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„Riesa verstößt gegen Tierschutz“

Detlev Wackwitz hat die Riesaer Hundewiese initiiert. Von deren Aus ist er enttäuscht – und fordert eine Alternative.

© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

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Riesa. Dobermann-Dame Joy schaut neugierig durch den Zaun auf die stoppelige Wiese. Sie kennt das Grundstück nur zu gut, weiß Herrchen Detlev Wackwitz: „Ich bin damals ja jeden Tag hier gewesen.“ Damals, das war im Jahr 2013. Weil es in Riesa nirgendwo möglich war, seinen Hund frei laufen zu lassen, hatte Wackwitz das Gelände auf dem Gelände an der heutigen Bahnhofstraße von der Stadt gepachtet und dort die Hundewiese eingerichtet.

Mittlerweile ist damit Schluss: An den Toren hängen dicke Schlösser, das Gelände kann nicht mehr öffentlich genutzt werden. Auch wenn er mit dem Grundstück schon lange nichts mehr am Hut hat, ärgert ihn das, sagt Wackwitz. „Ich habe in den vergangenen Jahren öfter noch Leute mit ihrem Hund auf der Wiese gesehen. Da ist man schon stolz, dass noch etwas geblieben ist.“ Erlaubt war diese Nutzung zuletzt aber nicht, wie die Stadtverwaltung schon vergangene Woche gegenüber der SZ mitteilte. Es handle sich nicht um öffentliches Gelände, nach einer Reihe von Beschwerden seitens der Anwohner habe man das Grundstück nun besser verschlossen.

Detlev Wackwitz hat dafür wenig Verständnis. Wie es angesichts des großen Abstandes zu den Wohnhäusern zu laut sein kann, ist ihm ein Rätsel. Auch die Aussage, es sei „Party gemacht worden“, ärgert ihn. „Es gab eigentlich nur zwei Vorfälle“, erzählt er. Einmal hätten sich Schüler am letzten Schultag danebenbenommen, als sie an der Wiese feierten. Ein andermal habe er eine Gruppe von Trinkern zum Verlassen der Wiese aufgefordert. Auch von der Vermüllung der Wiese will er nichts wissen. „Ich war selbst hinterher, den Müll einzusammeln.“ Heute gibt es vor dem Grundstück keine Papierkörbe, benutzte Kotbeutel und anderer Müll liegen achtlos vor dem Zaun.

Dabei begann die Geschichte der Hundewiese vielversprechend. Detlev Wackwitz erinnert sich noch gut an die viele Arbeit, die er Anfang 2013 in das Gelände gesteckt hat. „Ich hatte 2012 eine Petition laufen, auf der in relativ kurzer Zeit 75 Leute unterschrieben haben.“ Wenige später sei dann die Wiese an ihn verpachtet worden. „Ein Jahr zur Probe, unter der Bedingung, dass ich mich um alles selber kümmere.“

Lediglich zwei Papierkörbe stellte die Stadt – und zwei Metallrohre, auf denen er ein Hinweisschild anbringen konnte. Um den Rest kümmerte sich der Hundewiesen-Macher federführend selbst, inklusive der Hinweisschilder an den Zäunen. Im Laufe der Zeit stießen noch andere Helfer dazu, es entstanden Holzschuppen für die Besucher, wurden Reifen eingegraben und Kotbeutelspender aufgestellt. Im Laufe des Jahres gründete sich eine Interessengemeinschaft, zum Jahreswechsel war sogar eine Vereinsgründung im Gespräch, um auch Spenden entgegennehmen zu können.

Wenig später hob die Stadt den Pachtvertrag auf. Eine Begründung oder ein Gespräch habe es nicht gegeben, sagt Wackwitz. „Ich hatte dann auch keine Lust mehr, mich mit der Stadt zu streiten.“ Er kritisiert aber, dass es bis heute keine Alternative vor Ort gibt – und fällt ein hartes Urteil: „Die Stadt verstößt damit gegen das Tierschutzgesetz.“ Das fordert für jeden Hund „ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers oder einer Anbindehaltung“. Tierschützer sehen deshalb einen allzu rigorosen Leinenzwang als nicht artgerecht an, wenn im Gegenzug keine Freilaufflächen geschaffen werden. Die Gerichte urteilten in der Vergangenheit mal im Sinne der Halter, mal im Sinne der Kommunen.

Detlev Wackwitz hat die Hoffnung auf eine Alternative nicht aufgegeben. Von der Idee, diese am Tierheim auf Gut Göhlis zu schaffen, hält er allerdings nicht besonders viel. So eine Hundewiese müsse zentral und für jedermann gut zu erreichen sein. Das sei das Tierheim nun mal nicht. „Es kann doch auch nicht so schwer sein, das hinzubekommen – notfalls eben mit einer Nutzungsgebühr, wie auf der Hundewiese in Oschatz.“ Bisher bleibt Wackwitz nur die Hoffnung, dass sich noch einmal einige engagierte Riesaer finden und das Projekt von Neuem angehen. Er sei gerne bereit, seine Erfahrungen zu teilen, sagt er.