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Die Rathaus-Baustelle

Für den Sitz der Stadtführung gibt es einen Lift und besseren Brandschutz. Besucher werden über Änderungen informiert.

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© Brühl

Von Ines Scholze-Luft

Radebeul. Wer nicht rein geht, wird es kaum bemerken. An Radebeuls Rathaus, dem historischen, das auch alle so nennen, wird gebaut. Es ist die letzte große Sanierung im Rathausareal in Ost – nach Sozialrathaus, Alter Post samt Standesamt, Technischem Rathaus und alter Polizeiwache.

Von außen wird von den Arbeiten wenig zu sehen sein. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz – heißt, an der Ansicht darf sich kaum etwas ändern. Auch im Inneren wird alles ganz behutsam angefasst, abgestimmt mit den Denkmalschützern. Sowie im Hinblick auf Mitarbeiter und Besucher. Die sollen durch den Bau möglichst wenig belästigt werden. Was sich aber nicht ganz vermeiden lässt, wie sich beim Baustart im dritten Geschoss, unterm Dach, zeigte. Dort erfolgte bereits der Abriss. Wände sind verschwunden, Decken geöffnet.

Hier oben war alles verbaut, sagt Ines Röber, Hochbau-Sachgebietsleiterin in der Stadtverwaltung. Inzwischen gibt es Durchbrüche für die Räume, in die die Stadtkasse einziehen soll. Ein kleiner Flur verschwindet, wird den künftigen Zimmern zugeschlagen.

Krach und Staub

Wer bisher hier arbeitete, muss jetzt nicht Baustaub schlucken. Die Mitarbeiter zogen rechtzeitig um. Das Rechnungsprüfungs- sowie das Personalamt sind inzwischen im Technischen Rathaus zu finden, die Vergabestelle in der Alten Post. Wer in einem dieser Bereiche etwas zu erledigen hat, kann das deshalb ohne Probleme tun, unabhängig von der Sanierung.

Die Mitarbeiter in den Etagen unterm Dachgeschoss haben dagegen beim Abriss schon einiges mitbekommen von Krach und Staub. Wie mancher Besucher. Ein Nachteil, wenn bei laufendem Betrieb gebaut wird. Doch die Arbeit hier muss weitergehen, die Leistungen der Verwaltung sollen weiter angeboten werden, sagt Baubürgermeister Jörg Müller.

Beim Auftakt war das erst mal kein Problem, weil die Handwerker im dritten Geschoss komplette Baufreiheit haben. Damit der Großteil des Staubs auf der Baustelle bleibt, trennt eine dicke Folie mit Reißverschluss an der Treppe die Staubquellen vom übrigen Haus. Weil sich aber nicht alles hinter der Folie halten lässt, überlegt die Stadtverwaltung, die Reinigungsfirma öfter kommen zu lassen.

Ist das Dachgeschoss fertig, wechselt die Stadtkasse vom Erdgeschoss dorthin. Dann geht der Bau in den ehemaligen Kassenräumen weiter. So ziehen die Arbeiten kreuz und quer durchs Haus. Insgesamt in sechs kleineren Bauabschnitten. Die Arbeiten dauern bis 2017. Was schneller ginge, wäre das Haus leer. Doch die Stadt hat ihre Erfahrungen beim Sanieren belebter Häuser, hat das in der Alten Post und im Technischen Rathaus schon durchgezogen.

Keine Außentreppe als zweiten Fluchtweg

Besucher werden rechtzeitig über die aktuelle Lage informiert, sagt der Baubürgermeister. Da wird so manches mitzuteilen sein. Denn fast alle Räume werden in den kommenden Monaten angefasst. So auch das Beratungszimmer im ersten Obergeschoss, wo unter anderem die Pressegespräche vor den Stadtratssitzungen stattfinden. Die Beratungen sind künftig an anderer Stelle auf demselben Flur. Fest steht außerdem, dass nach dem Auszug der Stadtkasse das Hauptamt – wo sich beispielsweise das Briefwahllokal befindet – einmal das gesamte Erdgeschoss einnimmt.

Neben den Büros verändert sich das Treppenhaus, wird brandschutztechnisch auf Vordermann gebracht. Es soll sicherer Fluchtweg sein, indem es einem Feuer Widerstand und Schutz vor Rauch bietet. Eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg entfällt für das historische Gebäude. Also erhält das Treppenhaus entsprechende Glaseinbauten. Glastüren trennen es im Brandfall vom übrigen Gebäude. Der Einbau wird vor allem im Erdgeschoss spannend, sagt Ines Röber. Dort gehen die Glaselemente um die Säulen. Dafür muss ins Kapitell, den oberen Säulenabschluss, hineingefräst werden. Eine technische Herausforderung, die möglichst in Tagen ohne Besucherverkehr umgesetzt werden soll.

Auch die Installation des Lifts ist nicht ohne. Er entsteht neben dem Hintereingang auf der Hofseite. Dafür muss der Server weichen. Sein Umzug bedeutet, dass das Haus ein bis zwei Tage ohne Netz ist. Außerdem wird die gesamte Elektrotechnik umgebaut. Auch da will die Stadt beizeiten Bescheid geben, sagt Jörg Müller. Wie überhaupt über alles, was für die Besucher von Bedeutung sein könnte bei dem insgesamt rund 1,1 Millionen Euro teuren Umbau, bei dem schließlich auch der Ratssaal an die Reihe kommt. Der ist aber erst in Planung, so Ines Röber.

Derzeit steht die Vergabe weiterer Bauleistungen an. Am Dienstagabend entscheidet der Stadtentwicklungsausschuss über Tischlerarbeiten und die Verglasung von Brandschutztüren.