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Die Partei ist wieder mit dabei

Der Meißner Kreisverband der Satirepartei Die Partei hat sich neu gegründet. Nun wird die Machtübernahme angestrebt. Notfalls mit Kaninchen.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Meißen. Neun Männer, ähnlich viele Flaschen Bier (für die erste Runde), ein Gewölbekeller und eine Sockenpuppe mit Wackelaugen: So kann es aussehen, wenn eine Partei sich neu aufstellt. Zumindest, wenn es sich nicht um irgendeine Partei handelt, sondern um Die Partei – die Satirepartei rund um den ehemaligen Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn. Diese hat nämlich einen Ableger im Landkreis Meißen und das sogar schon seit 2014. Doch im Jahr 2016 wurde es immer ruhiger um den Kreisverband. Nun gab der Landesverband grünes Licht, ihn wiederzubeleben.

Das geschah am vergangenen Mittwochabend in kleiner Runde im Sachsenkeller in Meißen. Michael Reuter, der an diesem Abend zum Vorsitzenden gewählt wurde, leitete die Versammlung. Er war nicht der Einzige, der mit einem Amt nach Hause gehen durfte: Andreas Richter ist ab sofort sein stellvertretender Vorsitzender, Martin Muth der zweite Stellvertreter. David Kaufmann wurde zur „Fachkraft für Aufkleberkunde“ erklärt – in der Partei eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe –, der abwesende Frank Engelmann, genannt „El Wampo“, ist der neue sicherheitspolitische Sprecher des Kreisverbandes. Jörg Seidel dachte sich den Titel „Beauftragter für Kultur und Alkohol“ gleich selbst für sich aus und bestellte in dieser Funktion eine neue Runde Bier. Zitat Seidel: „Kultur ist ja zum Beispiel auch Joghurt.“ Seine Parteigenossen pflichteten ihm bei.

Bis auf die Wahl des Schatzmeisters fiel jede Abstimmung einstimmig aus. Justus Lauerwald wurde dann aber doch mit nur einer Enthaltung zum neuen Herrn über die Finanzen gewählt. Dieser Aufgabe wurde er auch optisch in gestreiftem Bademantel und roter Fliege durchaus gerecht. Unstrittig war auch die Wahl des neuen Pressesprechers: Dieses Amt wird eine Sockenpuppe mit Wackelaugen und eigenem Mini-Megafon übernehmen. So blieb am Ende nur Thomas Kuntke, vielen bekannt als Bezirksschornsteinfegermeister, als einziges reguläres Mitglied ohne Posten übrig.

Doch warum überhaupt das Ganze? „Wegen der Machtübernahme, die wir ja anstreben“, erklärt die Runde. Die Partei möchte „auf der politischen Ebene in Meißen wieder als Player auftreten“. Sitze im Stadtrat und im Kreisrat müssen her. Wie sieht es bei der anstehenden Wahl des Oberbürgermeisters in Meißen aus? „Wir werden auf keinen Fall einen eigenen Kandidaten aufstellen“, erklärte der Vorsitzende Michael Reuter. Und das, obwohl am Tag zuvor erst spontan ein Kaninchen für den Posten benannt worden war. Das ist nun verworfen. Eventuell werde man den Kandidaten der Initiative „Meißen kann mehr“ unterstützen.

Die Mitglieder des Kreisverbandes legen Wert darauf, nicht „Spaßpartei“ genannt zu werden. „Das ist die FDP.“ Satire habe nicht unbedingt etwas mit Spaß zu tun. „Satire ist Arbeit und geht dahin, wo es wehtut.“ Jörg Seidel, Beauftragter für Kultur und Alkohol, nennt ein Beispiel: Erst vor Kurzem habe er wieder jemandem eines der Partei-Plakate erklären müssen. Das weltbekannt gewordene Bild des toten Flüchtlingsjungen Aylan wurde darauf überschrieben mit dem Spruch „Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen.“ Der offenkundig rechtsradikal eingestellte Betrachter fand das ganz prima und versprach, sein nächstes Kreuz bei der Partei zu setzen. Zur Bundestagswahl im September hatten das in der Stadt Meißen nach Auskunft von Michael Reuter genau 123 Menschen bereits getan.