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Die sieben Gebote der Sittenwächter

Wenn Frau nicht pariert, setzt es leichte Hiebe und Sexentzug. So zumindest sieht das der oberste religiöse Rat in Pakistan.

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© dpa

Von Willi Germund

Es wirklich ein Kreuz mit diesen Frauen in Pakistan. Zugegeben, Kreuz mag in diesem Zusammenhang nicht das richtige Wort sein. Jedenfalls würde Maulana Mohammed Khan Sheerani in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des „Council of Islamic Ideology“ (CII), dem höchsten religiösen Gremium Pakistans, das Wort selbst nach den jüngsten schlimmen Erfahrungen mit Frauen seines Landes nicht in den Mund nehmen. Denn kaum hatte seine Gruppe ein neues Frauenschutzgesetz in der Provinz Punjab als „unislamisch“ denunziert und Kernpunkte eines eigenen CII-Entwurfs präsentiert, hagelte es Schmähungen und Vorwürfe.

Der Grund: Der 20-köpfige Rat unter Führung von Sheerani verkündete sieben Gebote für Pakistans Frauen. Bei einem Verstoß dürften die aufsässigen Ehefrauen von ihren Ehemännern „leicht geschlagen“ werden. Die Prügelstrafe nach Gutdünken sei fällig, wenn eine Pakistanerin Befehlen des Gatten nicht gehorcht, sich anders als gewünscht kleidet, ohne religiöse Begründung den ehelichen Geschlechtsverkehr verweigert und sich anschließend nicht waschen würde. Die Verweigerung des Hijab-Kopftuchs genügt ebenso als Strafgrund wie ein Gespräch mit Fremden oder die finanzielle Unterstützung von Dritten ohne Zustimmung des Ehemanns.

So archaisch die Vorstellungen klingen und so lautstark die Empörung über Maulana hereinbrach, so sehr sorgt er sich – wenn auch mit witzigem Unterton – um die Männer des Landes. „Wenn eine Frau einen Mann auf den Kopf schlägt, könnte er Haarausfall erleiden“, antwortete der Sittenwächter auf die Frage, ob Frauen denn Männer schlagen dürften. „Der Islam ist gegen Gewalt“, verkündete Shervani. Männer dürften ihre Frauen nur leicht mit einem Schal oder einem Klaps zur Rechenschaft ziehen.

Vor allem sei der „leichte Schlag“ erst die dritte Stufe der Bestrafung. Zunächst solle der fromme Ehemann seine Gattin mit guten Worten auf die gewünschte Linie bringen. Zu Schlägen dürfe es erst kommen, wenn die Frau nach Tagen der Abwesenheit des Gatten vom gemeinsamen Ehebett samt Sexentzug nicht einsichtig geworden sei. Leider erklärte Sheerani nicht, wie eine Gattin sich dadurch bestraft fühlen soll, wenn sie zuvor just gegen das Gebot verstieß, ohne religiöse Begründung den ehelichen Beischlaf zu verweigern.

Der Aufschrei der Empörung, den die Vorstellungen auslösten, scheinen die Kleriker des Landes einigermaßen zu erstaunen. Schließlich befand Pakistan sich seit den 80er-Jahren auf dem unaufhaltsamen Weg in eine fundamentalistische Islamisierung. Aber ausgerechnet das Militär des Landes sorgte dafür, dass plötzlich Widerstand aus den wenigen verbliebenen liberaleren Ecken des 180 Millionen Einwohner zählenden Landes ertönt. Armeechef Raheel Sharif verdrängte mit einer harschen Offensive die radikalislamischen Extremisten des Landes und dämmte Anschläge ein.

Doch dem Land mit seinen konservativen Sitten steht ein langer und mühsamer Weg bevor. Jüngst verbot Pakistans Fernsehbehörde die Ausstrahlung von Werbung für Verhütungsmittel. Begründung: Die Reklame könne unschuldige Gemüter auf dumme Gedanken bringen.