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Döbeln

Die Stiefelwächter hören auf

Zum letzten Mal werden die bisherigen Wachmänner und Stiefelburschen beim Fest zu erleben sein. Dann geben sie die Schlüssel fürs Museum ab.

Seit mehr als 20 Jahren haben etwa ein Dutzend Leisniger den Riesenstiefel in ganz Deutschland gezeigt und damit ihre Heimatstadt repräsentiert. Zum Altstadtfest tritt die Stiefelwacht zum letzten Mal in dieser Besetzung auf. Dann setzt sie sich zur Ruhe.
Seit mehr als 20 Jahren haben etwa ein Dutzend Leisniger den Riesenstiefel in ganz Deutschland gezeigt und damit ihre Heimatstadt repräsentiert. Zum Altstadtfest tritt die Stiefelwacht zum letzten Mal in dieser Besetzung auf. Dann setzt sie sich zur Ruhe. ©  Archiv

Leisnig. Am Festwochenende, da können sich die Leisniger sicher sein, ist ihr „Schatz“ noch einmal richtig gut bewacht.

Die Rede ist vom Leisniger Riesenstiefel, auf den die Einheimischen seit dem Sommer 1996 teilsweise mächtig stolz sind. Manch einer kann sich sogar noch an den Wortlaut einer Glosse erinnern, die damals auf der gleichen Lokalseite des Döbelner Anzeigers stand, auf der erstmals Fotos des nun weltgrößten Stulpenstiefels veröffentlicht wurden. 

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Der war die Sensation der damaligen 950-Jahr-Feier. Kaum einer hatte vom Bau gewusst. Der sollte nicht nur beweisen, was Schuster- und Handwerksmeister noch bewerkstelligen können, sondern auch den Stiefelstreit zwischen Leisnig und Döbeln beenden.

Zur Bewachung des neuen Leisniger Aushängeschildes hatten sich schnell Männer der Feuerwehr bereiterklärt. Sie kümmerten sich alsbald auch um andere Dinge, die mit dem Stiefel zusammenhingen, insbesondere die Präsentation. „Gerhart Mattuschka ist es damals dann gewesen, der fragte, warum wir nicht eine Stiefelwacht gründen“, erzählt Wolfgang Rosemann.

Das ist schließlich vor jetzt 20 Jahren passiert. Seitdem ist Rosemann der Hauptmann der Stiefelwacht. Einige der Wachmänner von damals sind immer noch dabei. „Ich habe schon voriges Jahr ans Aufhören gedacht“, gibt Rosemann zu. Doch seine Mitstreiter hätten ihn schließlich überzeugt, noch bis zum 20. Bestehen der Stiefelwacht durchzuhalten. „Das war das Ziel, das ist nun erreicht“, so der Elektromeister im Ruhestand.

Als Grund für den Rücktritt der kompletten Stiefelwacht gibt er deren Alter an. „Wir sind an die 70 bis Mitte 80“, so Rosemann. „Da fällt einfach alles schwerer.“ Auch der Rückzug jetzt. „Doch irgendwann muss es sein, und wir haben ja auch einiges vorzuweisen“, sagt der Hauptmann.

Bei 36 Veranstaltungen haben die Stiefelwacht-Mitglieder das Riesenschuhwerk und damit auch Leisnig präsentiert. Dafür sind sie mit dem Anhänger und dem Stiefel rund 5 200 Kilometer in Deutschland unterwegsgewesen, unter anderem in Wiesbaden, Wolfsburg, in der Partnerstadt Bünde und in Munster. Damit der Stiefel gut geschützt ist, wurde eine Plane maßangefertigt. Und auch der Transport ist durch eine Stiefellafette unkomplizierter geworden.

Gern denken die Männer und Frauen um Wolfgang Rosemann an die Eröffnung des Stiefelmuseums auf dem Burglehn zurück. Dort haben auch sie viele Freizeitstunden investiert, um den großen und dutzende kleinerer Stiefel und Details aus der Stiefelherstellung und zum Schuhmacherhandwerk zu zeigen. Sie haben Führungen gestaltet, Staub gewischt und Fenster geputzt. „Das alles ist uns zu viel geworden“, so Rosemann. 

Froh ist er darüber, dass das Technologieorientierte Gründer- und Entwicklungszentrum (TGE) mit Bärbel Kidalla jemanden gefunden hat, der das Stiefelmuseum wieder öffnet und Gäste führt. „Wir selbst werden nach dem Fest zusammenräumen, unsere Uniformen an den Nagel hängen und den Schlüssel abgeben“, sagt der Hauptmann. Damit sieht er dann auch die Stiefelwacht-Gruppe im Heimatverein aufgelöst.

Der Leisniger Heimatverein ist Eigentümer des Stiefels. Am Vorstand und auch im Interesse der Stadträte dürfte es sein, schnellstmöglich Nachfolger für die Wachmannschaft zu finden. „Wir haben alles versucht, leider erfolglos“, sagt Rosemann. Vier Familien hatten sich für das Ehrenamt interessiert, schließlich aber abgesagt.

Wer die Stiefelwacht „beerben“ möchte, der sollte Arbeit nicht scheuen und bereit sein, Freizeit, auch mal den einen oder anderen Tag Urlaub zu opfern. Das fällt Wolfgang Rosemanns Frau als erstes auf die Frage ein, was Bewerber mitbringen sollten. Die Frauen der Wachmänner waren bei den Aktionen immer dabei, haben Gäste bewirtet und als Stiefelputzer auch einmal die Schuhe der Besucher gewienert.

Um die fachmännische Pflege des Schuhriesen kümmerte sich in den zurückliegenden Jahren Arno Carius von der Schuhmacherinnung Leipzig-Torgau-Brandenburg. Er ist inzwischen Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Schuhmacherhandwerkes. Er wird am Wochenende beim Altstadtfest auf dem Burglehn rund ums Stiefelhaus dabei sein und genau wie der Riesenstiefel für das Schuhmacherhandwerk werben.