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Die Rote Lagune

Sieht gefährlich aus, ist aber nur Eisen: Am Berzdorfer See ist Grundwasser ausgetreten – und über den Sand geflossen.

© Susanne Sodan

Von Susanne Sodan

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Ein bisschen gruselig sieht das Bild schon aus. Rot-braune Schlieren ziehen sich meterweit über den Sand. Aber die Blaue Lagune war weder die Kulisse für einen Horrorfilm, noch ist die Dusche schuld an den seltsamen Verfärbungen. Das Rot-Braune ist rostgefärbtes Wasser. Der Ursprung liegt ein paar Meter hinter der Stranddusche am Ufer des Berzdorfer Sees. Dort ist vor einigen Tagen im Bereich eines Gullis stark eisenhaltiges Grundwasser ausgetreten – und über den Strand abgeflossen. Zeitweise sei das Wasser sogar in einem armdicken Strom aus dem Boden gequollen, erzählt Schönau-Berzdorfs Bürgermeister Christian Hänel (parteilos).

Dabei hatten sich Gemeinde, Planer und der Bergbausanierer LMBV große Mühe gegeben, Oberflächenwasser in schön geregelten Bahnen abfließen zu lassen. Auf der Südseite des Sees erstreckt sich hinter der Blauen Lagune und in Schönauer Richtung die sogenannte Kippe. Regenwasser genauso wie Wasser, das aus dem Boden nach oben dringt, wird dort über viele Gräben, teils auch durch Rohre in See-Richtung abgeleitet, erklärt Christian Hänel. Vergangenes Jahr wurde am Ufer eine große Rohrleitung errichtet, in der das Oberflächenwasser mündet und zum See geleitet wird. Parallel zu dieser 1000er-Rohrleitung verläuft ein weiterer kleinerer Graben, der zur Sammlung des Oberflächenwassers am Ufer dient. Ganz in der Nähe – gleich rechter Hand, wenn man von den neuen Parkplätzen zum Stand hinabläuft – ist die Austrittsstelle des Grundwasserstroms, der den Strand verunziert hat. Denn statt in den benachbarten Graben abzufließen, nahm das Wasser den Weg über den Radweg, vorbei an einer kleinen Sitzmauer und hinein in den Sand.

Dass aufsteigendes Grundwasser oft rostrot gefärbt ist, ist in dem einstigen Bergbaugebiet und gerade im See-Süden nicht neu. „Aufsteigendes Grundwasser bringt hier eisenhaltiges Substrat mit sich, das ist uns bekannt“, sagt Christian Hänel. Aber solche Größenordnungen wie jetzt am Seeufer kannte er bisher noch nicht. Es gab bereits einen Vor-Ort-Termin mit der LMBV, die für den Fall zuständig ist. Als erste Maßnahme wurde auf dem Wiesenstreifen ein kleiner Damm angelegt, erklärt Jürgen Nagel von der LMBV. „Damit fließt weiteres Wasser jetzt erst mal in Richtung des Grabens ab und nicht mehr über den Strand“, sagt er und erklärt die Hintergründe für den Rostwasser-Unfall.

Die Blaue Lagune ist im Grunde der Fußpunkt der Kippe, die sich südlich des Berzdorfer Sees bis Schönau erstreckt. Als der Bergbau beendet war, der See geflutet wurde, begann auch der Grundwasseranstieg. „Stellen Sie sich die Kippe wie einen Schwamm vor“, erklärt Jürgen Nagel. Vom tiefliegenden See-Niveau zieht sich das Grundwasser im Kippenbereich in die Höhe. Generell handelt es sich im Süden des Sees um recht eisenhaltiges Wasser. Laut Jürgen Nagel weist es pro Liter einen Gehalt von bis zu 35 Milligramm gelösten Eisens auf, das sich in Verbindung mit Sauerstoff rot verfärbt. „Nach dem Abschluss des Grundwasserwiederanstieges hat sich im Bereich der Blauen Lagune eine Sickerlinie ausgebildet, die in mehreren Böschungsbereichen auch austritt“, erklärt Nagel weiter. 2011 hatte es einen ähnlichen Fall gegeben. Im Sommer hatte damals Grundwasser an einer Stelle in Ufernähe das Seewasser getrübt und Badende erschreckt. Eine Gefahr für die Wasserqualität des Sees oder gar für die Gesundheit sei durch die eisenhaltigen Einträge allerdings nicht zu befürchten, erklärte damals die LMBV.

In dem Abschnitt, wo jetzt das Wasser bis über den Strand geflossen ist, wurde vor Jahren eine Flächendrainage angelegt, die das Wasser immer in den Graben vor der neuen 1000er-Rohrleitung geführt hat. „Im Zuge der Baumaßnahmen zur Verlegung der 1000er-Rohrleitung wurde die Flächendrainage unwirksam“, teilt Nagel mit. Es muss jetzt wahrscheinlich eine neue Drainage gelegt werden, um aufsteigendes Grundwasser wieder vom Strand fernzuhalten. Mit den Plänen dafür hat die LMBV das Görlitzer Büro Ibos beauftragt.

„Es gibt unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten“, erzählt Jürgen Nagel. Aus dem Boden austretendes Grundwasser mit hohem Eisengehalt ist nicht nur am Berzdorfer See eine Schwierigkeit, sondern zum Beispiel auch am Dreiweibernsee. Dort hat gerade ein Pilotprojekt begonnen. Am Lohsaer Strand, wo es noch Probleme mit Verockerung gibt, werden drei Varianten getestet, mit deren Hilfe das eisenhaltige Wasser nicht mehr am Strand, sondern tiefer im See austreten und damit auch weniger mit Sauerstoff in Verbindung geraten soll.

(mit aw/SZ/abl)