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Die Not mit der Notdurft

In Freital gibt es bislang eine öffentliche Toilette. Im kommenden Jahr sollen es nun mehr werden.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

Freital. Für Chris Meyer, Stadtrat der Bürger für Freital, ist die Sache klar. „Es ist doch nichts Ungewöhnliches, wenn eine Notdurft entsteht“, sagt er. „Man muss eine Lösung dafür anbieten.“ Der 51-Jährige steht auf dem Neumarkt inmitten von Freital. Hier, so findet er, müsste dringend eine öffentliche Toilette errichtet werden. „Das Technologiezentrum, in dem man die Toiletten benutzen kann, hat ja nun einmal nicht immer offen“, sagt Meyer. Nachdem über das Problem mit den öffentlichen Toiletten schon seit Längerem diskutiert wird, will die Fraktion nun endlich Tatsachen schaffen. „2017 muss für das Problem eine Lösung her“, sagt Meyer.

In Freital gibt es zurzeit eine öffentliche Toilette am Deubener Busbahnhof. Die ist werktags von 6 bis 18 Uhr geöffnet. Sie wird von einer Firma täglich gereinigt und zusätzlich noch einmal kontrolliert und bei Bedarf nochmals gereinigt. 50 Cent kostet die Benutzung. Das deckt die Kosten in keinem Fall. Mehr als 10 000 Euro schießt Freital jährlich zu. Hinzu kommen Kosten, die durch Vandalismus und Schmierereien verursacht werden. Öffentlich genutzt werden können auch die Toiletten in den Rathäusern Potschappel und Deuben. Außerdem gibt es Gaststätten, die auch Nicht-Kunden den Toilettengang gewähren. Im Goldenen Löwen an der Dresdner Straße zum Beispiel kostet das 50 Cent.

Nachdem es mehrere Anfragen von Bürgern gab, hatte sich die Stadt schon einmal vor zwei Jahren intensiver mit dem Thema beschäftigt. Unter anderem erkundigte sich das Rathaus bei anderen Kommunen – und erfuhr, dass WCs wohl überall ein Zuschussgeschäft sind. Freital wollte deshalb über eine intensivere Zusammenarbeit mit Einzelhändlern und Gastronomie bezüglich der Toilettennutzung nachdenken. Passiert ist seitdem aber nicht viel.

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Chris Meyer und seine drei Fraktionskollegen im Stadtrat ärgert das. „Wenn man keine Angebote schafft, wirft das ein schlechtes Licht auf die Stadt“, sagt Meyer. Er habe mehrere Hinweise von Bürgern über Wildpinkler bekommen. „Wir haben in Freital ein paar Problemzonen“, sagt er. Die Gebiete rings um größere Supermärkte, wie Norma an der Umgehungsstraße oder Lidl an der Dresdner Straße, gehören dazu. Meyer geht es aber nicht nur darum, Lösungen für die Trinker an Kaufhallen zu finden, sondern auch um Eltern, die Wickelplätze für ihre Kleinkinder suchen oder um die Bedürfnisse älterer Menschen. „Die Gesellschaft wird immer älter. Blasenschwäche ist ein Thema“, sagt Meyer.

Nette Toilette als eine Lösung

Die Partei schlägt nun zwei Lösungen für das Problem vor. Sie wünscht sich zum einen die Einführung eines Systems ähnlich der „Netten Toilette“. Gastronomen oder Händler stellen dabei freiwillig ihre Toilette auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung und zeigen das mit einem Aufkleber am Eingang an. In der Dresdner Neustadt wurde dieses System zum Beispiel eingeführt. Meyer wünscht sich, dass dadurch ein Netz an öffentlich zugänglichen Toiletten entsteht. Dieses müsste dann entsprechend bekannt gemacht werden.

Er fordert aber auch, dass sich die Supermärkte daran beteiligen. „Wenn Lidl und Norma Geld mit dem Verkaufen von Bier verdienen, müssen sie auch Toiletten anbieten.“ Um das zu erreichen, müsse die Stadt Druck ausüben. Zum anderen sollen an zwei Stellen öffentliche Toiletten errichtet werden – neben dem Neumarkt auch im neuen Mehrgenerationenpark in Zauckerode. „Das sind Orte, wo sich viele Menschen im Freien aufhalten.“ Meyer hätte sich gewünscht, dass in der neuen Turnhalle am Mehrgenerationenpark gleich eine öffentliche Toilette mit entsteht. Die Stadt habe ihm gesagt, dass die Bürger ja die normalen Turnhallentoiletten nutzen könnten. „Aber meistens wird die Turnhalle ja während der Sportkurse aus Sicherheitsgründen abgeschlossen.“ Deswegen soll in dem Park nun eine öffentliche Toilette errichtet werden.

Die Bürger für Freital haben recherchiert, was eine Anlage kosten würde. Orientiert haben sie sich dabei an einem WC in der Dresdner Neustadt mit getrennten Toiletten für Männer, Frauen und Behinderte. Das fünf mal fünf Meter große Häuschen würde zwischen 65 000 und 70 000 Euro kosten, sagt Meyer. Hinzu kämen 6 000 bis 10 000 Euro für die Unterhaltung der Toilette bei täglicher Reinigung.

Damit der Plan umgesetzt wird, brauchen die Bürger für Freital aber noch Unterstützung. Die Fraktion ist im 34 Personen starken Stadtrat weit von einer Mehrheit entfernt. Meyer erwartet, dass über den Bau öffentlicher Toiletten bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen für das kommende Jahr gesprochen wird. „Wenn der Posten nicht im Haushalt zu finden ist, werden wir einen Antrag stellen, dass die öffentlichen Toiletten in den Plan aufgenommen werden sollen.“

Die Stadtverwaltung teilt mit, dass über das Thema zumindest diskutiert wird. Es sei denkbar, eine Studie zu dem Thema zu erstellen, so Rathaussprecher Matthias Weigel. Dazu müsste Geld im Haushaltsplan bereitgestellt werden. „Dabei geht es vor allem um die Kosten und mögliche Standorte.“