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Die Rennstrecke, die Bannewitz spaltet

Beim Streit um die Motocross-Strecke an der B 170 sind die Fronten weiter verhärtet, wie eine Diskussionsrunde zeigte.

Von Maik Brückner

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In einem sind sich fast alle Bannewitzer einig: Der Motocross hat Tradition. Und die sollte fortgeführt werden. Uneins sind sich die Bannewitzer in der Frage, wo das geschehen soll. Das wurde einmal mehr in der Einwohnerversammlung deutlich, zu der Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) vorige Woche in den Saal des Kompressorenbaus Bannewitz eingeladen hat.

Daniel Reichel trat beim Wettkampf Ende September als Lokalmatador an. Der Mann aus Hänichen setzt sich abseits der Rennstrecke dafür ein, dass die langjährige Motocross-Tradition in Bannewitz weitergeführt wird. Fotos: Karl-Ludwig Oberthür
Daniel Reichel trat beim Wettkampf Ende September als Lokalmatador an. Der Mann aus Hänichen setzt sich abseits der Rennstrecke dafür ein, dass die langjährige Motocross-Tradition in Bannewitz weitergeführt wird. Fotos: Karl-Ludwig Oberthür

Gut 200 Bürger waren gekommen. Rund ein Drittel gab sich als Kritiker der im September eröffneten Rennstrecke zu erkennen, gut zwei Drittel waren Befürworter. Beide Seiten diskutierten sehr emotional über den Standort der Rennstrecke, die in diesem Jahr im Norden des Gemeindegebietes unterhalb des Real-Einkaufmarktes geschaffen wurde. Hier fand Ende September das erste Motocross-Rennen statt, zu dem rund 4 000 zahlende Besucher aus Nah und Fern nach Bannewitz kamen.

Für viele Anwohner war das ein Graus. Mehrere Bürger – vor allem die, die am Nöthnitzhang wohnen – berichteten vom Lärm, der lauter war als der von der Bundesstraße und der Autobahn. Richtig laut wurde es demnach zum ersten Mal am Abend des 31. Augusts, als die neue Rennstrecke eingefahren wurde. „Ich habe richtig Angst bekommen“, sagte eine Anwohnerin. Eine andere berichtete, dass sie am Wettkampfwochenende eine Lärmbelastung von 80 bis 95 Dezibel gemessen habe. „Wir wohnen in einem reinen Wohngebiet, dort liegt die Grenze bei 60 Dezibel.“ Andere erinnerten an den Trainingstag. Weil es trocken war, wurde von den Motorrädern viel Staub aufgewirbelt, der zum Wohngebiet geweht wurde.

Dort hat sich inzwischen eine Bürgerinitiative gebildet, die sich gegen die Strecke ausspricht. Deren Sprecher Dirk Ritter kritisierte, dass die Anwohner vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Keiner sei gefragt worden, ob dort eine Rennstrecke errichtet werden solle. Diese sei einfach gebaut worden. „Die Strecke befindet sich jetzt 100 Meter vor meiner Haustür“, erklärt er. Fröse zeigte Verständnis für die Sorgen der Anwohner, verlangte aber auch Kompromissbereitschaft.

Die Gemeinde sei froh, dass die Motocross-Tradition fortgeführt werde. Um den Verein zu unterstützen, bot die Gemeinde diesem die rund 30 000 Quadartmeter große Fläche an, die sie selbst von einem Privaten preiswert gepachtet hat. Weil klar war, dass von der Strecke eine Lärmbelastung ausgehen werde, habe man bereits in der ersten Nutzungsvereinbarung mit dem Verein die Fahr- und Trainingszeiten beschränkt, erinnerte Fröse.

Nachdem sich ein erster Protest regte, lenkte der Verein ein. Demnach soll nur einmal im Jahr ein Rennen stattfinden. Am Tag davor soll es Trainingsläufe geben, zwischen Mai und Oktober sollen die Kinder und Jugendlichen des Vereins aller 14 Tage sonnabends von 9 bis 12 Uhr auf der Strecke trainieren dürfen. Ab 14 Uhr könnten dann Elektromotorräder auf die Piste. „Wir sind kompromissbereit“, versicherte Frank Zirnstein, der Chef des Motocross-Clubs Bannewitz. „Doch bis jetzt sind nur wir rückwärts gegangen.“ Die Kritiker überzeugte er nicht.

Mehrere Anwohner verlangten, dass die Motorsportler nach Pirna ausweichen sollten. Dort gebe es eine Rennstrecke, die niemanden störe. Mitglieder des Vereins lehnten das ab. Schon jetzt sei die ehrenamtliche Arbeit des 42-köpfigen Vereins sehr aufwendig und zeitintensiv. Fahrten nach Pirna könnte der Verein nicht ohne Weiteres leisten. Einige Bannewitzer stellten sich demonstrativ auf die Seite des Vereins. Unter anderem lobten sie sein Engagement für die Kinder und Jugendlichen, die dort trainiert werden.

Gut zwei Stunden dauerte die Diskussion. Mehrere Redner mahnten im Lauf des Abends an – und das aus gutem Grund – sachlich zu bleiben und auf persönliche Angriffe sowohl im Internet als auch in der Diskussion zu verzichten. Am Ende war nicht zu erkennen, dass die Kritiker der Rennstrecke das Kompromissangebot des Vereins annehmen wollen. Sie lehnen die Strecke an der Stelle ab. Nun darf man gespannt sein, wie sich der Streit entwickelt.

Die Gemeinde Bannewitz arbeitet weiter daran, die Strecke zu erhalten. Dazu muss für die Fläche ein Bebauungsplan genehmigt werden. Fröse hofft, dass er den Plan im kommenden Jahr dem Gemeinderat vorlegen kann. Die Abgeordneten sollen dann jeden der Einwände abwägen. Sollte der Plan am Ende genehmigt werden, könnte der Club die Strecke zunächst bis 2023 nutzen. So lange gilt der Pachtvertrag, den die Gemeinde mit dem Flächeneigentümer geschlossen hat. „Wird der Vertrag nicht gekündigt, verlängert er sich jeweils um ein Jahr“, erklärt Fröse.