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Die Retter der Simson-Werkstatt

Zwei Cunewalder haben eine traditionsreiche Firma übernommen – und sich so einen großen Wunsch erfüllt.

© Uwe Soeder

Von Katja Schäfer

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Sie haben ihre attraktiven Jobs gekündigt, um sich einen Traum zu erfüllen. Schon als Teenies waren Markus Wehnel und Philipp Bathelt fasziniert von Fahrzeugtechnik. Sein erstes Motorrad kaufte Wehnel schon mit zwölf Jahren. Mithilfe seines Vaters. Mit ihm zusammen restaurierte er die grüne 150er MZ TS auch. Bei Bathelt fing es mit einem Simson-Moped S 51 an. Inzwischen sind die beiden Cunewalder 33 Jahre alt – und noch genauso begeistert von Mopeds, Motorrädern und Autos aller Art.

Jetzt betreiben die Männer, die seit Kindertagen befreundet sind, zusammen ihre eigene Kfz-Werkstatt. Durch Hartnäckigkeit ist es ihnen gelungen, eine alteingesessene Cunewalder Firma zu übernehmen, die als Spezialist für Simson-Zweiräder weit über Cunewalde hinaus einen Namen hat. „Als Jugendliche haben wir uns dort so manches Teil geholt“, sagt Markus Wehnel. Und Philipp Bathelt ergänzt: „Aber geschraubt haben wir selbst.“ Beide erlernten den Beruf des Kfz-Mechanikers, hatten Jobs in dem Metier, aber schon lange den Wunsch, sich selbstständig zu machen. „Seit fünf Jahren waren wir immer wieder bei Peter Milke, dem die Werkstatt gehörte, fragen, ob wir sie übernehmen können. Aber er wollte noch nicht aufhören“, berichtet Markus Wehnel, der zusätzlich zum Berufsabschluss auch den Meisterbrief in der Tasche hat. Vor ein paar Monaten war es dann so weit: Der bisherige Firmen-Inhaber entschied sich, in Rente zu gehen. „Aus der Verwandtschaft hatte niemand Interesse daran, die Werkstatt weiterzuführen. Herr Milke wollte aber, dass sie bestehen bleibt. So kamen wir endlich zum Zuge“, erzählt Philipp Bathelt. Er kündigte seinen Job in der Werkstatt einer großen Baufirma, wo er für den Fuhrpark zuständig war. Markus Wehnel gab seinen Arbeitsplatz bei einem Mercedes-Autohaus auf. Als Erstes nahmen sie den Umbau der Werkstatträume an der Straße Neue Sorge in Angriff, schufen einen Durchgang zum Anbau, kauften eine zweite Hebebühne. Denn sie haben das Angebot der typenfreien Werkstatt von Mopeds und Motorrädern auf Autos erweitert. „Ein großer Danke gilt unseren Freunden, Familien und anderen Helfern, die uns bei den Arbeiten unterstützt haben“, sagt Markus Wehnel. „Und Peter Milke dafür, dass er uns sein Vertrauen geschenkt und die Werkstatt übertragen hat. Es gab schließlich noch andere Interessenten“, ergänzt Philipp Bathelt. Dass sie die traditionsreiche Zweirad-Werkstatt weiterführen und auf Pkw erweitert haben, stößt in Cunewalde auf Zuspruch. In dem langgestreckten Ort gibt es nur noch eine andere Autowerkstatt. „Viele Leute haben uns gesagt, dass sie froh sind, jetzt ihr Auto hier abgeben und nach Hause laufen zu können“, berichtet Markus Wehnel. Die beiden Inhaber des Kfz-Meisterbetiebes Cunewalde, wie ihr Unternehmen heißt, bieten umfangreiche Leistungen für alle Marken an. Was sie an ihrer Arbeit so fasziniert, ist das Wieder-in-Gang-Bringen, sagen sie. Philipp Bathelt erklärt: „Wenn man mal einen kaputten Motor auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt hat, und er dann wieder einwandfrei läuft, ist das ein schönes Erlebnis.“ Auch in ihrer Freizeit können die Männer nicht vom Schrauben lassen. Für das SHP-Autocrossteam, dessen Fahrer unter anderem über die Rennstrecke am Matschenberg jagen, arbeiten sie ehrenamtlich als Mechaniker. Wenn darüber hinaus Luft bleibt, kümmern sie sich um ihre eigenen Fahrzeuge. Neben einem Auto für den Alltag nennt jeder von ihnen einige andere Gefährte sein eigen.