merken

„Die Stadt ist mehr als die Verwaltung“

Die Leitbilddebatte in Kamenz geht weiter – und viele können sich einbringen. Das ist gut so.

© Bernd Goldammer

Von Michael Preuß

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

Kamenz. Was versteht eine „Stadt“ unter offener Gesprächskultur? Diese Frage wurde jetzt in einem Leserbrief (SZ vom 12. Januar) aufgeworfen. Die „Stadt“ das sind aus meiner Sicht alle Bürger, die „Stadt“ das sind Vereine, die „Stadt“ das ist das kulturelle und intellektuelle Leben, die „Stadt“ das ist ihre Verwaltung und die „Stadt“ das ist das Miteinander, das Zusammenleben, das Diskutieren und das ist das Suchen und manchmal auch das Ringen um den richtigen oder besten Weg. Die „Stadt“ ist ein soziales Gebilde, das unterschiedliche Ansichten, Meinungen und Lebensentwürfe kanalisiert. An dieser Schwelle ist eine offene Gesprächskultur, ein offenes Miteinander, ein offener Dialog – in den unterschiedlichsten Formen, in den unterschiedlichsten Arbeitsräumen – unabdingbar, denn die „Stadt“ kann sich nur entwickeln, kann nur lebendig sein, wenn Gesprächskultur und Meinungsaustausch gelebt wird und sich die Bürger, die Vereine sowie überhaupt das kulturelle und intellektuelle Leben darin wiederfinden.

Die Leitbilddebatte verfolgt genau diesen Ansatz des Meinungsaustausches bereits seit dem vergangenen Jahr. Die Debatte, die die SZ-Leserinnen richtigerweise fordern, läuft bereits. Die Diskussion will die richtigen Schlüsse aus den positiven Entwicklungen der vergangenen Monate und Jahre ziehen. Sie will (und muss) die Stadt weiter für ihre Bürger interessant halten und natürlich auch das Interesse von weiteren Investoren, von jungen Familien, von den Bürgern in Kamenz und Rückkehrern wecken. Die Debatte schafft dabei unbedingt den Raum, Wünsche zu äußern, Visionen aufzuzeigen und in intensiven Diskussionen, um den richtigen Kurs zu ringen. In den Arbeitsgruppen wird genau diese offene Gesprächskultur gelebt. Es zeigt sich, dass unterschiedliche Denkansätze sich gegenseitig befruchten und in einem Leitbildentwurf münden, der sich als die gemeinsame Vision aller Akteure der „Stadt“ widerspiegelt und den Weg der Stadtentwicklung aufzeigt. Reduzieren wir die „Stadt“ also nicht auf seine Verwaltung, versuchen wir gemeinsam kritische Meinungsäußerungen als Ansporn zu verstehen und das Verständnis dafür zu wecken, dass der begonnene Prozess auf dem richtigen Weg ist und die Leitbildprozess-Debatte nach dem öffentlichen Informations- und Diskussionsabend am Mittwoch im Sinne aller beteiligten Akteure vorangeht.

Dies gilt für mich auch nach dem Beitrag „Ansturm aufs Bauland“ (SZ vom 15. Januar). Maklerin Manuela Wagner aus Bernbruch machte darin die meiner Ansicht nach fragwürdige These auf, dass mittlerweile einstige „Ladenhüter“ ohne Probleme zu verkaufen sind. Wenn es so einfach wäre, dann stellt sich doch die Frage, weshalb so viele Immobilien noch ungenutzt sind? Gehört es nicht eher zur Wahrheit, dass die Wiedernutzbarmachung von Immobilien aufgrund von ungeklärten Besitzverhältnissen oder von finanziellen Vorstellungen der Eigentümer unmöglich ist? Häufig können bauliche Strukturen nur mit hohem Aufwand verändert werden, womit nur noch ein sehr kleiner Investorenkreis angesprochen wird. Gern würde die Stadtverwaltung auf die Expertise von Immobilienfachleuten für die innerstädtischen „Schlüsselobjekte“ zurückgreifen, berücksichtigt werden muss dabei aber die Differenziertheit der Lage im Hinblick auf die städtebauliche Entwicklung. Gleiches gilt für die vorgeworfenen Versäumnissen bei der Entwicklung von Bauland. Ohne Flächen im städtischen Eigentum ist bei der finanziellen Ausstattung der kommunalen Haushalte Bauland nur schrittweise zu entwickeln.

Sicherlich, an der Stelle wäre Frau Wagner rechzugeben, wäre es von Vorteil, bebaubare Flächen für Eigenheime in der Hinterhand zu haben, aber Verhandlungen mit Eigentümern und Investoren und die Darstellung im städtischen Haushalt machen solche Entwicklungen zu langwierigen Prozessen. Dass aber die Entwicklung von Bauland regelrecht versäumt wurde, ist falsch. So wurden verfügbare Flächen der Wohnungsunternehmen an der „Christian-Weißmantel-Straße“ und „Willy-Muhle-Straße“ baurechtlich gesichert sowie großflächige städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen in Kamenz West durchgeführt. Bauland in den Ortsteilen wurde entwickelt, Aufstellungsbeschlüsse für weitere Baulandentwicklung im Stadtgebiet sind gefasst und großflächige Förderkulissen zur Entwicklung von Bestandsimmobilien wurden aufgestellt. Sachliche Kritik ist wichtig, ich möchte aber dafür werben, dass wir Stadtentwicklung gemeinsam angehen und so Kamenz weiter stärken.