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Die Pläne der Lithiumsucher

Lithium Australia hält ein Patent für eine energiesparende Aufbereitungstechnologie. Was heißt das für Sadisdorf?

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Zwei junge Männer gehen langsam durch den Wald an der Sadisdorfer Pinge, sehen sich aufmerksam jeden Stein an, der auf dem Boden liegt, jede Vertiefung, jede Erhebung. Es sind Albert Gruber und Josef Eichhorn. Albert Gruber ist der technische Leiter der Firma Trilithium Erzgebirge GmbH. Diese Firma ist ein Tochterunternehmen der Lithium Australia, und sie hat im Juni die Lizenzen für die Rohstoff-Erkundung in Sadisdorf und auf der Hegelshöhe bei Bärenstein von der Deutschen Rohstoff AG gekauft, die das Gebiet mit ihrer Tochter Tin international AG erkundet hat.

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Josef Eichhorn ist Werksstudent und schreibt seine Masterarbeit in Geologie an der Uni Halle über das Bergbaugebiet. Seine Aufgabe ist jetzt, das Umfeld der Sadisdorfer Pinge wissenschaftlich zu erfassen. Dabei soll er Anhaltspunkte gewinnen, wie die weitere Erkundung vorangehen soll.

Sadisdorf, die Hegelshöhe und Sachsen sind für Lithium Australia kein Neuland. Sie verfolgen seit 2017 ein Erkundungsprojekt in Eichigt im Vogtland. Seit Mai 2017 sind die Australier bei dem Sadisdorfer Projekt mit im Boot, damals noch als Partner in einem Joint Venture, einem Gemeinschaftsunternehmen. Für sie ist das Lithiumvorkommen interessant, weil sie über eine Technik verfügen, welche die Aufbereitung günstiger macht als die bisherige .

Zu den herkömmlichen Verfahren, Lithium zu gewinnen, gehört eine Phase, in der das Material bei über 1 000 Grad geröstet wird. Das kostet viel Energie. Das Verfahren von Lithium Australia heißt „SiLeach“ und funktioniert mit einer Behandlung in Schwefelsäure, was deutlich weniger Energie benötigt.

Dafür wollen die Australier eine große Anlage in Europa bauen. Die wird aber nicht in erster Linie für Sadisdorf gebaut. Damit sollen Abfallstoffe, die bei anderen Bergwerken angefallen sind, noch einmal ausgewertet werden. Das kann sich aus zwei Gründen lohnen. Erstens wird eine steigende Nachfrage nach Lithium erwartet, weil das Metall ein wichtiger Stoff für die Produktion von Akkus ist. Und diese werden gebraucht, wenn immer mehr Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind. Zweitens könnte das Aufbereitungsverfahren, über das Lithium Australia verfügt, helfen, diesen Rohstoff kostengünstig bereitzustellen. Sadisdorf und die Hegelshöhe wären dafür interessant, damit Lithium Australia auch einen Teil seiner Rohstoffbasis selbst in der Hand hat und um eine solche Anlage besser auszulasten.

Aber das ist momentan noch Zukunftsmusik. Derzeit lässt das Unternehmen die Bohrkerne untersuchen, die im Winter bei zwei Bohrungen an der Sadisdorfer Pinge gewonnen wurden. Das läuft alles in Australien. Dort hat das Unternehmen sein Labor und seine metallurgische Aufbereitung, berichtet Albert Gruber. Lithium Australia ist in Perth in Nordwest-Australien ansässig, wo große Minenfelder liegen.

Die Untersuchungen sollen auch die Frage beantworten, welche Rohstoffe außer Lithium in Sadisdorf noch in der Erde schlummern. Als die Deutsche Rohstoff AG begonnen hat, sich für Sadisdorf zu interessieren, stand noch der mögliche Zinnabbau im Vordergrund. Bei der Aufbereitung wird auch Kaliumsulfat anfallen. Das wäre ein Dünger. Molybdän, Cäsium und anderes wird erwartet. Insgesamt führt die bergrechtliche Erlaubnis 16 verschiedene Stoffe auf, die in Sadisdorf aufgesucht werden können.

Aus den Resultaten im Labor wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, die bis Oktober vorliegen soll. Danach entscheidet sich, wie das Vorhaben weitergeht. Nach dem derzeitigen Stand gehen die Erkunder davon aus, dass in Sadisdorf 50 000 Tonnen Lithium liegen.

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Um die Anwohner zu informieren, ist am 28. September eine Informationsveranstaltung in der Alten Schäferei in Sadisdorf vorgesehen. Dort will Lithium Australia den aktuellen Stand und seine weiteren Pläne vorstellen. Sadisdorfs Ortsvorsteher Mirko Geißler (Freie Wähler) freut sich darüber, dass das Unternehmen so offen ist und auch die betroffenen Anwohner regelmäßig auf den Laufenden hält.