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Die Sachsen lieben ihr Bargeld

Wegen der Debatte um 500-Euro-Scheine und größere Abhebungen legt sich offenbar der eine oder andere im Freistaat etwas unters Kopfkissen.

© Symbolfoto: dpa

Nora Miethke

Dresden. Die Nachricht, dass die Europäische Zentralbank überlegt, den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr zu ziehen, hat viele ältere Bankkunden aufgeschreckt. Gut drei Dutzend stehen seither täglich an Dresdner Bankschaltern und wollen ihre 500-Euro-Scheine in kleinere Scheine umtauschen – aus Angst, sie könnten bald nichts mehr wert sein. Unter sächsischen Kopfkissen scheint wohl mehr Bargeld zu liegen als vermutet.

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Auch der Plan der Regierung, Barzahlungen über 5 000 Euro gesetzlich zu verbieten, würde mehr Sachsen in ihrem Geldverhalten einschränken als vielfach angenommen. Abhebungen über 5 000 Euro im Jahr sind nämlich nicht so selten.

So werden an den Schaltern der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (OSD) monatlich rund 910 Abhebungen von 5 000 bis 10 000 Euro registriert. 10 000 bis 25 000 Euro werden 460-mal im Monat abgehoben, Beträge über 25 000 Euro immerhin noch 125-mal. „Wir zählen monatlich rund 1 500 Vorgänge, mehrheitlich von Privatkunden“, berichtet Andreas Rieger, Sprecher der OSD. Auch bei anderen Banken gehen regelmäßig höhere Summen Bargeld über die Schaltertresen. So zählt die Commerzbank bundesweit pro Filiale monatlich sechs Abhebungen von 10 000 bis 20 000 Euro. Das gelte auch für Sachsen.

Die Zahl der Bareinzahlungen übertrifft die Barabhebungen bei allen Geldinstituten um das Mehrfache. Bei der Ostsächsischen Sparkasse liegt die Anzahl der Bareinzahlungen über 5 000 Euro bei rund 58 200 im Jahr. Das ist allerdings nicht überraschend, stammen sie doch zu 90 Prozent von Geschäftskunden wie Händlern und Gastronomen.

Sie sammeln in ihren Ladenkassen nicht nur Banknoten ein, sondern auch sehr viele Münzen. Allein die Ostsächsische Sparkasse hat im vergangenen Jahr ihren Kunden Münzgeld im Wert von 17,5 Millionen Euro bereitgestellt. Das entspricht einem Gewicht von mehr als 170 Tonnen, etwa so viel wie 31 ausgewachsene afrikanische Elefanten oder fünf Dresdner Straßenbahnen, rechnet Rieger vor. Im Gegenzug zahlten die Kunden das Doppelte an Münzgeld ein, insgesamt 36 Millionen Euro – das entspricht 350 Tonnen Gewicht, so viel wie ein voll beladener Airbus 380 wiegt.

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