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Bautzen

Die Rentenfrage am Küchentisch

Wo die SPD wahlkämpft, ist ein Möbelstück nicht weit. An dem diskutierten Bautzener am Dienstag auf dem Kornmarkt mit Bundesarbeitsminister Heil.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (l.) und Landtagskandidat Harald Baumann-Hasske im Gespräch mit Bürgern auf dem Bautzener Kornmarkt.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (l.) und Landtagskandidat Harald Baumann-Hasske im Gespräch mit Bürgern auf dem Bautzener Kornmarkt. © Steffen Unger

Bautzen. Auf dem Bautzener Kornmarkt stand am Dienstagnachmittag ein Küchentisch. Nicht das Möbelstück der Großfamilie von Sachsens SPD-Chef Martin Dulig, sondern ein Exemplar mit sechs Stühlen. Drei davon waren wahlkämpfenden Sozialdemokraten vorbehalten, auf den anderen drei konnten sich Passanten abwechseln und jeweils zwei Fragen loswerden.

Rüdiger Hartwich aus Bautzen ließ sich nicht lange bitten. Warum es solche Ungerechtigkeiten bei der Rente gebe, wollte der Senior von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil wissen. „Das will ich ja ändern“, freute sich der 46-Jährige über die Steilvorlage und präsentierte seine Idee von einer Grundrente, von der mehr als drei Millionen Deutsche profitieren würden. „Der Fleiß der Menschen soll sich in der Rente widerspiegeln.“ Da gab’s schon mal Beifall.

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Eine Frau sagte, dass sie alleinstehend drei Kinder großgezogen habe und sich dies nicht in ihren Anwartschaften auf die Rente zeige. Heil wunderte sich, versprach aber, sein Ministerium werde sich um den Fall kümmern: „Da steht meine Mitarbeiterin, sie notiert sich Ihre Adresse.“ Rente war das Thema Nummer eins am Küchentisch, an dem Heils Nachbar Harald Baumann-Hasske anfangs gar nicht zu Wort kam. Da er sich aber zur Landtagswahl als Direktkandidat im Bautzener Wahlkreis empfehlen wollte, hakte er beim nächsten Thema ein: dem Zusammenhang von Löhnen und Renten. Baumann-Hasske warb für die Mitgliedschaft in Gewerkschaften: „Sie können bessere Löhne aushandeln.“

Ein Mann im Rollstuhl beklagte sich über zu hohe Bordsteinkanten in Bautzen: „Ich komme kaum in ein Geschäft oder ein Restaurant.“ Der dritte Wahlkämpfer am Tisch, Kreis- und Stadtrat Roland Fleischer, will das Thema mit ins Rathaus nehmen. Aber auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens hat aufmerksam zugehört.

Einem Bürger hätte Moderator Roland Fleischer fast das Mikrofon entzogen, doch Heil beruhigte das erhitzte Gemüt. Der Mann zitierte Anschuldigungen gegen die SPD aus einem gedruckten Blatt, dessen Herkunft er wohl selbst nicht kannte. Ein Flüchtling aus Afghanistan, der seit 2015 in Bautzen lebt und jetzt einen Beruf lernt, berichtete über seine drohende Abschiebung. „Ich will aber nicht sterben, ich möchte mir in Sachsen eine Zukunft aufbauen.“ Der Jurist Baumann-Hasske will sich um die Sache kümmern.

Einen Rat rief Hubertus Heil den Passanten auf dem glühendheißen Kornmarkt zu: „Trinken Sie ausreichend Wasser, ich bin nämlich auch der Minister für Arbeitsschutz.“ Worauf sich eine Frau an den Küchentisch setzte und einen Becher leerte. „Haben Sie auch eine Frage?“, wollte der Minister wissen. „Nein, ich hab nur Durst.“