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„Die Sparren halten nur noch aus Gewohnheit“

Die Dachsanierung des Hermsdorfer Schlosses wird teurer als gedacht. Trotzdem muss die Gemeinde weiterbauen.

© Thorsten Eckert

Von Alexander Buchmann

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Der Zustand des Hermsdorfer Schlosses ist schlechter als gedacht. Das zeigt sich immer deutlicher, je weiter die im Frühjahr begonnene Dachsanierung fortschreitet. Die Folge: Die Kosten steigen. Am Montag musste der Gemeinderat von Ottendorf-Okrilla deshalb darüber entschieden, mehr als 103 000 Euro zusätzlich für die Sanierung bereitzustellen – finanziert aus der Gemeindekasse. Eine wirkliche Alternative dazu hatten die Räte jedoch nicht. Und die nächste Kostensteigerung ist bereits in Sicht.

Es sind drastische Worte, mit denen sich Bauamtsleiter Andreas Jäpel am Montag an die Räte wendet: „Wir können nicht sehenden Auges warten, bis der nächste Sturm das Dachgeschoss wegweht.“ Der Zustand der Sparren sei so schlecht, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. Hausschwamm, Pilze und Schädlinge hätten dem Holz so stark zugesetzt, dass bei fast jedem Sparren der Fuß, also das untere Ende, zerstört sei. „Die Dachsparren halten nur noch aus Gewohnheit“, sagt er. Das sei erst sichtbar geworden, nachdem diese bei den Arbeiten freigelegt wurden. Dabei sind auch Risse im Mauerwerk festgestellt worden. „Wir haben erhaltenswerte Räume, die wir unbedingt schützen müssen“, sagt der Bauamtsleiter. Über dem Hochzeitssaal sei beispielsweise noch nicht saniert und es bestehe die Gefahr irreparabler Schäden.

Für die Räte hatte Jäpel noch eine weitere schlechte Nachricht im Gepäck. So steigen die Kosten für die beiden Bauabschnitte, mit denen im Frühjahr begonnen werden soll, wohl um weitere rund 84 500 Euro. Das sei die neuste Prognose, nachdem man mit dem Architekten und einem Holzschutzgutachter die Bauabschnitte drei und vier durchgegangen sei, Schäden verifiziert und die Erfahrungen der ersten beiden Abschnitte mit einbezogen habe, sagt er. Wie groß die Schäden genau sein werden, sehe man aber erst, wenn das Dach abgedeckt sowie Bretter und Mauerwerk entfernt worden sind. „Ich kann nicht beschwören, dass nichts mehr kommt“, sagt Bauamtsmitarbeiterin Birgit Balzer.

Bei den Gemeinderäten stellte sich nach den Ausführungen vor allem die Frage, warum die Planer das Ausmaß der Schäden nicht vorher erkannt haben. „Aus meiner Sicht wurde nicht ordnungsgemäß geprüft, wie das Gebäude aussieht“, sagte Kai Albertowski. Für die höheren Kosten hätte man eine andere Förderquote bekommen können. Gemeinderat Tilo Bräunig äußert sogar den Verdacht einer Intransparenz. Vielleicht habe man die Baukosten nicht wissen wollen, weil sonst anders entschieden worden wäre, sagt er. Und Heike Gaum erklärt: „Ich weiß nicht was die Planer machen. Da müssen sie weiter reingucken.“ So einfach sei das allerdings nicht, sagt Birgit Balzer. Denn man könne nur bestimmte Bereiche aufmachen und sei nicht davon ausgegangen, dass wirklich jeder Stützbalken beschädigt ist.

Mehrfach wurde von Räten die Befürchtung geäußert, dass sich die Baumaßnahme zu einem Topf ohne Boden entwickle und man eine belastbare Kostenschätzung brauche. Mit jedem Bauabschnitt habe man sich näher an die Bausubstanz gewagt, sagt der Gemeinderat und stellvertretende Bürgermeister Mirko Thomas. Vielleicht sollte man nun einmal aufhören mit bauen. Aktuell gebe es nämlich keine Chance auf eine neuerliche Förderung. Die bekomme die Gemeinde nur, wenn sie nicht in der Lage sei, die Kosten selbst zu stemmen. Wenn es so weiter gehe, zahle die Gemeinde jede Kostensteigerung aus eigener Tasche, sagt Thomas. Man müsste die Arbeit einstellen, den Gesamtaufwand ermitteln und dann dafür Fördermittel beantragen.

Das ist allerdings keine Option, wie aus den Erklärungen von Kämmerer Robin Lehmann hervorgeht. So habe die Gemeinde in ihren Haushalt rund 720 000 Euro eingestellt, wovon 495 000 Euro Fördermittel sind. Wenn die Baustelle nicht abgeschlossen wird, bestehe die Gefahr, dass diese Gelder zurückgezahlt werden müssen. Ein weiteres Problem wäre, dass die Gemeinde erst in der nächsten Förderperiode im kommenden Jahr zum Zug kommen könnte und unsicher sei, wie viel Geld dann zur Verfügung steht.

Der Vorschlag aus dem Rat, den Beschluss zu verschieben und so Zeit zu gewinnen, würde auch nicht funktionieren, wie Balzer erklärt. Denn keine Aufträge zu vergeben, wäre gleichbedeutend mit einem Baustopp. Gemeinderat Max König warnte genau davor, weil dann Regressforderungen auf Ottendorf-Okrilla zukämen. „Es ist ein saurer Apfel, in den wir beißen müssen“, sagt er. Das bedeutet, dass andere Maßnahmen auf der Strecke bleiben, erklärt der Kämmerer. Das Tragische sei zudem, dass man das Schloss nach Fertigstellung nicht sofort nutzen könne, sondern nur den Zustand erhalte, sagt Thomas. Am Ende hat der Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, das Geld zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll geprüft werden, ob Planungsfehler gemacht wurden.

Unterdessen gehen die Bauarbeiten am Schloss weiter. Ende November soll das Dach geschlossen sein, kündigt Balzer an. Im Frühjahr beginnen dann die weiteren Bauabschnitte.