Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Die starken Männer

Der Ortsteil Nelkanitz ist vor 725 Jahren das erste Mal erwähnt worden. Das Fest ist etwas ungewöhnlich.

Teilen
Folgen
NEU!
© André Braun

Von Markus Möller

Döbeln. Die Nelkanitzer feierten gemeinsam mit dem Sportverein aus Beicha und der Jugendfeuerwehr Lüttewitz ihr Jubiläum. Nicht besonders viele Orte haben ein Ortseingangsschild wie Nelkanitz – eines, das nicht quer zum Straßenverlauf steht, sondern neben ihm – eine Einfahrt mit Ortseingangsschild quasi. Für ein so kleines Dörfchen ist es vermutlich gar nicht so einfach, ein Fest zu organisieren. Doch trotz des Dauerregens am Sonnabend ist schon früh alles aufgebaut.

Auf einem kleinen Aushang an einem Pfeiler steht: „Partytime! 725 Jahre Nelkanitz“. Vor den Wohnhäusern stehen etwas ulkige Figuren – die Frage, warum, weiß niemand so wirklich genau zu beantworten: „Das machen wir eben so.“ Typisch Nelkanitz eben. Die Figuren vor den Wohnhäusern haben wohl etwas mit ihren Bewohnern zu tun. Wohnt dort beispielsweise ein Feuerwehrmann, steht eine Figur vor dem Haus, die an einen Feuerwehrmann erinnert.

Eine kleine Olympiade haben sie hier geplant – in Bierkrugstemmen und Handtaschenweitwurf.

„Eine Kuh haben wir leider nicht besorgen können – eigentlich wollten wir nämlich auch Kuh-Bingo spielen“, sagt Dorfbewohner Gottfried Helm. Das habe man sich allerdings abgeguckt von der Fernsehsendung „Neues aus Büttenwarder“.

Nelkanitz liegt zwar nicht im Norden, aber die Ähnlichkeit, der selbstironisch anmutende Humor des Dorfes, ist trotzdem unübersehbar. Aber ganz so lapidar, wie Kuh-Bingo es vermuten lässt, macht man in Nelkanitz dann eben doch nicht alles. Wenn es um das 725-jährige Bestehen geht, wird etwas auf die Beine gestellt: Es geht gemächlich los, mit Kaffee und Kuchen und einem Kinderprogramm der Kita „Benjamin Blümchen“ aus Beicha. Danach beginnt die schon erwähnte Nelkanitzer Olympiade und ein Zielspritzen der Jugendfeuerwehr Lüttewitz.

Wetter spielt nie richtig mit

Die teilweise heftigen Regenschauer wundern hier niemanden mehr. „Letztes Jahr in Beicha war es sehr heiß, im Jahr davor war ähnlicher Regen – das Wetter spielt bei unseren Festen irgendwie immer verrückt“, sagt Michael Schwenzer, Vorstand des Sport- und Freizeitvereins Beicha. Man müsse sich dem gesellschaftlichen Wandel anpassen – Dorffeste seien heutzutage weniger sinnvoll, sagt Schwenzer. „Stattdessen wollen wir uns eher auf Dinge wie das Frühlingsfeuer und den Weihnachtsmarkt konzentrieren.“ Das Geburtstagsfest von Nelkanitz sei da natürlich eine Einzelveranstaltung. Jubiliert werde schließlich nicht jedes Jahr.

Das Programm sei von Nelkanitzern für Nelkanitzer gestaltet. „Von außerhalb werden wohl nicht viele Leute kommen. Das ist auch gar nicht Sinn der Sache.“ Bevor abends der Lampionumzug mit dem Leubener Spielmannszug und die abendliche Feier beginnt, hält Gottfried Helm noch einen Diavortrag zur Historie. „Ja, Hobbyhistoriker finde ich kein schlechtes Wort.“, sagt Gottfried Helm. Viel sei nicht bekannt über die Geschichte von Nelkanitz, aber er trage eben zusammen, was er finden könne.

Bis 1935 war Nelkanitz eine selbstständige Gemeinde. Dann wurde das kleine Dörfchen nach Beicha eingemeindet. Bis 1952 gehörte es zum Landkreis Meißen, danach zum Landkreis Döbeln. Nelkanitz liegt so ziemlich genau in der Grenzregion der beiden Landkreise. Gern erinnert sich Gottfried Helm auch an die sogenannte „Zuckerrübenbahn“ zwischen Döbeln und Lommatzsch, die durch Nelkanitz fuhr. 1971 wurde der Streckenbetrieb eingestellt und durch eine Straße ersetzt.

In einem der Bierzelte sind einige Zeitungsartikel über Nelkanitz ausgestellt. Sie erinnern vor allem an das Hochwasser vom 17. Mai 2000. Gottfried Helm hatte das Glück, etwas höher, auf einem Hügel gelegen, zu wohnen. Bei einigen stand das Wasser allerdings buchstäblich bis zum Hals und das im eigenen Wohnzimmer. Seitdem wurde in Nelkanitz etwas für Hochwasserschutz getan, eine Straße saniert. „Mit der kann man wirklich zufrieden sein.“, sagt Gottfried Helm, und auch einer der Bauern, von deren Feldern das Wasser ins Dörfchen sickerte, habe nun umgedacht und gestalte seine Flächen als geschlossene Kulturen.

Gottfried Helm jedenfalls wird weiterhin Zeitungsartikel und andere brauchbare Dokumente sammeln – in Zukunft sei es wünschenswert, dass eine Chronik der Historie des 40-Bewohner-Dorfes zusammengestellt wird.