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Die Siebente Partnerstadt für Zittau

© Wikimedia Commons

Zielona Gora ist die nächste Partnerstadt von Zittau. Die Mandaustadt profitiert davon besonders.

Von Mario Heinke

Zittau hat eine neue Partnerstadt. Nach Villingen-Schwenningen, Bogatynia (Polen), Liberec (Reichenberg) und Hrádek nad Nisou (Tschechien), Pistoia (Italien) und Portsmouth/Ohio (USA) gehört nun auch Zielona Góra, das ehemalige Grünberg in Schlesien, dazu. Einstimmig fasste der Stadtrat in seiner Oktobersitzung den „Beschluss zur Erhebung einer befreundeten Stadt in den Status einer Städtepartnerschaft - Zielona Gora in der Woiwodschaft Lubuskie.

... und Zittau. © SZ Thomas Eichler

Bereits im Jahre 2010 fixierten beide Städte ihre Zusammenarbeit schriftlich. Vertreter von Zielona Gora waren 2009 in Sachsen unterwegs, um eine Stadt im Freistaat zu finden, die zu ihnen passt und mit der sie eine Zusammenarbeit aufbauen können. „Bei Gesprächen am Tisch des Zittauer Oberbürgermeisters und in Zielona Gora ist die Bereitschaft erwachsen, nähere Kontakte zu knüpfen“, erinnert sich Hauptdezernent Thomas Mauermann. Was aber haben Grünberg und Zittau gemeinsam, die Entfernung beträgt immerhin zweieinhalb Autostunden?

Beide Städte sind Hochschulstädte, verfügen über ein aktives Vereins- und Kulturleben, Theater, Abendschulen, viele Sportvereine und historische Stadtzentren, deren Sanierung noch nicht abgeschlossen ist, so Mauermann. In den vergangenen Jahren gab es eine lebendige Kooperation auf allen Ebenen: Jugendtreffen, Bürgerfahrten, Sportveranstaltungen, gegenseitige Teilnahme von Kulturgruppen an Festen sowie die Zusammenarbeit im Tourismus und zwischen den Hochschulen. Darüber hinaus gelang es den Städten, gemeinsame Vorhaben in die Tat umzusetzen. Der Bau des Umweltbildungs- und Naturerlebniszentrum im Tierpark Zittau, das im Juni 2014 eingeweiht wurde, konnte durch ein gemeinsames EU-Projekt finanziert werden. Die Baukosten von 608 000 Euro sind dabei zu 85 Prozent gefördert worden.

Das neue Mehrzweckgebäude schafft einen Rahmen für Umweltbildung und für den Erfahrungsaustausch über Ländergrenzen hinweg. Beim Wiederaufbau des Tierparks nach dem Augusthochwasser 2010 stellte sich heraus, dass der Tierpark in kein Förderprogramm zur Schadensbeseitigung passte. Das gemeinsame Projekt war die einzige gangbare Lösung. Außerdem finanzierte Zittau ein Schulungszentrum mit Computerkabinett für den Kreissportbund mit Fördermitteln, die wegen der grenzüberschreitenden Kooperation der Städte ausgereicht wurden. „Schüler der Parkschule, der Förderschule Olbersdorf und behinderte Menschen von der Lebenshilfe waren im Ferienlager in Zielona Gora“, sagt Hauptdezernent Mauermann. Er lobt den aktiven Austausch der Städte: „Die Polen leben den europäischen Gedanken, das spüren wir immer wieder aufs Neue.“ Bei der internationalen Zusammenarbeit in Europa und der Welt sehr aktiv, pflegt die polnische Stadt ihre Partnerschaften. So waren es auch die Vertreter der Stadt Zielona Gora, die den Vorschlag unterbreiteten, eine Städtepartnerschaft einzugehen.

Noch im November treffen sich die Vertreter beider Städte zu einem Arbeitsgespräch, bei dem über die gemeinsamen Ziele und Aktivitäten bei der Zusammenarbeit im Jahr 2017 geredet wird, kündigt Mauermann an. Der gemeinsame Griff in die Fördertöpfe der Europäischen Union wird künftig nicht leichter, weil die polnische Stadt nicht mehr zum geförderten Gebiet, der sogenannten Gebietskulisse, gehört. Thomas Mauermann sieht darin kein großes Hindernis, da die Fördermittelgeber natürlich auch Ausnahmen zulassen. Entscheidend sei der Wille zur Kooperation, auch wenn sich die Bedingungen ändern.

Freunde der Automobilgeschichte kennen den bekannten Grünberger Otto Julius Bierbaum.Der deutsche Journalist, Schriftsteller und Librettist wurde 1865 in der schlesischen Stadt geboren und brachte 1903 das erste Autoreisebuchheraus. Darin schildert er die Reise im Cabrio der Marke Adler über Prag und Wien nach Italien. Bei der Fahrt überquerte er als Erster den Gotthardpass mit einem Auto.