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Die schwimmenden Kosmetiker

Die Praxis für Podologie auf der Bahnhofstraße wäre nichts Besonderes. Gäbe es nicht außergewöhnliche Neumieter.

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© Norbert Millauer

Von Lara-Sophie Pohling

Pirna. Es kribbelt ein wenig, während die Füße im warmen Wasser eingetaucht sind. Aber nach einem langen Arbeitstag ist es sehr entspannend, und das beruhigende Wasserrauschen in den Ohren tut sein Übriges. Es ist eine Entspannungsmöglichkeit, die ihresgleichen sucht. Dafür sorgen die kleinen Garra rufa, die Neuzugänge in der Praxis für Podologie auf Pirnas Gartenstraße. Man kennt sie auch unter dem Namen rötliche Saugbarbe oder Kangalfisch. Ihre Essgewohnheiten sind zum Vorteil von Kosmetik-Kunden. Denn die kleinen Wasserbewohner fressen die aufgeweichte Hornhaut von Füßen, aber auch von Händen. Da sind sie nicht wählerisch.

Die Neulinge der Podologiepraxis von Kerstin Fischer haben in der Praxis in der Bahnhofstraße in Pirna genug zu tun. An den Füßen rumknabbern ist ihre Lieblingsbeschäftigung.
Die Neulinge der Podologiepraxis von Kerstin Fischer haben in der Praxis in der Bahnhofstraße in Pirna genug zu tun. An den Füßen rumknabbern ist ihre Lieblingsbeschäftigung. © Norbert Millauer

Als im letzten Jahr Anfang April die podologische Praxis von Kerstin Fischer aufgrund von Flutschäden von der Robert-Koch-Straße auf die Bahnhofstraße umziehen musste, gab es die passenden Räume. Nun konnte eine Idee Wirklichkeit werden. Die sogenannten Knabberfische kommen als Zusatzleistung ins Programm.

Mit Peter Hoinka hat das Praxisteam einen richtigen Fischexperten unter sich. Er hat nicht nur das nötige Interesse, sondern nach einer absolvierten Schulung auch das Know-how, sich um die zertifizierten Fische zu kümmern.

Bis die Fische schwammen, gab es jedoch hohe Hürden zu überwinden. Nach einer Sachkundeprüfung und einem Veterinärbesuch war es dann aber so weit, und seit drei Monaten tun die 300 Saugbarben in Pirna ihren Dienst. Im Behandlungsraum beziehungsweise im Ruheraum gibt es drei Becken mit jeweils 100 Garra rufa, die in etwa drei bis fünf Zentimeter groß sind. Jedes dieser drei Becken ist mit Süßwasser gefüllt, das eine Temperatur zwischen 29 und 32 Grad hat, und mit einem separaten Filter ausgestattet. Regelmäßig wird das Wasser gewechselt und jeden Tag gibt es einen Wassertest. Außerdem wird in den Becken versucht, den natürlichen Lebensraum der Saugbarbe mit Hilfe von Steinen und Sand nachzuempfinden.

Allerdings kommt die Behandlung nicht für jeden infrage. Vor einer Anwendung muss ein Fragebogen ausgefüllt werden. Bei jeglichen Verletzungen oder Infektionen oder bei Risikopatienten mit Diabetes oder Nervenschädigungen an den Füßen ist ein Einsatz der Fische ausgeschlossen. Ist aber bei dem Patienten alles in Ordnung, werden die Füße gewaschen und dann vom Personal inspiziert. Sollten dabei irgendwelche Auffälligkeiten wie zum Beispiel ein Fußpilz entdeckt werden, muss ebenfalls abgebrochen werden. Wird nichts gefunden, kann man 20 bis 30 Minuten Ruhe kombiniert mit Biopeeling genießen. Bekannt ist die Behandlung an den Füßen, aber auch an Gesicht, Armen oder Händen ist sie möglich.

Nach der Prozedur haben sich auch die Fische eine Erholungspause verdient und dürfen sich mindestens 30 Minuten ausruhen. Deshalb finden die Anwendungen nur zur vollen Stunde statt. Für einen Einzelnen belaufen sich die Kosten einer Sitzung auf 25 Euro. Bei Pärchen und für jede weitere Person kostet es pro Person 20 Euro. Ein Becken mit 100 Fischen kann sich immer von zwei Interessierten geteilt werden.

Auch nach ihrem Dienst am Fuß bleiben die Fische in der Praxis. Die älteren Exemplare sind bis zu 14 Zentimeter und somit zu groß für die Becken. Für diese Tiere steht schon ein großes Aquarium in den Räumen bereit, quasi als Altenheim.