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Die Predigerhäuser sind fertig

Die historischen Gebäude wurden für 1,67 Millionen Euro saniert. Am Reformationstag ist feierliche Einweihung.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Catharina Karlshaus

Großenhain. Sein Name ist Programm. Jürgen Held hat tatsächlich heldenhaft vollbracht, was gemeinhin als recht sportlicher Zeitplan betrachtet werden dürfte. Im Auftrag des Dresdner Architekturbüros Schaufel überwachte er gut anderthalb Jahre die anspruchsvolle Sanierung der beiden Predigerhäuser direkt neben der Großenhainer Marienkirche. Bereits zu Baubeginn im März 2015 avisierte der erfahrene Bauleiter eine Fertigstellung der Gebäude zum diesjährigen Reformationstag. Und tatsächlich: Das Großaufgebot an Unternehmen verschiedenster Gewerke hat es wirklich geschafft. Am 31. Oktober werden die nach dem verheerenden Stadtbrand von 1744 errichteten Häuser durch den Superintendenten Andreas Beuchel feierlich geweiht.

Die beiden ehemaligen Predigerhäuser am Kirchplatz bilden das neue Gemeindezentrum.
Die beiden ehemaligen Predigerhäuser am Kirchplatz bilden das neue Gemeindezentrum. © Klaus-Dieter Brühl
Der neue Gemeindesaal erstreckt sich über beide Häuser.
Der neue Gemeindesaal erstreckt sich über beide Häuser. © Klaus-Dieter Brühl

Bevor es indes so weit ist, haben Jürgen Held und all die noch herumwuselnden Handwerker noch einiges zu tun. In den Räumen herrscht dieser Tage geradezu Hochbetrieb. Während die zuständige Firma im Beisein von Pfarrer Pohl gerade den Fahrstuhl seiner Bestimmung übergibt, wird im Erdgeschoss noch gemalert, verfugt und gefliest. Die eigens den Originalen nachempfundenen Fliesen der Manufaktur Zahna werden sorgsam auf dem Boden des künftigen Eingangsbereiches verlegt. Nebenan wird dagegen die Elektrik programmiert und einige Zimmer weiter die Funktionalität der Heizung geprüft.

Faszinierend für den Betrachter: der neue Gemeindesaal im Dachgeschoss. Der knapp 140 Quadratmeter große Raum ist im modernen Stil gehalten und bietet Platz für einhundert Besucher. Durch die eingefassten Panoramafenster wird der auch als Winterkirche nutzbare Saal geradezu mit Tageslicht geflutet. „In der kommenden Woche wird dieser Raum wie das übrige Haus im Übrigen auch noch einmal gründlich gereinigt“, verrät Jürgen Held. Damit die mit Eichenparkett oder hochwertigem Linoleum ausgelegten Böden auf den letzten Baumetern nicht beschädigt werden, sind sie jetzt noch mit Fleece bedeckt. Nach der Reinigung, so der Bauleiter, würden dann auch die Möbel geliefert. Durchaus notwendig befinden sich im gesamten Obergeschoss doch mehrere Gruppenräume für die Gemeindearbeit und Besprechungen verschiedener Gremien.

Der Sitz des Pfarramtes wird dabei im Erdgeschoss sein. Dass die im April 2015 gefundenen historischen Malereien erhalten und in die Gestaltung integriert werden konnten, ist geradezu ein Glücksfall. Nicht zuletzt durch eben jene Blütenranken aus der Zeit um 1744 sind die Bauten zu einem wahren Gesamtkunstwerk aus Historie und Moderne verschmolzen.

Ein aufwendiger Prozess, der es zuweilen in sich hatte. Immerhin mussten die beiden maroden Häuser – die letzte notdürftige Modernisierung hat die Kirchgemeinde gewissermaßen in Eigenleistung in den 1970er Jahren auf den Weg gebracht – völlig entkernt werden. Danach musste ein Gerüst gestellt und ein Überdach errichtet werden, um die Arbeitsfähigkeit der Bauleute bei Wind und Wetter zu gewährleisten. Eine lohnenswerte Entscheidung, so Jürgen Held, angesichts der vielen Regentage während der Bauzeit.

Trotz guter Planung sei in den vergangenen Monaten freilich nicht alles glatt gelaufen, haben sich manche Arbeitsschritte aus unterschiedlichen Gründen verschoben. „Allerdings gab es keine ganz großen Probleme, und wir konnten unseren Plan weitestgehend immer einhalten“, weiß Jürgen Held. Letztlich sei man nun planmäßig auf der Ziellinie und darauf käme es an.

Wenn die Predigerhäuser am Nachmittag des Reformationstages ihrer Bestimmung übergeben werden, dürfen sich die Großenhainer freuen. Sie bekommen ein städtebauliches Kleinod zurück, über dessen Schicksal in der Vergangenheit hart gerungen worden war. Plädierten die einen für den Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Häuser, favorisierten die anderen einen Neubau. Letzterer hätte zwar nur die Hälfte gekostet. Die Bauten gelten aber als unwiederbringliche Zeugnisse der barocken Bürgerhausarchitektur – und so stimmte die Denkmalschutzbehörde einem Abriss nicht zu. Eine gute Entscheidung. Denn so werden die beiden Predigerhäuser über Generationen hinweg auf wundersame Weise von ihrer jahrhundertealten Geschichte erzählen können. Eine, an dessen Fortschreibung Bauleiter Jürgen Held maßgeblich Anteil hatte.