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Riesa

Die Stadt Riesa verliert die Baum-Wette

Statt 900 nehmen am Sonntag nur 611 Menschen an der Wanderung zum Riesenhügel teil. Bald wird gepflanzt.

Eine lange Schlange von Wanderern, die für einen guten Zweck unterwegs waren, bremste Sonntag kurzzeitig den Autoverkehr am Verkehrslandeplatz Göhlis aus.
Eine lange Schlange von Wanderern, die für einen guten Zweck unterwegs waren, bremste Sonntag kurzzeitig den Autoverkehr am Verkehrslandeplatz Göhlis aus. ©  Sebastian Schultz

Am Sonntag war kurzzeitig kein Durchkommen mehr für Autofahrer auf der Straße zwischen Riesa und Leckwitz. Denn eine endlos lange Menschenschlange war dort ab 10 Uhr unterwegs, um 400 Meter hinter dem Verkehrslandeplatz Göhlis auf den Elberadweg abzubiegen. Die Ursache der sonntäglichen Wanderung war eine Wette zwischen dem Riesaer Ultraläufer Uwe Anger und der Elbestadt, deren Oberbürgermeister Marco Müller auch am Start war.

Erst gegen Mittag erreichten die letzten Wanderer das Ziel am Riesenhügel – und dann wurde erst einmal ausgezählt, wie viele Menschen ihren ausgefüllten Teilnahmeschein mit Name und Adresse in die große Tasche von Marion Anger eingeworfen hatten. „Wir haben exakt 611 Teilnehmer gehabt“, erklärte Uwe Anger. Damit wird nun 2020 die Stadt die Kosten tragen für die neuen Bäume, die für jedes Riesaer Baby gepflanzt werden sollen.

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Das erste Exemplar gab es schon am Sonntag kostenlos. „Die Firma Baumschulen Tamme aus Meißen hat ihn gesponsert“, sagte Anger und freute sich mit OB Müller. Da es bis zum Jahr 2020 noch ein bisschen dauert, kommt das zwei Meter hohe Bäumchen, das um die 30 Euro kostet, erst einmal in einen Topf. Alles Weitere wird aber keine ganz billige Angelegenheit für die Elbestadt. 2017 beispielsweise wurde schon am 7. November das 500. Neugeborene in Riesa verzeichnet. Ist es 2020 ähnlich, dann entstehen für die Baumbeschaffung Kosten von rund 15.000 Euro. Und regelmäßig gegossen werden müssen die natürlich auch, sonst überstehen sie trockene Sommer wie 2018 und 2019 niemals.

Uwe (links) und Marion Anger konnten sich mit Riesas OB Müller schon vor dem Start über den ersten neuen Baum freuen. Den sponserte die Baumschule Tamme aus Meißen.
Uwe (links) und Marion Anger konnten sich mit Riesas OB Müller schon vor dem Start über den ersten neuen Baum freuen. Den sponserte die Baumschule Tamme aus Meißen. © Sebastian Schultz

Am Riesenhügel ging es am Sonntag dann aber noch gemütlich zu. An einem Imbissstand gab es Bratwürste und Bier – und wenn das Wetter etwas besser mitgespielt hätte, dann wären vielleicht auch über 900 Menschen zum Verkehrslandeplatz Göhlis gekommen. „Ich war trotzdem positiv überrascht, dass so viele Leute mitgemacht haben“, sagte Anger. „Die meisten waren begeistert, dass so was überhaupt stattfindet.“

Auch viele Familien mit kleinen Kindern wanderten am Sonntag auf dem Elberadweg, begleitet von zahlreichen vierbeinigen Freunden, von denen einige gleich mit einem schützenden Regencape angerückt waren. Beim Start in Göhlis verteilten viele Helfer die kleinen Zettel, auf denen Name und Anschrift notiert wurden. Dann ging es erst einmal auf eine Wiese neben der Straße, wo Uwe Anger und seine Helfer die Zahl 900 – unterteilt in einzelne Felder – abgesteckt hatten, um die Zählerei zu erleichtern. Ganz voll war die Fläche dann nicht, und es wurde klar, dass die Stadt Riesa ihr Teilnehmerziel wohl verpassen würde. „Das war trotzdem eine tolle Idee von Uwe Anger“, sagte OB Müller, der sich sehr über so viele Teilnehmer freute.

Madlen Güldner hatte auch ihre ganze Familie samt Hund mitgebracht. „Wir unterstützen Herrn Müller gern bei seinem Vorhaben. So etwas wie hier fördert auch die Gemeinsamkeit“, sagte die junge Frau. Auch der Riesaer Cheerleaderverein (RCV) war am Sonntag mit sieben Wanderern dabei. „Schließlich sollten auch die Vereine die Stadt unterstützen“, hieß es von den Sportlern. Wer sich für Cheerleading interessiert, sollte sich schon den 7. Dezember vormerken. Dann steigt in Riesa die Landesmeisterschaft.

Bleibt abzuwarten, wo die vielen Bäume 2020 gepflanzt werden. „Es sind schon einige Vorschläge bei uns eingegangen“, so der Oberbürgermeister. Immerhin kennen jetzt über 600 Menschen das letzte Teilstück des neuen Weitwanderweges von Freital über Freiberg und Döbeln bis zum Riesenhügel in Riesa. Wann diese 234-Kilometer-Route – die Uwe Anger als Alternative zum 170 Kilometer langen Rennsteig in Thüringen entworfen hat – fertig ausgeschildert ist, das ist allerdings noch offen.