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Die nicht genutzte Einnahmequelle

Würde mehr Komfort für Caravans am Parkplatz Altstadt die anderen Betreiber wirklich nachhaltig benachteiligen?

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Gut besucht präsentiert sich dieser Tage der Caravanstellplatz unterhalb der Albrechtsburg in Meißen, der offiziell nur ein Parkplatz ist. Zwischen 10 und 15 Fahrzeuge stehen zum Teil dicht an dicht. Was die Stadt davon hat? Bislang eine Stellgebühr, welche die Urlauber am Parkscheinautomaten begleichen. Die Tageskarte kostet hier fünf Euro (für 24 Stunden). „Es könnte so viel mehr herausgeholt werden. Schon vor sechs Jahren hatten sich CDU und Linke bei der Verwaltung dafür stark gemacht, dass sich endlich etwas an der Infrastruktur ändert“, sagt der Chef der Linken im Stadtrat, Ullrich Baudis. Damals habe man vorgeschlagen, eine höhere Gebühr für die parkenden Urlauber zu erheben, um Geld ins Stadtsäckel zu bekommen. Als Gegenleistung schlugen die beiden Fraktionen aber auch Anstrengungen der Stadt für eine bessere Aufenthaltsqualität der Camper vor. „Wir hätten uns Duschkabinen, Müllcontainer, Waschmöglichkeiten und einen Versorgungstrakt gut vorstellen können, aus dem Wurst, Bier, alkoholfreie Getränke und mehr angeboten werden“, erklärt Baudis. Außerdem wünschten sich zahlreiche Camper eine Toilette für ihre Notdurft oder die Versorgung mit Strom.

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Bis heute sei jedoch nichts passiert. Auf eine Nachfrage bei Meißens Chef für Stadtmarketing, Kultur und Tourismus Christian Friedel, habe Baudis nach eigener Auskunft erklärt bekommen, dass man in Meißen dem Caravan-Stellplatz in Scharfenberg keine Konkurrenz machen wolle, daher keine grundlegenden Veränderungen wolle. „Dieses Argument kann ich nicht für voll nehmen. Wer nimmt denn bitte auf Meißen Rücksicht?“, fragt Baudis.

Nach seinem Dafürhalten müsse endlich etwas getan werden am Parkplatz an der Elbe. „Wie bei den Schiffsanlegern verzichtet die Stadt hier wieder auf Einnahmen, die woanders längst generiert worden wären.“ Die Linksfraktion im Stadtrat wolle sich weiter dafür einsetzen, dass das Thema angegangen wird. In einer Stadtratssitzung im Frühjahr hatte Christian Friedel öffentlich bekannt gegeben, dass es „natürlich Gespräche mit Campern an der Elbe“ gegeben habe. Diese stünden jedoch zum Großteil nur ein oder zwei Tage an den Plätzen. „Es gäbe aber natürlich die Möglichkeit, transportable Toiletten- und Duschmöglichkeiten dahin zu stellen“, sagte Friedel. Da das Gebiet hochwassergefährdet ist, seien nur mobile Lösungen praktikabel.

Ein Problem für die Stadt ist in diesem Zusammenhang der offizielle Caravanplatz am Freizeitbad Wellenspiel. Denn dieser wird – obwohl auf Broschüren und im Internet offensiv beworben – nicht gleichermaßen angenommen wie der Platz in unmittelbarer Nähe zur Altstadt und mit Elbblick inklusive. Mit einer Investition in die Infrastruktur am Stellplatz Altstadt mache man es den Betreibern der Stellplätze am Wellenspiel und im Landschaftsschutzgebiet Nassau unnötig schwer, so Friedel.

Zudem betont er, sei der Platz an der Elbe kein offizieller Caravan-Stellplatz, sondern lediglich ein Parkplatz, für den eine Gebühr gezahlt werden muss. Offiziell sind an dem Caravanparkplatz zehn Parkbuchten vorhanden. Meistens sind aber mehr Vehikel vor Ort. Das Meißner Ordnungsamt achte aber mittels Kontrollen darauf, dass die Camper nicht länger als einen Tag hier stehen bleiben, hieß es in einer Antwort auf eine SZ-Anfrage vor zwei Jahren. Damals war eine ähnliche Diskussion entbrannt. Nichts passierte.

Eine deutliche Antwort erhielt Stadtrat Andreas Graff (Die Linke) seitens des Meißner Oberbürgermeisters auf eine Anfrage von vor wenigen Tagen. „Es ist nicht vorgesehen, den Stellplatz weiter in Richtung Caravanstellplatz auszubauen“, heißt es hier von Olaf Raschke (parteilos). Damit einverstanden ist Gerhard Langer, der den Stellplatz am Landhaus Nassau mit 20 Plätzen zur Verfügung stellt. Er hat in den letzten Jahren teuer investiert, unter anderem in ein Bio-Klärwerk. Würde der Parkplatz an der Elbe ausgebaut, sei das nach seinem Empfinden ein harter Schlag. Die Gebühr pro Tag beträgt am Landhaus nur 6,50 Euro.

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Betreiber der 18 Plätze am Wellenspiel sind die Städtischen Dienste Meißen (SDM). Inklusive Strom und Entsorgung werden im Meißner Osten neun Euro Standgebühr täglich fällig. Momentan sind vier Plätze besetzt. Um ein Statement zur Diskussion um eine Aufwertung des Caravanplatzes an der Elbe gebeten, teilt SDM-Geschäftsführer Karl-Heinz Gräfe mit, dass es hier nichts Neues zu sagen gibt, und fügt an: „Ihr könnt schreiben, was ihr wollt, das interessiert mich nicht.“