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Die Retter der Ritterguts Prossen

© Dirk Zschiedrich

Mit Millionenaufwand wird das jahrhundertealte Ensemble saniert. Drin wohnen wollen die Bauherren aber nicht.

Von Gunnar Klehm

Bad Schandau. Diese Baustelle ist für alle Beteiligten ein Abenteuer. „In den Wochen, als wir die nachträglichen Einbauten entfernen ließen, gab es fast jeden Tag eine neue Überraschung“, sagt Torsten Wiesner, der zusammen mit seiner Frau Jutta im Februar 2015 das alte Rittergut Prossen gekauft hat. Seitdem planen und sanieren sie das baufällig gewordene Objekt. Die beiden Dresdner Apotheker haben eigens dafür die Rittergut Prossen GbR gegründet. „Inzwischen wird aber mehr auf- als abgebaut“, sagt Jutta Wiesner. Das Prachtstück des Hauses ist eine barocke Stuckdecke im Obergeschoss. Restauratoren richten sie wieder her. Dass das möglich war, sie zu erhalten, daran glaubte anfangs nicht jeder. Denn das Holz der Balkendecken war kaum noch zu retten. Die Bauexperten fanden aber mit einer Hängekonstruktion den richtigen Kniff, wie das marode Holz ausgewechselt werden konnte, ohne alles abzureißen.

Das Prossener Rittergut. © Dirk Zschiedrich
Die historischen Stuckdecken werden gegenwärtig von Restauratoren bearbeitet. © Dirk Zschiedrich
Jahrzehntelang war der Schmuck hinter Zwischendecken verborgen. © Dirk Zschiedrich

Um die Bausubstanz nicht weiter zu schädigen, musste vor der Dachsanierung mittels Gerüstkonstruktion ein Überdach gebaut werden. Eine Seite ist bereits fertig, nun arbeiten die Zimmerleute auf der zweiten. Von dort aus hat man einen herrlichen Blick ins Elbtal und auf den Lilienstein. „So hässlich die Baustelle manchmal auch wirkt, von dem Blick hier war bis jetzt jeder begeistert“, sagt Torsten Wiesner.

An der Westseite soll nach historischem Vorbild wieder eine Außentreppe entstehen. Auch die Scheune und das ruinöse Wirtschaftsgebäude sollen erhalten werden. Bis dort gebaut wird, dauere es aber noch, bitten die Bauherren um Geduld. Das Gleiche gelte für die Herrichtung des früheren Parks.

Laut Denkmalschutz stellt das Herrenhaus Prossen ein „hochrangiges Denkmal der Regional-, Adels- und Baugeschichte der Sächsischen Schweiz dar“. Deshalb wird ein Teil der Restaurationsarbeiten auch finanziell gefördert. Unterstützung bekommen die Wiesners aber auch aus dem Wirtschaftsministerium. Denn die Bauherren wollen auf dem Gut nicht selber wohnen, sondern richten zehn hochwertige Ferienappartments, eine Sauna und einen repräsentativen Veranstaltungsraum ein. „Der kann für Kultur, Seminare oder größere Feiern genutzt werden“, sagt Jutta Wiesner.

Zwei Drittel der Gesamtbaukosten von rund drei Millionen Euro muss das Paar selbst aufbringen. Zwar hatten sie vorher schon Erfahrungen mit dem Ausbau eines Ärztehauses. Das Projekt in Prossen ist aber noch ein paar Nummern größer. Das komplette nächste Jahr werde noch gebaut. Ab 2019 soll man dann die Ferienwohnungen und Veranstaltungsräume buchen können. Drei neue Arbeitsplätze sind vorgesehen. Wenn alles fertig ist, soll es auch einen Tag der offenen Tür geben.