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Die Pferdeflüsterin

Alin Zimmermann weiß nicht nur, was Menschen guttut. Die junge Frau kennt sich auch mit eleganten Vierbeinern aus.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

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Dippoldiswalde/ Glashütte. Mit der rechten Hand fasst Alin Zimmermann der Pferdedame Jasmine an den Kopf. Sie greift nach dem ersten Halswirbel. Ihre linke Hand legt sie dem Pferd auf den Nasenrücken. Dann beginnt die 28-Jährige mit der Massage. Sie bewegt den Kopf des Pferdes. Jasmine genießt es. Die gefühlvollen Hände bringen der Stute ganz offensichtlich Entspannung.

Ein bisschen erinnert diese Szene an den amerikanischen Streifen „Der Pferdeflüsterer“, in dem Robert Redford einen Cowboy spielt, der weiß, wie man mit Pferden umgeht. Auch Alin Zimmermann weiß, wie Pferde ticken und was ihnen guttut. Sie kennt noch viele andere Übungen. Pferde leiden so wie wir Menschen an Verspannungen, erzählt Frau Zimmermann. Deshalb tun ihnen Dehn- und Streckübungen – vor allem bei Turnieren, wo die Pferde Hochleistungen bringen müssen – auch gut. Eineinhalb bis zwei Stunden dauern ihre Therapien. Alin Zimmermann weiß, was sie tut und wovon sie spricht. Sie ist eine Humanphysiotherapeutin, die sich in den letzten zwei Jahren zur Pferdephysiotherapeutin weitergebildet hat. Im Prinzip sind die Massagen ähnlich. „Es gibt aber einen großen Unterschied“, erklärt sie. Menschen können sagen, was ihnen guttut. Bei Pferden muss ein Therapeut das „erfühlen“. Im November 2017 konnte Alin Zimmermann ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Hauptberuflich will sie diesen Job nicht machen, dazu macht ihr die Arbeit mit Menschen zu viel Spaß. Die Arbeit mit Pferden soll ein Hobby bleiben.

Mehr als nur ein Zaungast

„Als Pferdephysiotherapeutin kann ich meinen Beruf mit meinem Hobby verbinden“, sagt sie. Ihr Interesse an Pferden wurde schon zeitig geweckt. „Ich bin auf einem Hof in Reichstädt groß geworden“, erzählt sie. Ihr Großvater hielt sich noch Pferde zum Ackerbau und zum Holzrücken. Als sie elf war, erfüllte ihr Vater ihr einen Wunsch. Er brachte sie zu einem Reiterhof, wo sie zum ersten Mal auf ein Pferd steigen konnte. Das hat ihr so gut gefallen, dass sie anschließend Reitunterricht nahm.

Später startete sie auch bei Springturnieren. Doch schon schnell merkte Alin Zimmermann, dass diese Sportart nicht das Richtige für sie ist. „Das ist mir ein bisschen zu riskant“, sagt sie. Sie mag lieber die Dressur, bei der das Pferd zeigen kann, welche Lektionen es gelernt hat.

Pferdesportlich hat die junge Frau, die inzwischen in Dipps lebt und arbeitet, in Oberfrauendorf ihre Heimat gefunden. Seit vier Jahren besitzt sie ein eigenes Pferd, das im Reitstall der Familie Tögel steht. Hier schloss sie sich auch dem Glashütter Reitsportverein an, der momentan 70 Mitglieder hat. Vier- bis fünfmal in der Woche kommt Alin Zimmermann zum Reitstall, um sich um ihr Pferd Dream Fiori zu kümmern und mit ihm auszureiten. Ab und zu wird sie beim Ausreiten von ihrem Freund begleitet. Wenn es sich anbietet, nimmt die junge Frau auch an Turnieren teil. Beim nächsten großen in Oberfrauendorf, das an diesem Wochenende stattfindet, wird sie allerdings nur Zaungast sein. Denn bei diesem Turnier, den Glashütter Reitertagen, wird nur gesprungen.

Als Vereinsmitglied wird Alin Zimmermann aber nicht nur zugucken, sondern mithelfen, dass die Teilnehmer und Besucher gut versorgt werden. „Ich arbeite im Catering“, sagt sie. Und außerdem wird sie die hauseigenen Pferde therapieren, so wie das von Laura Hamann. Die Reinhardtsgrimmaerin gehört zu dem Team, das der Glashütter Pferdesportverein ins Rennen schickt. Fünf Reiterinnen und ein Reiter werden um Platz und Sieg mitkämpfen. Mit Henry Tögel, der Vereinschef und Inhaber des Reitstalls ist, wird nur einer in der Königsdisziplin, dem Großen Preis, antreten. Alin Zimmermann indes fiebert einem anderen Turnier entgegen, das zwei Wochen später ebenfalls in Oberfrauendorf stattfinden wird. Dann bekommen die Dressurreiter ihre Chance. Für den Glashütter Pferdesportverein, der auch diesen Wettkampf ausrichten wird, sei das schon ein Kraftakt, sagt Frau Zimmermann. Doch der Verein sehe das als einen Beitrag, den Breitensport zu fördern. Denn die Glashütter Reitertage haben sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Turnier in der Szene entwickelt, bei dem „normale“ Hobbyreiter nur noch wenig Chancen haben. Diese erhalten sie zwei Wochen später bei einem Dressur- und Springturnier. Alin Zimmermann hofft, dass sie hier einen Titel holt. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, schließlich weiß die junge Frau jetzt genau, was ihrem Pferd guttut und wie sie es in Hochform bringen kann. Man darf gespannt sein, was die Pferdephysiotherapeutin bewirken kann.