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Die Revolution erreicht Riesa

Im November 1918 dreht sich auch im Riesaer Tageblatt alles um den Zusammenbruch des Kaiserreichs.

Von Siegfried Wallat

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Anfang November 1918 ist Deutschland in Aufruhr. Die Revolution weitet sich nach dem Matrosenaufstand in Kiel rasch aus – auch nach Riesa. Das Riesaer Tageblatt vom 9. November 1918 meldet: „Auch unsere Stadt stand heute im Zeichen der revolutionären Umwälzung. Bereits gestern abend in der neunten Stunde fand auf dem Albertplatz (heute Rathausplatz, Anm. d. Red.) eine Versammlung statt. Es wurden Ansprachen gehalten und Forderungen aufgestellt, die Gegenstand einer Besprechung zwischen einer Abordnung der Soldaten und dem Garnisonkommando sein sollten. Diese Besprechung hat heute mittag stattgefunden. Um 2 Uhr nachmittags wurde dann abermals eine Versammlung auf dem hiesigen Albertplatz abgehalten, an der das Ergebnis der Besprechung mitgeteilt wurde… Bahnhof und Post haben eine unter dem Befehl des hiesigen Soldatenrates stehende Bewachung erhalten… Es wurde hierauf zur Wahl eines Soldaten- und Arbeiterrates geschritten; dieser wird aus 30 Mitgliedern bestehen. Im Anschluß an die Versammlung wurde von der Menge die Freilassung der im Amtsgerichtsgefängnis untergebrachten Militär- und Zivilgefangenen erzwungen.“

Was sonst noch geschah

Dresden, 10. November: „Dem „Vorwärts“ wird aus Dresden gemeldet: Der sächsische König ist abgesetzt. Der vereinigte revolutionäre Arbeiter- und Soldatenrat von Groß-Dresden erläßt einen Aufruf an das Volk, in dem gesagt ist: Der König ist seines Thrones entsetzt. Die Dynastie Wettin hat aufgehört zu existieren. Die Erste Kammer ist aufgelöst. Auch die Zweite Kammer besteht nicht mehr.“

Berlin, 11. November: „Aus Berlin wird vom 9. November gemeldet: Der Reichstagsabgeordnete Ebert ist zum Reichskanzler ernannt worden.“

Zeithain, 12. November: „Auch auf die Munitionslager Zeithain, Wülknitz und Röderau hat die Soldatenbewegung übergegriffen...Die Kompanien wählten je eine Person in den Soldatenrat.“

Die Regeln der zeitgenössischen Orthografie wurden beibehalten.