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Deutschland & Welt

Bahn stellt Fernverkehr wegen "Sabine" ein

Das befürchtete Orkantief erreicht Deutschland. Erste Schäden treten auf. Die Bahn will alle bundesweiten Fernzüge streichen. Flüge sind abgesagt.

Die Deutsche Bahn will sukzessive alle Fernzuverbindungen in Deutschland einstellen.
Die Deutsche Bahn will sukzessive alle Fernzuverbindungen in Deutschland einstellen. © Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)
  • Deutsche Bahn streicht alle bundesweiten Fernverbindungen, Flüge wurden abgesagt
  • Wetterdienst gibt für große Teile Deutschlands zweithöchste Warnstufe aus
  • Sturm richtet erste Schäden in Ostfriesland an
  • Mehrere Sportveranstaltungen sind abgesagt worden
  • Heftige Schauer und gefährliche Gewitter begleiten den Sturm
  • Auch andere europäische Länder sind betroffen

Berlin. Wegen des Sturmtiefs "Sabine" hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr in Nordrhein-Westfalen eingestellt. Das teilte die Bahn am Sonntag auf Twitter mit. Sukzessive solle der Fernverkehr bundesweit eingestellt werden. Man habe sich entschieden, "beginnend in NRW nach und nach alle Züge des Fernverkehrs bundesweit an größeren Bahnhöfen enden zu lassen", schrieb die Bahn in ihrem für den Sturm eingerichteten Presseblog.

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Im Regionalverkehr waren zuvor bereits mehrere Strecken gesperrt worden, weil umgestürzte Bäume die Gleise blockiert hatten. Auch für Autofahrer sorgte "Sabine" für Komplikationen: Mehrere Bundes- und Landstraßen waren schon am Nachmittag nicht mehr problemlos befahrbar, weil Bäume im Weg lagen.

Auf dem Weg von Amsterdam nach Berlin ist ein Intercity-Zug während des aufziehenden Sturmtiefs "Sabine" in einen umgestürzten Baum gefahren - und steckt nun auf offener Strecke im Emsland fest. In dem IC sitzen etwa 300 Reisende, teilte die Deutsche Bahn am Sonntag mit. Ein Notfallmanager sei unterwegs zu dem Unfallort bei Salzbergen zwischen dem Grenzbahnhof Bad Bentheim und Rheine. 

An den großen deutschen Flughäfen wie Frankfurt oder Düsseldorf wurden am Sonntag etliche Flüge gestrichen. Die Airline Eurowings stellte ihren Betrieb für die Dauer des Sturms fast vollständig ein. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden bis zum Mittag schon 120 Flüge gestrichen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gab für große Teile Deutschlands die zweithöchste Unwetterwarnstufe heraus. Am Sonntagmittag herrschte aber noch weitgehend die Ruhe vor dem Sturm. "Es wird jetzt langsam stärker", sagte Michael Hagen vom DWD in Offenbach.

In Teilen des Schwarzwaldes gelte aber schon die höchste der vier Warnstufen. Das Sturmtief werde die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen. Auf den Straßen sei Vorsicht geboten. Es könnten Äste oder auch Ziegel hinunterfallen.

Das Sturmtief sollte die ganze Nacht von Norden nach Süden durch das Land ziehen. Durch das Unwetter könnten laut DWD Bäume entwurzelt werden oder Dachziegel auf die Straße fliegen. Auch größere Schäden an Gebäuden könne es geben. Im äußersten Osten, also von Vorpommern bis zur Niederlausitz, werde bislang nicht mit verbreiteten Unwettern gerechnet. Doch auch hier seien bei Gewittern Orkanböen möglich. 

Sturmtief "Sabine" sorgt auf dem Brocken für extreme Orkanböen. Bis zum frühen Sonntagabend wurden Spitzengeschwindigkeiten von 156 Kilometer pro Stunde gemessen, wie ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig sagte. Laut Prognosen könnte es der Orkan auf dem Brocken-Plateau im Laufe der Nacht auch noch auf Tempo 180 bringen. Die Harzer Schmalspurbahnen hatten schon am Sonntagmittag vorsorglich ihre Fahrten zum Brocken eingestellt - die Einschränkungen sollen bis Dienstagnachmittag dauern. 

Heftige Schauer und gefährliche Gewitter

In Großbritannien, wo "Sabine" den Namen "Ciara" trägt, wurden zahlreiche Zugverbindungen und Flüge gestrichen. Der Hafen von Dover stellte den Fährbetrieb ein. Queen Elizabeth II. sagte am Sonntag ihren Kirchgang im ostenglischen Sandringham aus Sicherheitsgründen für die Schaulustigen ab. In Irland kam es zu Überschwemmungen. Etwa 10 000 Haushalte hatten keinen Strom.

Erste Ausläufer von "Sabine" waren Sonntagmittag an der deutschen Nordsee zu spüren. Im Laufe des Tages breitet sich der Sturm dann wohl mit einzelnen Orkanböen auf den gesamten Norden und die Mitte des Landes aus. Dort werde der Höhepunkt in der Nacht zum Montag erreicht, im Süden am frühen Montagmorgen.

Begleitet werden soll der befürchtete Orkan vielerorts von heftigen Schauern und Gewittern. In der Nacht werden Windgeschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde erwartet. "Sabine" ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) werde "Sabine" aber nicht.

Die Deutsche Bahn bereitete sich auf mögliche Probleme vor. Wer nicht reisen möchte, kann die Fahrkarte kostenfrei stornieren. Das Bahnpersonal sei auf zerstörte Oberleitungen oder umgekippte Bäume vorbereitet. Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sollten eingesetzt werden, um versperrte Gleise frei zu bekommen.

Die Deutsche Bahn teilte am Sonntagmorgen mit, die Küstenregionen und stark sturmgefährdete Regionen wie Emden, Norddeich, Kiel und Westerland seien ab der Mittagszeit nicht mehr mit Fernverkehrszügen zu erreichen. Diese Einschränkung betreffe beispielsweise IC-Züge zwischen Norddeich und Hannover/Koblenz, ICE-Verbindungen zwischen Hamburg und Kiel beziehungsweise Westerland sowie die Strecken des EC zwischen Hamburg und Kopenhagen/Aarhus.

Schon am Samstag war der Skisprung-Weltcup in Willingen (Hessen) abgesagt worden. "Sabine" sorgte am Sonntag dann für weitere Absagen von Fußballspielen: So fiel auch die für 14.00 Uhr angesetzte Nachholpartie der Frauen-Bundesliga zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Köln den Wetterbedingungen zum Opfer.

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Auch andere europäische Länder rüsteten sich für das Orkantief. Der niederländische Wetterdienst forderte Autofahrer auf, nicht mit Anhängern und Wohnwagen zu fahren. Der niederländische Fußballverband KNVB sagte für Sonntag alle Spiele der Profiligen ab. Und in England musste die für Sonntag angesetzte Partie zwischen Meister Manchester City und West Ham United angesichts der Gefahren durch den dort "Ciara" getauften Orkan verschoben werden. (dpa)