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Die Opel-Mutter räumt auf

Verschleppte Rückrufe und tödliche Unfälle belasten General Motors. Konzernchefin Mary Barra greift hart durch.

© Reuters

Von Daniel Schnettler, detroit

Es war ein schwerer Gang, den General-Motors-Chefin Mary Barra am Donnerstag antreten musste. Vor 1 200 Mitarbeitern im Entwicklungszentrum des Opel-Mutterkonzerns nahe Detroit berichtete sie, was ein Anwalt bei seinen Nachforschungen zum jahrelang verschleppten Zündschloss-Rückruf herausgefunden hat. Der Bericht sei „brutal hart“, leitete sie ihre Ansprache ein. Es sei ein „Muster von Inkompetenzen und Versäumnissen“ zum Vorschein gekommen. „Wir haben unseren Job nicht gemacht“, stellte Barra fest. „Wir haben die Kunden im Stich gelassen.“

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Wohl selten ist ein Konzernchef so hart mit seiner eigenen Mannschaft ins Gericht gegangen. Gleich 15 Mitarbeiter mussten gehen, gegen fünf weitere wurden disziplinarische Maßnahmen verhängt. Barra baute ganze Abteilungen um. „Ich hasse es, das mit euch teilen zu müssen, genauso wie ihr es hasst, euch das anhören zu müssen“, sagte sie. „Aber ich will, dass ihr es hört. Ich will, dass ihr es niemals vergesst. Das ist nicht einfach eine weitere geschäftliche Krise. Wir können das nicht einfach glattbügeln und dann weitermachen.“

Barra wollte an diesem Tag endgültig mit den alten Gepflogenheiten bei General Motors aufräumen – einem Autokonzern, in dem Probleme hin- und hergeschoben wurden, bis die Sache im bürokratischen Apparat versandete. So war es bei den Zündschlössern, wo ein Schalter im Wert von wenigen Cent zu schwach ausgelegt war. Deshalb konnte der Schlüssel bei voller Fahrt zurückspringen. Das bedeutete: Motor aus, Servolenkung aus, Bremskraftverstärker aus.

Viele Fahrer verloren die Kontrolle über ihre Autos und kamen von der Straße ab – ungeschützt, weil auch die Airbags nicht mehr funktionierten. General Motors zählte 13 Unfalltote, Verbraucherschützer kommen auf mehr als 300. Seit Wochen sind die US-Medien voll von tragischen Geschichten.

Sie sei trotz allem stolz, für General Motors zu arbeiten, sagte die 52-jährige Managerin. Die gescholtene Belegschaft dankte es ihrer Chefin mit stehendem Applaus. Für GM ist aber letztlich wichtiger: Die Kunden kaufen trotz der Negativschlagzeilen weiterhin Chevrolets, Buicks oder Cadillacs. Allein im Mai stieg der Absatz auf dem wichtigen Heimatmarkt USA um satte 13 Prozent. (dpa)