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Döbeln

„Die Saison wird hammerhart“

Trotz großer Probleme bei Sachsenligist Neudorf/Döbeln: Thomas Schneider stellt sich der sportlichen Herausforderung.

Hat nach drei Spielen Unterbrechung vorm Saisonende wieder die sportliche Verantwortung bei der HSG Neudorf/Döbeln übernommen: Thomas Schneider.
Hat nach drei Spielen Unterbrechung vorm Saisonende wieder die sportliche Verantwortung bei der HSG Neudorf/Döbeln übernommen: Thomas Schneider. © Dirk Westphal

Döbeln. Dem Triumph folgte umgehend die Ernüchterung. Der Sachsenpokalsieger der Vorsaison, HSG Neudorf/Döbeln, kämpfte über die gesamte vergangene Spielserie um den Klassenerhalt. Bis Anfang Juni musste der Verein zudem bangen, ob der zehnte Platz dazu reichen würde. Am Ende blieben die Muldentaler der Liga erhalten. Über die Entwicklungen und Probleme, die es in der vergangenen Saison gegeben hat und die sich für die kommende Serie ergeben, sprach der Döbelner Anzeiger mit dem alten und neuen Trainer, Thomas Schneider.

Thomas Schneider, willkommen zurück. Nach Ihrem Rücktritt drei Spieltage vor Saisonende sind Sie wieder Trainer der HSG Neudorf/Döbeln. Wie ist es dazu gekommen?

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Es gab ein Gespräch mit Steve Böttger, dem Sportlichen Leiter, bei dem er mir die aktuelle Situation geschildert hat. Danach waren wir uns einig, dass wir uns gemeinsam der Verantwortung stellen. Auch mit dem Wissen, dass uns eine hammerharte Saison bevorsteht.

War es aus heutiger Sicht ein Fehler, mit dem Rücktritt ein Zeichen setzen zu wollen?

Aus heutiger Sicht leider ja.

Es herrschte nach dem Ende der vergangenen Saison eine riesige Euphorie im Neudorf/Döbelner Männerhandball. Der Pokal war gewonnen, mit dem vierten Rang eine tolle Ligaplatzierung erreicht worden, zudem hatte die zweite Vertretung als sportlicher Unterbau die Verbandsliga gehalten. Was ist danach schief gelaufen?

Uns ist es nicht gelungen, diese Euphorie zu nutzen. Obwohl wir immer davor gewarnt haben, die Situation in der neuen Saison zu unterschätzen. Es gab dann diesen Lichtblick Anfang des Jahres mit dem Heimsieg gegen Glauchau und alle dachten wieder: „Jetzt geht’s los…“.

Doch das Gegenteil war der Fall, warum?

Der Ernst der Lage ist dort immer noch nicht erkannt worden.

Inwieweit hat es eine Rolle gespielt, dass die Stadtsporthalle bis Oktober gesperrt war und es bis dahin nur Auswärtsspiele gab?

Auch das war mit ein Grund. Aber es nur darauf zu schieben, wäre komplett der falsche Weg. Denn die Situation der Hallensperre war allen im Vorfeld bekannt.

Durch den ausbleibenden sportlichen Erfolg ist die Unzufriedenheit im Team größer geworden und vor der Rückrunde trennte man sich von einigen Spielern. Hat die schwierige Situation aufgezeigt, wer Charakter besitzt?

Ohne näher auf diese eingehen zu wollen, aber das hatte andere Gründe.

Im weiteren Verlauf der Saison konnte die Mannschaft nie in die Erfolgsspur zurückfinden und unterlag vor allem in entscheidenden Spielen gegen Kontrahenten auf Augenhöhe. Was hat der Truppe in dieser Situation gefehlt?

Wir waren in diesen Alles-oder-Nichts- Spielen leider viel zu verkrampft. Gerade an dem Beispiel das Heimspiels gegen den Zwönitzer HSV war dies deutlich zu spüren. Wir hatten dort die Riesenchance gehabt, uns mit einem Heimsieg etwas Luft zu verschaffen. Diese wichtigen Spiele zu gewinnen, war einmal unsere große Stärke. Und genau das soll und muss sie auch wieder werden.

Ein unsäglicher Zustand ist die Tatsache gewesen, dass lange Zeit nicht festgestanden hat, in welcher Liga die HSG Neudorf/Döbeln kommende Saison spielt. Nicht nur darum hat es weitere Abgänge gegeben, unter anderem den vom Top-Torschützen Erik Riedel. Das wirft die Frage auf, wie Ihre personelle Planung aussieht?

Ja, die Abgänge tun uns sehr weh. Durch den späten Zeitpunkt, die Gewissheit zu besitzen, auch in der neuen Saison Sachsenliga zu spielen, hat es uns fast unmöglich gemacht, die Abgänge gleichwertig zu ersetzen. Wichtig ist es daher, das wir hier im Verein alle noch enger zusammenrücken und mit dem klaren Ziel Klassenerhalt die neue Saison angehen.

Neben einigen Talenten müssen also auch die Routiniers nochmals ran?

Alle werden gebraucht.

Das Gerüst der Mannschaft steht?

Das Gerüst ja.

Werden beim Trainingsauftakt am Freitag auch neue Gesichter zu sehen sein?

Nein. Wir gehen nicht davon aus. Wenn demnächst noch etwas passiert, wären wir aber froh drüber.

Das Ziel für die kommende Saison lautet, wie sie sagten, Klassenerhalt. Was werden Sie im Vergleich zur Vorsaison ändern, um diesen zu erreichen?

Wie bereits schon erwähnt, ist unser Ziel ganz klar der Klassenerhalt. Meine Aufgabe ist es dabei, alle vorhandenen Kräfte zu bündeln, damit wir der Herausforderung gewachsen sind und diese erfolgreich meistern.

Aus Ihren Worten hört man heraus, dass Sie heiß sind, den Karren mit der Mannschaft und all den anderen Mitstreitern im Verein gemeinsam aus dem Dreck zu ziehen, auch wenn das alles andere als leicht wird. Glauben Sie, dass das gelingt?

Wir sind hier allesamt in der Pflicht nach der vergangenen Spielserie. Damit wir als HSG Neudorf/ Döbeln auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Sachsenliga bleiben.

Sie haben also immer noch Lust, diese Aufgabe anzugehen?

Sonst hätte ich es nicht gemacht. Einmal habe ich immer noch die Lust darauf und in Anbetracht der Situation natürlich die Pflicht, weiterzumachen.

Gespräch: Dirk Westphal

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