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Die R-Frage

Horst Seehofer weiht in Bautzen ein Polizei-Fahndungszentrum ein. Doch ein anderes Thema überlagert alles.

© Uwe Soeder

Von Tilo Berger

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Zwölf Uhr mittags war Anmeldeschluss. Wer sich bis zu diesem Zeitpunkt am vergangenen Freitag nicht als Berichterstatter für den Besuch des Bundesinnenministers Horst Seehofer (CSU) in Bautzen registrieren ließ, hätte am Montag vor Ort schlechte Karten. Mehr als 50 Journalisten, Fotografen und Kameraleute aus ganz Deutschland gingen auf Nummer sicher. Das Thema versprach hohe Einschalt- und Lesequoten: Sicherheit in Grenzregionen, Zusammenarbeit von Bundes- und Landespolizei, Horst Seehofer in der sächsischen Provinz – das passiert nicht alle Tage.

Als die Liste der Medien-Anmeldungen am Freitagmittag geschlossen wurde, wusste noch niemand, welche Information am Sonntagabend die Runde machen würde. Da hieß es plötzlich, Seehofer trete zurück. Dies habe er so in München im engsten Führungskreis der Christlich-Sozialen Union (CSU) gesagt.

Hat er das wirklich gesagt? Und wenn ja – als was würde er zurücktreten: als CSU-Chef, als Bundesinnenminister, als beides? Es sind diese Fragen, welche die wartenden Journalisten am Montagmorgen bei Kaffee und Bockwurst diskutieren. Ach so, da ist ja auch noch dieses neue Fahndungs- und Kompetenzzentrum der Polizei.

Kurz vor zehn Uhr knattert der Hubschrauber mit dem Bundesinnenminister über Bautzen, wenige Minuten später schüttelt Seehofer die Hände von Sachsens Innenminister Roland Wöller, Landrat Michael Harig (beide CDU) und weiteren Begrüßenden. „Haben Sie gut geschlafen?“, fragt ein Journalist. Der Bayer lächelt nur. Die Meute mit Notizbüchern und Mikrofonen weicht nicht von der Seite. Irgendwann wird der 69-Jährige schon was zum Rücktritt sagen.

Bundes- und Landespolizisten haben vor dem Gebäude ihres gemeinsamen Fahndungs- und Kompetenzzentrums eine Blaulicht-Meile aufgebaut. Seehofer geht zu jedem Fahrzeug und spricht mit den Beamten. Oberkommissar Sven Levora von der Bundespolizei und der sächsische Polizeiobermeister Steffen Ott fahren gemeinsam Streife. Würden Sie den Beruf wieder wählen, erkundigt sich der Bundesinnenminister. Ja, antworten beide. Reagieren Männer frecher auf Frauen, will Seehofer von der Fahnderin Stephanie Karbe wissen. Nein, antwortet die Bundespolizistin, zu ihr haben Tatverdächtige mehr Respekt als gegenüber Männern. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Beruf, fragt der Bundesinnenminister einen Uniformierten mit Motorrad. Klar, antwortet Oliver Matut, sonst würde ich es nicht seit 30 Jahren machen. Haben Ertappte schon mal versucht, Sie zu bestechen, will Seehofer von Polizeihauptkommissar Rainer Berendt wissen. Nein, und wenn, wäre es ein vergeblicher Versuch. „Ich habe keinen getroffen, der seine Arbeit nicht gern macht“, resümiert Seehofer seinen Rundgang, bevor er das Schild des Fahndungs- und Kompetenzzentrums enthüllt. Rund eine Stunde ist er jetzt schon da und hat das magische Wort mit R noch nicht in den Mund genommen.

Bei der abschließenden Pressekonferenz kommt er nicht mehr umhin. Journalisten aus Berlin und München überschlagen sich mit Fragen zum Rücktritt. Seehofer bestätigt, als CSU-Chef abzutreten – wann, werde er bis Ende dieser Woche mitteilen. „Aber ich bin Bundesinnenminister und ich bleibe Bundesinnenminister“, sagt er trotzig. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.

Ach so: Gegen Ende der Pressekonferenz gibt es tatsächlich noch ein paar Fragen zur Arbeit der Polizei.