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Die Qual der Wahl

Dicke Reifen oder dünne, sportlich oder kompakt? Wer ein Fahrrad kaufen will, steht vor einer Reihe Fragen.

Fast jedes dritte in Deutschland verkaufte Rad ist ein Trekking-Rad.
Fast jedes dritte in Deutschland verkaufte Rad ist ein Trekking-Rad. © Foto: winora.de/pd-f/Stratmann

„Wofür brauchen Sie es denn?“ Diese Frage wird sicher die erste sein, die ein Fahrradhändler dem etwas unentschlossenen Kunden stellen wird. Denn die Antwort bestimmt zumindest die Auswahl des Fahrradtyps. Schließlich ist es ein Unterschied, ob man sich jeden Tag auf dem Rad im Straßenverkehr zur Arbeit begeben will oder eher auf sportlich schnelle Feierabendrunden oder Quer-Feldein-Fahrten über Stock und Stein. 

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Cityrad

Citybikes passen perfekt zum Mobilitätsgefühl des deutschen Durchschnittsradlers. Denn der legt pro Jahr keine 400 Kilometer zurück und braucht dafür keine aufwendige Technik. Eine robuste Nabenschaltung mit drei bis acht Gängen reicht – je nach Topographie; bessere Stadträder für Vielfahrer sind heute auch mit Neun- oder Elfgang-Naben ausgestattet. Die Luxusklasse der Stadträder weist mitunter auch eine 14-Gang-Nabenschaltung auf.

Die Rücktrittbremse, sonst weitgehend ausgestorben, erfreut sich bei diesem Fahrradtyp immer noch einiger Beliebtheit und wird bisweilen mit zwei Felgenbremsen ergänzt. Angenehm: Auch in den unteren Preisklassen finden sich bei modernen Citybikes schon Komfort- und Sicherheitsmerkmale wie ein winkelverstellbarer Vorbau, eine Federgabel oder eine Lichtanlage mit Nabendynamo, LED-Scheinwerfer und Standlicht. 28-Zoll-Laufräder sind beim Citybike die Regel, aber auch 26-Zöller finden sich am Markt.

Trekking-Bike

Nahezu jedes dritte in Deutschland verkaufte Fahrrad ist ein Trekkingbike. Die Eckdaten des Trekking-Archetyps sind schnell aufgezählt: Alu- oder Stahlrahmen, oft mit Federgabel, 28-Zoll-Laufräder mit robuster Bereifung, eine gute Gangschaltung sowie eine Komplett-Ausstattung mit Schutzblechen, Lichtanlage und Heck-Gepäckträger. Wer ins Detail geht, entdeckt am richtigen Trekkingbike einen am Hinterbau montierten Ständer, der das Rad auch bei voller Beladung in der Senkrechten hält. Besonders reisetaugliche Modelle verfügen über Befestigungspunkte für einen „Lowrider“, einen zusätzlichen Gepäckträger an der Gabel. Meist ebenfalls an Bord: Federsattelstütze und verstellbarer Lenkervorbau, der Lenker selbst ist entweder eine Mountainbike-Stange mit Lenkerhörnchen, oder ein sogenannter Ergo- oder „Schmetterlingslenker“ mit mehreren Griffpositionen, der aber etwas aus der Mode gekommen ist. In der Oberklasse der Trekkingräder finden sich Federgabeln und elaboriertere Schaltkonzepte. 

Mountainbike

Auch wenn Mountainbikes mittlerweile auch gern in Städten „ausgefahren“ werden, so ist ihre wahre Bestimmung doch das Radeln abseits befestigter Straßen. Eine breite, grobstollige Bereifung sorgt für ordentlich Grip, die Federgabel oder gar Vollfederung für Komfort und Traktion selbst auf Buckelstrecken. Als Rahmenmaterial sind Aluminium und das leichte Carbon am häufigsten anzutreffen, aber auch Stahl und Titan haben nach wie vor ihre Fans. Die bis in die späten 1990er-Jahre gängige Kombination von drei Kettenblättern an der Kurbel mit bis zu neun Ritzeln am Heck ist immer häufiger Zehn- und Elffach-Antrieben mit einem oder maximal zwei Kettenblättern an der Front gewichen. Verzögert wird am zeitgemäßen Mountainbike ausschließlich mit Scheibenbremsen. Die Breite der Lenker liegt heute meist zwischen 71 und 76. Im Gegenzug wurden die Lenkervorbauten immer kürzer. Gespart wird beim Mountainbike beim Licht, Schutzblech und Gepäckträger. Bei Neurädern haben sich Laufradgrößen von 27,5 und 29 Zoll durchgesetzt.

Rennrad

Die Minimalisten unter den Bikes – an ihnen findet man keine Komponenten, die nicht der reinen Fortbewegung dienen – wiegen weniger als zehn Kilogramm. Die Laufradgröße beträgt 28 Zoll, der Lenker ist in der charakteristischen Hörnchenform geschwungen. Üblich sind zudem zwei Kettenblätter vorne sowie zehn oder elf Ritzel am Hinterrad, geschaltet wird vom Lenker aus mit kombinierten Bremsschalthebeln. Ein Spezifikum des Rennrades ist eine über die riesige Preisspanne hinweg weitgehend identische Funktionalität – die Bedienung von Schaltung und Bremsen ist gleich, für Vortrieb sorgen muss man sowieso selbst. Ein Brot-und-Butter-Renner für tausend Euro fährt sich kaum anders als eine zehnmal so teure Profimaschine, der einzige Unterschied besteht darin, dass die Gewichtsdifferenz von bis zu fünf Kilogramm starke Einflüsse auf Handling und Fahrverhalten hat. Die hochwertigeren Komponenten teurer Rennräder sind darüber hinaus für eine längere Lebensdauer konzipiert.

Crossrad

Rennrad, Trekkingrad oder Mountainbike? Wer sich nicht recht entscheiden kann, nimmt einfach eins dazwischen – das Crossbike. Allen in der Kategorie Cross geführten Rädern ist sportlicher Freizeitnutzen ohne allzu große Rücksicht auf praktische Erwägungen gemein, was nicht ausschließt, dass sich manche Crossräder alltagstauglich nachrüsten lassen. Dabei schmilzt auch schon mal die Grenze zum Trekkingrad. Mit dem hat es die 28-Zoll-Laufräder sowie diverse Gewindeösen zum Nachrüsten von Schutzblechen und Gepäckträger gemein. Vom Mountainbike entlehnt das Crossrad dagegen Brems- und Schaltkomponenten, wobei die Kettenblätter gemeinhin etwas größer ausfallen, da das Crossrad eher auf Tempo als auf Bergtauglichkeit ausgelegt ist.