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Die Schatzkammer des Krematoriums

Das Haus bewahrt Meissener Porzellankunst in einer einzigartigen Konzentration und stellt sie jetzt vor.

© Krematorium Meißen

Meißen. Die pittoresk gestalteten pausbäckigen Puttengesichter sowie das Spiel mit Sternen und Linien jeder Art wurden zu seinen unverkennbaren Markenzeichen. Zum Beispiel auf keramischen Münzen und Medaillen, welche die Porzellan-Manufaktur Meissen verließen, konnte Emil Paul Börner seinen Gedanken freien Lauf lassen. Der gebürtige Meißner gilt als einer der kreativsten und produktivesten Manufakturisten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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Mehr als über eintausend Entwürfe können ihm zugeordnet werden. Viel hat die Stadt Meißen dem Künstler zu verdanken. Da sind zum Beispiel die Gestaltung der Johannes- und Lukasglocke im Meißner Dom zu nennen, das erste stimm- und spielbare Porzellanglockenspiel der Welt an der Frauenkirche am Markt und die Ausgestaltung der Nikolaikirche zur Gedächtnisstätte mit eindrucksvollen Plastiken aus Porzellan. Börner entwarf eine große Anzahl Dekore. Ein weiteres Betätigungsfeld wurde die Gestaltung von Geldscheinen, bestimmt für den inneren Verkehr der Manufaktur in Zeiten der Hochinflation. Aber auch für den regionalen Umlauf gestaltete er Notgeld- und Gutscheine. Hier zog der Künstler alle Register seines grafischen Könnens. Die unzähligen Eigenentwürfe für Gefäße, Geschirre und Ziergegenstände schmückten noch heute das Porzellan aus der Manufaktur Meißen. Ganze Kollektionen tragen seinen Namen.

Am 12. Februar 2018 hätte Emil Paul Börner seinen 130. Geburtstag begangen. Aus diesem Anlass wird der Journalist und Autor Reiner Graff am 18. März , 15 Uhr, in der Feierhalle des Krematoriums den Vortrag „Emil Paul Börner – ein vielseitiger Künstler, mit klingender Mission“ halten.

Warum der Publizist diesen Vortrag im Krematorium Meißen hält, erklärt er mit folgenden Worten: „Gerade Professor Börner hatte einen ganz besonderen Bezug zum Gebäudekomplex dieser sepulkralen Anlage. Er hat hier, wie an keinem anderen Ort, seine künstlerische Universalität bei der Verwendung von verschiedensten Werkstoffen bewiesen.“ Viele seiner Kunstwerke, was wohl die wenigsten wissen, waren und sind im Krematorium auf engstem Raum konzentriert. Trotzdem scheint es so, als habe die Stadt den Künstler ein wenig vergessen, denn kein Ort, kein Weg, keine Straße oder romantische Gasse der Altstadt träge bisher seinen Namen. Der Eintritt zu dem Vortrag ist frei. (SZ/pa)