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Die rollende Apotheke fährt immer mit

Doping. Die verbotenen Stimulanzmittel gehören längst zu den ständigen Begleitern im Peloton.

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Es begann in Madrid: Beim Verlassen eines Hotels in der spanischen Hauptstadt werden zwei Männer von der Polizei festgenommen. Der eine ist der Arzt Eufemiano Fuentes, seit 20 Jahren im Dienst von Radsport-Profiteams und dabei stets Dopingvorwürfen ausgesetzt. Der andere heißt Manolo Saiz, Chef des Rennstalls Liberty-Seguros und eines der Schwergewichte im internationalen Radsport. Wenig später verhafteten die Ermittler der Guardia Civil den Hämatologen José Merino Batres in seinem Speziallabor, das als Zentrum des Blutdoping-Rings gilt.

So nahm am 23. Mai die „Operacion Puerto“ ihren Lauf, die sich am Freitag zum größten Dopingskandal in der Geschichte des Radsports ausgeweitet hat. Verbotene Stimulanzmittel gehören seit Jahrzehnten zu den ständigen Begleitern im Peloton. Doping als Dauerthema.

Aufputschmittel

Die Einnahme von verbotenen leistungsfördernden Mitteln geht bis ins Jahr 1886 zurück. Das Wort Doping existierte im Sprachgebrauch noch nicht, als der Engländer Arthur Linton bei der Fernfahrt von Bordeaux nach Paris tot vom Rad fiel. Er hatte mit Aufputschmitteln die Leistungsgrenze so weit hinausgeschoben, dass sein Organismus die Belastung nicht mehr aushielt.

AMphetamine

Bei den Olympia 1960 in Rom starb der Goldmedaillengewinner Knut Enemark Jensen bei der Zieldurchfahrt. Er war mit Amphetaminen gedopt. Dabei handelt es sich um eine synthetische Substanz, die das Zentralnervensystem anregt. Die Überdosis der euphorisierend wirkenden Amphetamine ließ am 13. Juli 1967 den Engländer Tom Simpson kollabieren. Er starb beim Anstieg auf den Mont Ventoux – das erste Todesopfer bei der Tour de France. 1969 wurde der Deutsche Rudi Altig des Dopings überführt, 1980 musste Dietrich Thurau nach positiver Probe die Tour beenden.

Cortisone

Auch der Belgier Eddy Merckx, der als bester Fahrer aller Zeiten gilt, machte sich verbotene Präparate zu Nutze: Cortison. Die hoch dosierte Anwendung des in der Nebennierenrinde des Menschen gefundenen Wirkstoffs wirkt euphorisierend. Als Bernhard Hinault 1980 wegen angeblichen Knieproblemen die Tour in Führung liegend aufgab, wurde dahinter ebenfalls Cortisonmissbrauch vermutet.

EPO

Das Doping mit Erythropoetin, kurz EPO, steht für den größten Skandal bei der Tour de France, als 1998 das Team Festina ausgeschlossen wurde. Das Hormon ist entscheidend für die Bildung roter Blutkörperchen. Damit kann das Blut mehr Sauerstoff transportieren. Das ist auch Ziel des Dopings mit Eigen- bzw. Fremdblut, dessen mit Marco Pantani (1999) und Tyler Hamilton zwei Stars der Szene überführt wurden. (-yer/dpa/sid)