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Die Schneiderin von Röthenbach

Gitte Winkler ist mit ihrer Werkstatt von Dipps aufs Land gezogen. Sie näht auch für Kunden, für die sonst nichts passt.

© Frank Baldauf

Von Anja Ehrhartsmann

Klingenberg. Spulen mit Fäden in unterschiedlichen Farben sind feinsäuberlich in das kleine Holzregal einsortiert, das neben dem Arbeitsplatz von Gitte Winkler an der Wand hängt. Daneben sind allerlei Knöpfe in verschiedenen Formen und Farben verstaut. Auf dem Tisch steht die Nähmaschine startbereit. Mit ihrer„Wilden Hilde“, so hat sie das gute Stück in ihrer Lehrzeit getauft, arbeitet die 37-Jährige besonders gern. Derzeit sitzt sie vor allem an kurzen Hosen und anderen Sommersachen. „Dieses Jahr will ich mich an Bikinis wagen.“

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In dem hellen, großen Raum hat sich Gitte Winkler ihre neue Ladenwerkstatt eingerichtet. Vor gut einem halben Jahr hat sie die Geschäftsräume in der Dippoldiswalder Innenstadt aufgegeben und ist aufs Land gezogen, in ihren Wohnort Röthenbach. Bereut hat sie diesen Schritt nicht. Vor allem hat sie jetzt wieder mehr Zeit für ihre Kinder, erklärt die dreifache Mutter. „Ich hatte in Dipps viel Laufkundschaft, was an sich ja gut war. Dadurch kam ich aber kaum zum Arbeiten. Deshalb musste ich mich oft abends oder nachts noch hinsetzen, um alle Aufträge zu schaffen.“ Gemeinsam mit ihrem Mann beschloss sie deshalb, die Reißleine zu ziehen. Ein Lagerraum im Erdgeschoss ihres Bauernhauses wurde ausgebaut, zum Verkaufsraum mit Arbeitsplatz. Die 37-Jährige entwirft und näht dort für Frauen, Männer und Kinder – von Unterwäsche über Taschen bis Kopfbedeckung. Aber natürlich auch Kleidung wie Hosen, Röcke, T-Shirts und Oberteile, für Standardgrößen oder speziell angepasst. Zu ihren Kunden gehören zum Beispiel auch Rollstuhlfahrer mit verkürztem Bein, Menschen mit spastischer Lähmung, aber auch Frühchen, die noch nicht in die regulären Strampler passen.

Ihre Mode fertigt Gitte Winkler ganz nach der Devise an: „Die Klamotte soll sich mit dem Körper bewegen und nicht umgekehrt.“ Dafür verwendet sie nach Möglichkeit Biostoffe. Vor allem bunte Sachen sind nach wie vor sehr gefragt. „Ich lege Wert auf gute Qualität.“ Schließlich sollen die Sachen auch halten und, wenn möglich, sogar mitwachsen. „Wenn ein Kind aus einer meiner Hosen rausgewachsen ist, wird die verlängert oder als 3/4 Hose umgenäht. So kann sie weiter getragen werden.“ Damit will sie ein Zeichen setzen, gegen die Wegwerfgesellschaft. Und dieser Gedanke komme bei ihren Kunden gut an, auch der Service, Kleidung zu reparieren, etwa, wenn beim Spielen ein Loch gekommen ist.

In ihrem Laden verkauft die 37-Jährige nicht nur ihre eigenen Sachen, sondern auch Handgemachtes aus der Region wie etwa gehäkelten Schmuck aus Dippoldiswalde oder Heimdekoration aus Reich-städt. Umgekehrt ist sie mit ihren Sachen auch in anderen Läden vertreten, so zum Beispiel im Fairmarkt in Dippoldiswalde oder in der Schmuckwerkstatt in Altenberg. In der Kreativ-Szene kennt man sich, unter anderem von Märkten. Übers Internet verkauft sie ihre Sachen aber nicht, und das aus Prinzip: „Ich fertige keine Massenware.“

Schneiderin war Gitte Winkler nicht immer. Während ihrer Ausbildung zur Hauswirtschafterin lernte sie das Nähen. Beruflich schlug sie aber bald eine andere Richtung ein, unter anderem arbeitete sie als selbstständige Massagetherapeutin. Erst über ihre Kinder kam die dreifache Mutter wieder zum Nähen. Die dritte Tochter kam mit einer Fehlstellung des Hüftgelenks, einer Hüftdysplasie, zur Welt. „Das haben ja viele Kinder. Meine Tochter musste eine Spreizhose tragen. Es war beinahe unmöglich, eine Hose von der Stange zu finden, die darüber passt.“ Aus einem Pullover ihres Mannes hat sie kurzerhand eine passende Hose genäht. Und das zog immer weitere Kreise. Aus einer Hose wurden mehrere, sie nähte schließlich für Familie, Freunde, Bekannte. „Ich habe dann ein Kleingewerbe angemeldet und mir hier auf dem Dachboden eine Nähstube eingerichtet.“ Als Hannah, ihr Jüngste, in den Kindergarten kam, wägte Gitte Winkler ab – und entschied sich fürs Nähen. Aus den Vornamen ihrer drei Töchter entstand schließlich Jelinah Design.

Ihre Arbeit liebt sie nach wie vor, obwohl es manchmal auch anstrengend sein kann, denn immerhin schmeißt sie den Laden alleine. „Ich habe so viele Ideen und so wenig Zeit“, sagt Gitte Winkler und lacht. Vielleicht bekommt sie ja schon bald Unterstützung. Ihre Begeisterung hat jedenfalls auch schon auf ihre elfjährige Tochter abgefärbt. „Sie näht auch schon Stofftiere zu den Geburtstagen ihrer Freunde“, sagt die Mutter stolz.