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Die Schmach von Kiew

Wie schön, wenn man Freunde hat, die in schlimmster Not zu einem halten. Wir sollten daher den beiden Zwergenstaaten Moldawien und Monaco dankbar sein. Immerhin zwei Pünktchen hatte jeder von ihnen für Deutschland übrig beim Eurovision Song Contest.

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Wie schön, wenn man Freunde hat, die in schlimmster Not zu einem halten. Wir sollten daher den beiden Zwergenstaaten Moldawien und Monaco dankbar sein. Immerhin zwei Pünktchen hatte jeder von ihnen für Deutschland übrig beim Eurovision Song Contest. Sonst wäre unsere Gracia sogar im wahrsten Wortsinne zur Nullnummer geworden. Der Rest Europas hat die deutsche Sängerin bei der Punktevergabe schlichtweg ignoriert.

Wehmütig erinnern wir uns an „Waddehaddedudeda“ oder Guildo Horn mit seinem „Piep, piep piep“. Grober Unfug war das zwar, aber immerhin wiedererkennbar, und landete mit diesem Nonsens sogar wenigstens im vorderen Mittelfeld. Das glattpolierte Allerwelts-Pop-liedchen, dass das Superstar-Sternchen Gracia bereits an den Rand ihrer ohnedies überschaubaren Sangeskunst brachte, wurde dagegen zum Totalausfall. Ruslana für Arme wählen selbst die Ukrainer nicht mehr.

Nun ist es aber nicht so, dass man sich ernsthaft um das deutsche Liedgut sorgen müsste. Selten war deutscher Pop und Rock so kreativ und – wenigstens national – erfolgreich wie in den letzten Monaten. Das Problem sind die Auswahlmechanismen für den alljährlichen Grand Prix. Der ist ohnehin längst weniger ein Sangeswettbewerb als ein Schaulaufen insbesondere der kleinen, hungrigen, aufstrebenden Nationen in Ost- und Südosteuropa.

Die strotzen vor Selbstbewusstsein, wirken viel frischer und engagierter als die angeblich großen Nationen – das sehen die übrigens genau so: Darum haben Moldavier oder Letten auch von Spaniern oder Briten Höchstpunktzahlen erhalten. Deutsches Mittelmaß kann da nicht mithalten. Und das gilt übrigens nicht nur für die Musik.