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Die Sorge einer jungen Mutter

Die Obercarsdorferin lässt ihre Tochter nicht allein über die B 170 gehen. Dafür nimmt sie auch einen Umweg in Kauf.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

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Rabenau/Dippoldiswalde. Anett Schmidt zeigt auf die Bundesstraße B 170 und sagt: „Hier sehen Sie es, und so etwas passiert laufend.“ Die Autos fahren auf der Straße in Obercarsdorf zwischen dem Abzweig der B 171 und der ELG Holzhandwerk in gutem Tempo, aber wahrscheinlich im Rahmen der 60 Stundenkilometer, die hier als Höchstgeschwindigkeit gelten. Doch der Fahrer eines silbergrauen Kombis, der in Richtung Dippoldiswalde fährt, hat es besonders eilig. Er überholt.

Und so etwas will die junge Mutter gar nicht sehen. „Was ist, wenn genau in einem solchen Moment meine Tochter die Straße überqueren will?“, fragt sie. Wegen solcher Beobachtungen hat sie sich an der SZ-Diskussion beteiligt, wo der neue Blitzer der Stadt Dippoldiswalde einmal sinnvoll eingesetzt werden sollte. Die Sächsische Zeitung traf sich mit ihr auf dem täglichen Schulweg.

Vor zwei Jahren ist die Familie in ein Haus nach Obercarsdorf gezogen, ruhig gelegen am Waldrand. Von dort führt eine Brücke über die Rote Weißeritz zur B 170. „Manche Kinder gehen dann einfach quer über die Wiese zur Bushaltestelle. Aber die sind hier groß geworden, die kennen das nicht anders“, sagt Anett Schmidt. Doch für den Schulweg ihrer Tochter ist ihr das zu unsicher. Ältere Nachbarn haben erzählt, dass es auch schon vorgekommen ist, dass Autos von der Straße abgekommen und dort auf die Wiese gebrettert sind.

Der sicherste Weg scheint ihr, bis an die Bundesstraße zu gehen und diese erst einmal zu überqueren. Auf der anderen Seite gibt es einen Fuß- und Radweg, der parallel zur B 170 bis zur Bushaltestelle führt. „Der ist in Ordnung. Hier kann man sich sicher fühlen“, sagt sie. Rund 300 Meter geht sie dann an der B 170 entlang bis zur Haltestelle „Bahnbrücke“. Am Morgen steht dort die zweite Straßenquerung an, um den Bus in Richtung Schule Obercarsdorf zu erreichen.

Nur müsste eben der Verkehr auf der Bundesstraße ordentlich ablaufen. Ein kleiner blauer Wagen zischt vorbei. „Wenn der jetzt die 60 eingehalten hat, dann heiße ich Moses“, kommentiert Anett Schmidt dessen Fahrstil. Dabei ist es am Nachmittag noch relativ ruhig. „Am schlimmsten ist es morgens, wenn alle zur Arbeit fahren“, beobachtet sie. „Da wird richtig gerast.“ Weil sie das Überqueren der Straße als unsicher empfindet, lässt sie ihre Erstklässlerin in der Frühe nicht alleine zum Bus gehen und holt sie auch am Nachmittag wieder ab. Dabei hat sie ja schon erreicht, dass ihre Tochter eine Monatskarte für den Bus bekommt, obwohl die Schule nur einen guten Kilometer entfernt ist. Aber den Großteil dieser Strecke müsste das Kind an der viel befahrenen Bundesstraße entlanggehen. Um das zu vermeiden, darf sie den Bus nehmen. Und es sind vielleicht zehn Minuten vergangen seit dem ersten Überholvorgang. Schon wieder zieht ein Auto raus, dieses Mal ein dunkler SUV, und überholt. Die B 170 ist und bleibt eine gefährliche Straße. „Ich würde mir wünschen, dass hier öfter mal die Polizei steht und geblitzt wird.“ Dass sich sonst viel an der Lage hier ändert, glaubt sie nicht. „Aber vielleicht denkt auch mancher Autofahrer darüber nach, wenn er das liest, dass an der Straße auch Kinder unterwegs sind, und geht vom Gas“, hofft Anett Schmidt.