laut Firmeninhaber Andreas Kannegießer schadstofffrei ist. Es folgt der sogenannte Glattbrand bei einer Temperatur von 1265 Grad. Ein Schiebebild, das den Markt und die Weihnachtspyramide zeigt, wird aufgetragen. Damit das Ganze spülmaschinenfest ist, wird die Tasse ein drittes und letztes Mal bei 960 Grad im Ofen erhitzt.

Für die Herstellung hat die Firma Kannegießer ein besonderes Werkzeug entwickelt: Damit die Tasse haltbar ist und auch am Henkel nicht allzu leicht bricht, wird sie als Ganzes in einem Hochdruckgussverfahren produziert. „Dafür sind wir für den Sächsischen Staatspreis für Innovation nominiert worden und haben den Sonderpreis der sächsischen Handwerkskammern bekommen“, sagt Andreas Kannegießer. Dass eine Keramikwerkstatt Maschinen umbaut und Werkzeuge dafür entwickelt, sei durchaus üblich. „In den 1940er-Jahren hat ein Töpfergeselle einen Tonklumpen gegen das Knie bekommen. Weil er dann mit dem Fuß die Töpferscheibe nicht mehr antreten konnte, hat meine Großmutter kurzerhand mit ihrem Vater die elektrische Töpferscheibe mit Kippmotor erfunden. Damit waren wir unter den ersten“, erinnert sich der Handwerksmeister.

Modernste Technik

Die Geschichte der Saxonia Feinsteinzeug Manufaktur Neukirch geht zurück bis in das Jahr 1824. Heute setzt das Unternehmen als vermutlich einzige Töpferei bundesweit auf 3D-Scanner und Roboter in der Rohlingsfertigung. 22 Mitarbeiter und vier Auszubildende stellen in Neukirch kunsthandwerkliches Keramikgeschirr und technische Keramik her.

Die Stadt Dresden hatte 2015 die Lieferung der Glühweintassen für mehrere Jahre ausgeschrieben. Mit ihren innovativen Ideen schlugen die Neukircher die Konkurrenz aus Asien, die zuvor den Striezelmarkt, wie viele andere Märkte in Deutschland, belieferte. Mittlerweile folgten auch andere dem Beispiel. So stellt die Töpferei Kannegießer auch die Glühweinbecher für den Pulsnitzer Pfefferkuchenmarkt und seit diesem Jahr Tassen für die Herrnhuter Sterne GmbH her. (mit SZ/ir)

Erhältlich sind die Sondertassen für 15 Euro bei der Dresden Information. Das Pfand für die normale Tasse beträgt drei Euro. Für zehn  Euro können Besucher elf Striezelmarkt-Taler erwerben, um bargeldlos zu zahlen.