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Die Schilder für den Lutherweg sind da

Die Eröffnung ist aber verschoben. Es sind noch zu viele Wege kaputt.

Von Jens Hoyer

Ob der Reformator Martin Luther jemals in Döbeln war, das weiß man nicht genau. Es gibt nur eine Quelle, die das behauptet und die stammt aus späterer Zeit, sagte Pfarrer Stephan Siegmund. Was aber feststeht: Döbeln liegt am Lutherweg, der sich über 550 Kilometer durch Sachsen und Thüringen schlängelt. Seit gestern kann man das auch sehen. Vor der Nicolaikirche haben Mitarbeiter der Firma Schilder Illig eine Hinweistafel aufgestellt. Auf dem Territorium von Döbeln werden es insgesamt drei sein. Eine weitere steht am Mulderadweg in Technitz, die dritte kommt vor die Kirche in Ziegra. Am ganzen Lutherweg soll es 43 dieser Tafeln geben, sagte Kristin Zschäbitz vom Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland, die das Projekt Lutherweg betreut.

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Auf der Hinweistafel bekommen die künftigen Pilger Informationen über die Nicolaikirche – zum berühmten Hochaltar und dem über 500 Jahre alten Mirakelmann, einem der wenigen erhaltenen beweglichen Christusfiguren, mit denen die Passion Christi nachgespielt wurde.

Für die Reformation sei Döbeln nicht unbedeutend gewesen, sagte Kristin Zschäbitz. Schon ziemlich zeitig, im Jahr 1521, war ein lutherischer Prediger namens Jakob Seidel nach Döbeln gekommen und hatte vom Rathaus gesprochen – weil er in der Kirche nicht auf die Kanzel durfte. Markgraf Georg der Bärtige, ein erbitterter Gegner der lutherischen Lehren, verbot die Predigten. Die Reformation kam erst unter seinem Bruder und Nachfolger Heinrich dem Frommen ab 1539 richtig in Schwung. Der erste von Luther eingesetzte Pfarrer in Döbeln war Valentin Braun, der 1545 sein Amt antrat. In der Nicolaikirche hängt ein Porträt von ihm und ein Bild, das den rauschebärtigen Mann mit seiner Ehefrau, mit vier Söhnen und drei Töchtern zeigt. Braun soll in Wittenberg studiert haben und „Famulus“, ein Gehilfe Luthers gewesen sein. Es ist durchaus denkbar, dass Luther selbst in Döbeln war, um Braun in sein Amt einzuführen, sagte Pfarrer Siegmund. Die Kirchgemeinde besitzt auch eine Nachbildung der Totenmaske des Reformators.

Heute wird der westliche Teil des Lutherweges in Gnandstein bei Geithain eröffnet. Döbeln markiert den östlichsten Punkt der Pilgerstrecke. Von Leisnig führt er über Döbeln, Ziegra und Waldheim nach Kriebstein und Mittweida. Der östliche Teil des Weges wird erst im kommenden Jahr offiziell eröffnet. Ein Grund sind die durchs Hochwasser beschädigten Wege, insgesamt etwa 55 Kilometer. In Döbeln hatte es den Mulderadweg erwischt, dessen Sanierung aber in wenigen Monaten abgeschlossen ist. Auf 20 Kilometern verläuft der Lutherweg über Döbelner Territorium.

Die Pilger können sich ihre Anwesenheit in Döbeln per Stempel bestätigen lassen. Einer liegt in der Stadtinfo im Rathaus, ein anderer im Hotel Döbelner Hof. Gestern wurde auch noch der Vorschlag unterbreitet, einen dritten Stempel im evangelischen Pfarramt zu deponieren, weil die Kirche ja ohnehin Anlaufstelle der Pilger ist.

Insgesamt 26 Städte und Gemeinden beteiligen sich am Lutherweg. Die Beschilderung kostet rund 145.000 Euro. 80 Prozent davon sind durch Fördermittel gedeckt, die restlichen 20 Prozent übernehmen die Kommunen. Die Stadt Wurzen ist eine der Stationen auf der Pilgerroute. Dort war Valentin Braun als Superintendent a.D. 1598 gestorben. Im wahrhaft biblischen Alter von 100 Jahren.