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Die Sachsen wenden sich vom Diesel ab

Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben viele Autokäufer alarmiert. Und die Preise für Gebrauchte sinken auch.

© Kay Nietfeld/dpa

Von Andrea Schawe

Dresden. Der Diesel-Skandal und drohende Fahrverbote lassen Sachsen nicht unberührt: Immer weniger Neuwagen werden hier mit dem Motor gekauft, den einst Rudolf Diesel erfand. „Die Beunruhigung der Bevölkerung hat sich im Wechsel zu Benzin-Fahrzeugen gezeigt“, sagt Ulrich Große, Hauptgeschäftsführer im Landesverband des Kraftfahrzeuggewerbes.

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Zahlen des Kraftfahrtbundesamts zufolge sank die Anzahl der Diesel-Neuzulassungen in Sachsen voriges Jahr um gut zehn Prozent. 2016 wurden noch 45 751 Diesel neu zugelassen. 2017 waren es nur 41 110 – fast sämtlich Euro-6-Diesel, bei denen die Grenzwerte für Stickoxide niedriger sind als bei Euro 5. Während das Interesse am Diesel nachließ, gab es bei den Benzinern in Sachsen einen Anstieg der Neuzulassungen um 9,11 Prozent. Etwa 63 Prozent der Neuwagen haben einen Otto-Motor.

Experten rechnen nun mit deutlich sinkenden Preisen für gebrauchte Dieselautos. „In den nächsten Wochen dürften die Preise kräftig in den Keller gehen“, sagte der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte entschieden, dass Städte Diesel-Fahrverbote verhängen dürfen.

Etwa 33 Prozent der Neuzulassungen in Sachsen waren voriges Jahr Diesel. Laut Kfz-Gewerbe-Sprecher Große sind „Dieselfahrzeuge im Flottenbestand notwendig“. Anders könnten die Kohlendioxid-Ziele nicht eingehalten werden. Die künftige Rolle des Diesels hänge von der neuen Regierung ab. „Die Finanzierungsverpflichtung für eine Nachrüstung muss kommen“, findet der Interessenvertreter für etwa 1 100 sächsische Kfz-Betriebe. Der Druck auf die Autohersteller wächst. „Wer seinen Diesel nachrüsten will, sollte Anspruch darauf haben, dass der Hersteller das übernimmt“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Wenn nur noch über Plaketten diskutiert werde, gerieten die Verursacher aus dem Blick.

Der Drang zum Auto scheint ungebremst: Immer mehr Neuwagen werden zugelassen. Von 114 000 Neuzulassungen in Sachsen im Jahr 2015 stieg die Zahl auf fast 124 000 im Jahr 2017. Gebrauchtwagen hingegen wurden weniger verkauft. Auch ihre Preise sanken, wie die Deutsche Automobil Treuhand errechnete: auf 11 250 Euro im Bundesdurchschnitt, 9 650 Euro in den neuen Ländern.

„Weil das Geld auf dem Konto derzeit so wenig wert ist, investieren viele in Wertgegenstände mit Gegenleistung“, begründet Große den Zuwachs an Neufahrzeugen. Beliebt seien vor allem SUVs, also Geländelimousinen. Auch die Zahl der Elektroautos nahm zu, ihr Anteil blieb jedoch gering: 620 reine Elektro- und etwas mehr als 3 500 Hybridwagen wurden voriges Jahr in Sachsen neu zugelassen. (SZ/the mit dpa)

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