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Pflege zu Hause als wichtige Alternative 

Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich dramatisch erhöhen. Wie sieht die Pflege der Zukunft aus? Und welche Alternativen gibt es zum Pflegeheim?

Im Jahr 2050 wird es in Sachsen rund 70 Prozent mehr Pflegefälle geben als noch im Jahr 2009.
Im Jahr 2050 wird es in Sachsen rund 70 Prozent mehr Pflegefälle geben als noch im Jahr 2009. © fotolia.com/kzenon

„Niemand, absolut niemand kann sich sicher sein, niemals im Leben pflegebedürftig zu werden. Das kann jeden betreffen.“ Es ist bereits gut 20 Jahre her, dass der damalige Sozialminister Norbert Blüm (CDU) diese Sätze sagte. Und dass er viel Kritik für ein großes Projekt einstecken musste, dass er zum Abschluss gebracht hat: die Einführung der Pflegeversicherung. Heute ist das Thema aktueller denn je. Immer mehr Menschen erreichen die Hundert. Alles Nachdenken über die gesundheitliche und pflegerische Versorgung in Deutschland und Sachsen muss auf den demografischen Daten aufsetzen. Ohne verlässliche demografische Zahlen laufen wir Gefahr, Ressourcen – personelle wie finanzielle – nicht zukunftsfest zu investieren. Doch der demografische Wandel ist nicht nur ein Schreckgespenst, das schon in unseren Wohnzimmern steht. Er ist vor allem auch eine Chance, unsere Entscheidungen generationen-gerecht und unsere Strukturen zukunftssicher zu gestalten. Das bedeutet auch, dass man technische Neuerungen clever zu nutzen wissen muss. Ein Überblick zu den wichtigsten Fragen zum Thema Pflege in Sachsen:

Wie sieht die Alterspyramide in Sachsen aus? Mit wie viel Pflegebedürftigen müssen wir künftig rechnen?

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Besonders aussagekräftig ist hier der Altenquotient, ein untrüglicher Indikator für den fortschreitenden Alterungsprozess in Sachsen. Der Altenquotient beschreibt das Verhältnis der mindestens 65-Jährigen zu 100 Personen aus der Bevölkerungsgruppe der 20 bis 64-Jährigen. Im Gutachten des Sächsischen Sozialministeriums „Alter | Rente | Grundsicherung“ hat Prof. Raffelhüschen diesen Altenquotient für alle Landkreise errechnet. Bei dieser Berechnung hat sich gezeigt, dass der Alterungsprozess in Sachsen keineswegs gleichmäßig verläuft. Vielmehr gibt es Landkreise, die schon um 2030 einen Altenquotienten von 90 haben, während beispielsweise Dresden und Leipzig zu dieser Zeit noch immer relativ jung sind. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich dementsprechend ebenfalls erhöhen. Wenn man davon ausgeht, dass die Pflegeprävalenz gleichbleibt – also die Pflegehäufigkeit – dann wird die Zahl der Pflegefälle von 2009 auf 2050 um 71 Prozent steigen. Damit steigt der Bedarf an Pflegeheimplätzen.

Was macht die Pflege der Zukunft aus – und wer wird sie leisten und finanzieren?

Die Frage der Finanzierung ist nicht so einfach zu beantworten. Die Pflegeversicherung ist gut aufgestellt, sie übernimmt die Kosten der reinen Pflege. Dennoch muss man jedes Jahr kritisch hinterfragen, was die Pflegeversicherung leisten kann und ob wir nachjustieren müssen. Neben den Leistungen der Pflegeversicherung kommen sowohl bei stationären als auch bei der ambulanten Versorgung weitere Kosten für die Pflege hinzu, die die Landkreise und kreisfreien Städte oder der Kommunale Sozialverband übernehmen, wenn der Pflegebedürftige selbst dazu nicht in der Lage ist. Das sind die sogenannten Hilfen zur Pflege. Die Steigerung dieser Kosten wird für die Kommunen zunehmend schwierig. Hier muss man kritisch fragen, wie die Kommunen dabei unterstützen können – nicht nur finanziell.

Welche Alternativen gibt es zum Pflegeheim?

Die wichtigste Alternative ist die Pflege zu Hause. Jeder, egal wie viel Hilfe er oder sie benötigt, möchte so lange wie möglich, in der gewohnten Umgebung bleiben. Dafür sollten die sogenannten subsidiären Strukturen geschärft werden, heißt es aus dem Sozialministerium. Konkret bedeutet das, dass niedrigschwellige Angebote wie etwa die Nachbarschaftshelfer, die bei Pflegebedürftigen Unterstützungs- und Betreuungsleistungen übernehmen, gestärkt werden müssten. Auch die Pflegekoordinatoren, die ab diesem Jahr in allen sächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten etabliert werden sollen, sind hier ein sehr wichtiger Baustein. Sie sollen Nachbarschaftshelfer anwerben, Helferkreise organisieren und – auch das ist neu – in den einzelnen Sozialräumen bürgernahe Koordinierungs- und Beratungsstellen für Demenzkranke, Pflegebedürftige und Nachbarschaftshelfer etablieren. Diese Koordinierungsstellen sollen vom Freistaat Sachsen und den Pflegekassen hoch gefördert werden. Dort, wo die Pflegebedürftigen leben, müssen die Hilfsangebote und vor allem der Zugang zu diesen so organisiert werden, dass er niedrigschwellig, passgenau und subsidiär ausgelegt ist.

Wo gibt es eventuell Nachbesserungsbedarf bei gültigen Gesetzen?

Mit dem ersten Pflegestärkungsgesetz hat der Bund eine Leistungsdynamisierung und damit eine deutliche Verbesserung der Leistungen der Pflegeversicherung auf den Weg gebracht. Besonders im Blick auf den möglichst langen Verbleib in eigenen vier Wänden ist die deutliche Aufstockung der Hilfen zum altersgerechten Umbau der eigenen Wohnung eine besondere Hilfe. Auch die Verbesserungen bei den niedrigschwelligen Angeboten nach § 45 SGB XI sind in Sachsen eine große Hilfe. Das zweite Pflegestärkungsgesetz soll den Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definieren, um auch hier dem demografischen Wandel und den Veränderungen in der Form der Pflegebedürftigkeit Rechnung zu tragen.