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Die Neuen vom Paulsdorfer Hof

René und Janet Koark wollen das Haus an der Talsperre Malter wiedereröffnen. Es gilt, den ramponierten Ruf aufzupolieren.

© Egbert Kamprath

Von Annett Heyse

Malter. Vor der Tür steht ein Sperrmüllcontainer, in dem sich alte Sessel türmen. Drinnen sieht es nicht viel besser aus. Die Gaststube ist bis auf die Malerutensilien leergeräumt. Im Wintergarten stapeln sich Stühle und Tische neben Grünpflanzen. Mitten im Chaos stehen Janet und René Koark und sind guter Dinge. Sie wollen den Paulsdorfer Hof an der Talsperre Malter wieder zu alter Größe führen. Am 10. Juli, so der Plan der beiden Freitaler, sollen Gaststätte und Hotel nach längerer Schließzeit neu eröffnen.

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Der Name bleibt, sonst wird alles ein bisschen anders. Das beginnt mit der Inneneinrichtung in den beiden Gasträumen. Zudem wollen die Koarks die Terrasse vergrößern. „Die wird richtig schön, wir haben viele Ideen gesammelt“, sagt Janet Koark. Es soll einen Biergarten und eine Lounge-Ecke geben. Weil an der Malter viele Radfahrer unterwegs sind, setzt der Wirt auch auf viele durstige Gäste. „Bisher gab es drei Bierleitungen, nun werden es sechs Leitungen sein.“ So könne er auch Spezialitäten wie Hefeweizen vom Fass anbieten.

Janet und René Koark kennen sich in der Gastronomie bestens aus. Sie haben als gelernte Köchin und gelernter Restaurantfachmann zwölf Jahre lang als Pächter die Eichbergbaude in Freital betrieben. Das Lokal ist derart abgelegen, dass selbst mancher Freitaler den Weg dorthin erst suchen muss. Die Wirtsleute bauten sich trotz fehlender Laufkundschaft eine gut gehende Gaststätte auf. „Wir haben ganz viele treue Stammgäste“, berichtet René Koark. Zur festen Größe entwickelten sich die Familien- und Firmenfeiern in der Eichbergbaude. Doch schon länger bestand der Wunsch nach Veränderung, das Ehepaar suchte nebenbei nach einem Gasthof, der zum Verkauf stand. „Wir wollten etwas Eigenes in oder bei Freital“, sagt Janet Koark.

Schließlich stießen sie auf den Paulsdorfer Hof. 1999 eröffnet, lief unter dem ersten Eigentümer das Geschäft ganz gut. Als sich der Besitzer aus Altersgründen zurückzog, betrieben Pächter das Hotel mit Gaststätte weiter. Doch mit dem bisher letzten Wirt gab es juristische Differenzen. Es ging dabei um nicht gezahlte Nebenkosten und ausstehende Pacht. Der Fall landete schließlich vor Gericht, der Ruf des Paulsdorfer Hofes litt. Koarks wollen sich in die Angelegenheit nicht einmischen. „Nur soviel: Das Haus war schon etwas vernachlässigt, zuletzt war die Wasserversorgung eingestellt. Bis wann das Hotel überhaupt noch betrieben wurde, können wir nicht sagen.“ Die Gaststätte war noch länger für den Publikumsverkehr geschlossen.

Nun weht ein frischer Wind durch die Räume. Das Ehepaar räumt mit Unterstützung aus Familie und Freundeskreis auf und um, die Handwerker sind bereits gebucht. Die 13 Hotelzimmer – insgesamt verfügt das Haus über 29 Betten – werden frisch gemalert, die Flure und Treppenhaus gereinigt. Die Balkone bekommen neue Brüstungen, im Garten wird der Wildwuchs beseitigt. Der zur Gaststätte gehörende Wintergarten, groß genug für 25 Gäste, bleibt vorerst, wie er ist. „Wir können auch nicht alles auf einmal stemmen“, sagt Janet Koark. Das gilt auch für die Bowlinganlage im Keller – sie soll erst im Verlauf des Jahres wieder in Betrieb gehen.

Die Lage des Paulsdorfer Hofes ist nicht die schlechteste. Er liegt direkt an der Straße nach Dippoldiswalde, gegenüber dem Campingplatz und gleich neben dem Kletterpark. In Sichtweite ist der Zugang zum Erlebnisbad und zum Badestrand. Tagestouristen, Ausflügler, Radfahrer, Badegäste und Anwohner – potenzielle Gäste sind vorhanden. Darauf setzen Janet und René Koark. Sie wollen eine Gastronomie für ein möglichst breites Publikum betreiben. „Das heißt, gutbürgerliche Küche zu bezahlbaren Preisen“, sagt Köchin Koark. Eigentlich so, wie sie es in der Eichbergbaude immer gehalten haben. Die wird am 3. Juni zum vorerst letzen Mal öffnen.

Dann geht es in die heiße Vorbereitungsphase in Paulsdorf, bevor Mitte Juli eröffnet wird. Vorbestellungen für Geburtstagsfeiern und Schuleinführungen gibt es bereits. „Wir fangen nicht bei Null an“, sagt René Koark. Um die Arbeit zu bewältigen, bringen die Koarks ihr Personal aus Freital mit, insgesamt vier Angestellte. Die beiden erwachsenen Töchter des Ehepaars werden auch mithelfen. René Koark: „Für uns ist die Lage und die Größenordnung Neuland. Aber wir sind guter Dinge, dass wir es schaffen und der Paulsdorfer Hof von den Leuten angenommen wird.“