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Die Schmiedewerke wollen etwas ändern

Der Betrieb will Staub, Lärm und Gerüche verringern. Von einer Maßnahme verspricht sich das Unternehmen besonders viel.

© Archiv/Eric Weser

Von Eric Weser

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Gröditz. Der Geschäftsführer für Technik und Produktion bei den Gröditzer Schmiedewerken hat die Zielrichtung vorgegeben: Ohne Lärm, Staub und Schmutz wird es nicht gehen, so Karsten Golinske beim Infogespräch mit Anwohnern vorige Woche. Doch der größte Gröditzer Arbeitgeber wolle alles dafür tun, die Belastungen durch Emissionen so gut es geht zu vermeiden. Wo im Werk welche Ausstöße entstehen und wie der Betrieb sie minimieren will, zeigt die SZ im Überblick.

Staub – Viele Maßnahmen rund um die Hauptquelle

Ein feiner Film aus Rostpartikeln auf der Wäscheleine, eine „rabenschwarze“ Rußschicht auf dem heimischen Dach: Nach Meinung vieler Anwohner sorgt aus den Schmiedewerken stammender Staub für Verschmutzung. Dem Werk zufolge soll ein komplexes System von Entstaubungsanlagen dafür sorgen, die Partikel möglichst am Entstehungsort abzufangen. Als Hauptstaubquelle im Betrieb gelten die Abläufe vor und im Stahlwerk: Schon beim Umschlag der täglich 400 Tonnen Schrott entsteht viel Staub.

Innerhalb der Stahlwerkshalle gibt es den Schmiedewerken zufolge zwei Schwerpunkte. Zum einen den Elektro-Lichtbogenofen, in dem der Schrott eingeschmolzen wird. Dabei entsteht gelb-bräunlicher Rauch. Neun bis zehnmal pro Tag läuft der Prozess ab, bei dem vor allem durch Einblasen von Sauerstoff jede Menge Staub entsteht. Die nach Angaben des Werks etwa fünf Tonnen Staub werden zu 98 Prozent direkt am Ofen abgesaugt. Der Rest bleibe – auch wenn Anwohner vielleicht einen anderen Eindruck hätten – zum Großteil in der Stahlwerkhalle. Arbeitsanweisungen zur Staubreduzierung gebe es für die Schmelzer am Elektro-Ofen.

Bei sichtbarer Staubabgabe über das Dach nach außen seien die Mitarbeiter angehalten, die Sauerstoff-Zufuhr beim sogenannten Frischen zu unterbrechen und zu warten, bis die Entstaubungsanlage ausreichend Staub abgesagt hat. Diese Anweisung werde auch umgesetzt. Der andere staubige Prozess im Elektrostahlwerk ist der Gießbetrieb, bei dem mehrere hundert Kilo Staub am Tag entstehen. Auch davon bleibe das meiste in der Halle, der Rauch hat bei diesem Prozess eine weiße Färbung. Sowohl am Elektro-Ofen als auch im Gießbetrieb wollen die Schmiedewerke die Staubrückhaltung weiter verbessern. Unter anderem ist für das dritte Quartal dieses Jahres der Einbau eines Deckels mit vergrößertem Absaugloch am Ofen vorgesehen. Ziel sei eine verbesserte Absaugung direkt am Kochtopf, damit sich weniger Staub vorbeimogeln kann.

In die 800 000-Euro-Investition setzt die Werkleitung große Hoffnungen. Und auch im Gießbetrieb soll die Staubentwicklung weiter verringert werden – vor allem durch alternative Abdeckungen, mit denen die Stahlblöcke isoliert werden. Erste Erfolge gebe es. Abdichten will das Werk außerdem das Dach der Stahlwerkshalle mit Fenstern und Jalousien. Denn über das Dach dringen diffuse Emissionen nach draußen. Große Hoffungen hatte das Werk nach eigenen Angaben in eine sogenannte Prallplatte gesetzt, die Ende 2016 ins Dach eingebaut worden war. Platz- und Statikprobleme hätten dazu geführt, dass sich die Erwartungen an die verbesserte Entstaubungswirkung nicht erfüllt hätten. Sogar von einer Verschlechterung sei die Rede gewesen.

Deswegen sei die Prallplatte Ende 2017 wieder rückgebaut worden. Um den diffusen Entweichungen über das Hallendach nach draußen auf die Schliche zu kommen, wird das Werk nach eigenen Angaben mit der TU Freiberg und einer Fachfirma eine Studie starten. Erste Hinweise aus der Studie erwarten die Schmiedewerke im Jahresverlauf. Dass das Werk Staub in der Halle sammle, um ihn zu gewissen Zeiten in einem Stoß nach draußen abzugeben, wiesen die Verantwortlichen zurück. Das sei auch gar nicht möglich.

Lärm – Lärmquellenregister und Messungen

Pfeifgeräusche anlaufender Motoren, der donnernde Krach beim Schrottumschlag oder beim Einschmelzen: Lärmquellen gibt es im großen Gröditzer Stahlbetrieb viele. Wie sie zusammenwirken und was das für die Gegend rund um das Betriebsgelände bedeutet, lässt das Werk nach eigenen Angaben von einer Fachfirma messen und berechnen. Grundlage dafür ist ein sogenanntes Lärmschutzkataster, in dem knapp 70 der Hauptlärmquellen enthalten sind. Nur das 2016 neu eingebaute Ringwalzwerk fehle derzeit noch in diesem Lärmquellenverzeichnis. Die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte hält das Werk laut den Verantwortlichen ein.

Zu bereits umgesetzten technischen Maßnahmen zur Lärmreduzierung wie dem Bau von Lärmschutzwänden kommt allerdings auch hier der Faktor Mensch: Zwar können die Kranfahrer in ihrer Kabine auf einer Anzeige sehen, ob sie sich lärmtechnisch im roten Bereich befinden und die Fallhöhe beim Schrottverladen verringern sollten. Dazu seien die Mitarbeiter durch eine klare Arbeitsanweisung auch angehalten. Ob sie sich immer daran halten, bezweifeln Anwohner. Ähnliches gilt fürs Verschließen der Rolltore im Ringwalzwerk. Die Tore sollen laut Arbeitsanweisung eigentlich nur offen sein, wenn etwa Gabelstaplerverkehr passieren muss. Um übermäßigen Lärm zu verringern, setzt das Werk auf Mithilfe der Anwohner, die Lärmbelästigungen möglichst zeitnah und genau beim Werk anzeigen sollen, damit man dort reagieren kann.

Geruch – Flüchtigkeit braucht schnelles Handeln

Einigen Anwohnern fahren in letzter Zeit des Öfteren beißende Gerüche rund um das Betriebsgelände in die Nase. Für das Werk ein schwieriges Thema, so die Verantwortlichen. Denn die Ursachen für die Gerüche seien oft unklar. Allerdings stehen schon jetzt die verschiedenen Vergütungsprozesse im Verdacht, für Gestank zu sorgen. Möglich sei, dass das bei der Wärmebehandlung zum Einsatz kommende Polymer unangenehme Gerüche verursacht. Die Suche nach den Quellen laufe. Anwohner können dem Werk zufolge dabei helfen, indem sie sich mit möglichst genauen Angaben zu Zeit und Ort der Geruchsbelastung an den Betrieb zu wenden.

Kontakt ins Werk: [email protected] oder das ständig besetzte Pförtnertelefon Telefon 035263 62428.