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Die Selbstzweifel sind endlich weg

Zum ersten Mal in ihrer Karriere steht Angelique Kerber im Finale eines Grand-Slam-Turniers. Steffi Graf half ihr auf den Weg dahin.

© dpa

Von Ulrike Weinrich

Der Glückwunsch vom anderen Ende der Welt kam von höchster Stelle. Angelique Kerber kramte nach ihrem triumphalen Finaleinzug bei den Australian Open aufgeregt ihr Smartphone hervor und las andächtig die Zeilen einer ganz besonderen Mail: „Ich freue mich riesig, lieben Gruß aus Las Vegas.“

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Der Absender: Steffi Graf – so etwas wie eine Mentorin für Kerber. Eine, die ihr einst mit eine paar Worten half, die Selbstzweifel weniger werden zu lassen. Mit derlei Rückendeckung blickt die deutsche Nummer eins optimistisch ihrem ersten Grand-Slam-Endspiel am Sonnabend gegen Titelverteidigerin Serena Williams entgegen.

„Der Traum geht weiter. Die Reise ist noch nicht zu Ende. Wenn man in einem Finale steht, will man es gewinnen“, sagte Kerber nach dem 7:5, 6:2 im Halbfinale gegen die Britin Johanna Konta. Die Kielerin will ihre Chance nutzen, und sie weiß: „Serena wird Druck spüren.“

Auch Bundestrainerin Barbara Rittner traut ihrer Vorzeigespielerin den großen Wurf zu. „Serena ist auch nur ein Mensch. Ich glaube, 2016 wird Angies Jahr“, sagte Rittner. Ex-Wimbledonsieger Michael Stich ist sich sicher, dass „im Finale alles möglich ist“. Und auch Boris Becker vertraut der „Kämpfernatur“ mit polnischen Wurzeln. Sollte Kerber wirklich den Siegerscheck in Höhe von umgerechnet 2,2 Millionen Euro in Empfang nehmen dürfen, plant sie eine besondere Aktion: Dann will sie als neue Nummer zwei der Weltrangliste in den nahe gelegenen Yarra-River springen – wie es 1992 schon Jim Courier (USA) nach seinem Coup im Melbourne Park getan hatte.

Allein diese forsche Ankündigung sagt viel aus über die neue Angelique Kerber, die sich in diesen Tagen im Melbourne Park präsentiert. Selbstbewusst und eloquent gibt sie sich – formuliert offen wie nie ihre Ziele. Um diese zu erreichen, hat die Linkshänderin noch einmal fünf Kilo abtrainiert und die Ernährung umgestellt. Mehr Eiweiß statt Kohlenhydrate heißt die Devise.

Der Erfolg gibt Kerber recht. „Es ist eine unglaubliche Geschichte“, sagt ihr Trainer Torben Beltz – auch mit Blick auf die erste Runde, in der Kerber einen Tag nach ihrem 28. Geburtstag gegen die Japanerin Misaki Doi sogar einen Matchball abwehren musste. „Vielleicht wird die 28 ja meine Glückszahl“, sagte Kerber. Sie lachte dabei.

Im Frühjahr 2015 hatte ihre Welt ganz anders ausgesehen. Da bekam sie nach einer deprimierenden Niederlagenserie und großen Selbstzweifeln Hilfe von Graf. „Steffi sagte mir damals, dass ich an mich glauben müsse“, erzählt Kerber von Trainingseinheiten in Las Vegas – und den noch viel wichtigeren Gesprächen mit der Gräfin.

Glaubt man Rittner, dann ähneln sich Kerber und Graf charakterlich. Doch während die Karriere der Brühlerin stets steil nach oben ging, musste Kerber „viele Aufs und Abs“, verkraften: „Das Finale kommt im richtigen Moment.“ Sie ist bereit. Die harte Arbeit zahlt sich endlich aus.

Dabei hatte Kerber 2011 nach zehn Erstrundenpleiten in Serie das Racket schon für immer weglegen wollen. „Ich stand vor der Wahl: Aufhören, so weitermachen – oder alles ändern“, meinte die Linkshänderin. Damals half ihr Andrea Petkovic, lotste die Freundin in die Schüttler/Waske-Academy nach Offenbach. Kerber: „So fit wie danach war ich noch nie.“ (sid)

TV-Tipp: Eurosport zeigt das Frauen-Finale bei den Australian Open am Sonnabend ab 9.30 Uhr live.