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Die Stimme des Meisters

Im Mammutprozess um den Dresdner Finanzdienstleister Infinus redet Gründer Jörg Biehl erstmals länger als 30 Sekunden.

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© Archivbild: SZ

Von Ulrich Wolf

Dresden. Auch nach 26 Verhandlungstagen und 32 Zeugen kreist das Betrugsverfahren um den Finanzdienstleister Infinus weiter um ein zentrales Thema: Welchen tieferen Sinn machte es, dass die vertriebseigenen Makler Versicherungsverträge für sich und ihre Familienmitglieder mit hohen Monatsbeiträgen abschlossen, um sie nach relativ kurzer Zeit wieder an Infinus zurück zu verkaufen? War das, wie die Staatsanwaltschaft glaubt, eine lediglich lebensverlängernde Liquiditätsbeschaffung für ein unseriöses Unternehmen? Oder war es einfach nur ein gewieftes Modell, selten zwar, aber legal, wie es die sechs angeklagten Infinus-Manager sehen?

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Als am Donnerstag ein früherer Makler bei exakt diesen Fragen vor dem Landgericht Dresden ins Schwimmen kam, griff Infinus-Gründer Jörg Biehl erstmals seit dem Prozessbeginn im November 2015 selbst ein. Er versuchte dem Richter klarzumachen, dass Infinus den Versicherern mit diesem Modell das Stornorisiko genommen habe. Seine Firma wiederum habe so wachsen und Makler ans Haus binden können, sagte er mit etwas heiser klingender Stimme. Die Mittagspause nutzte der 54-Jährige gleich, um eine Beispielrechnung aufzuschreiben. Diese will der Richter allerdings erst nächste Woche besprechen. Das sei wichtig, „da das wohl bislang noch niemand verstanden hat“.

In den Tagen zuvor hatten unter anderem drei Anleger ausgesagt. Eine alteingesessene Apothekerin aus Radebeul erzählte, wie sie ihrem langjährigen Anlageberater vertraute - und so fast eine Million Euro verlor. Ein Lokomotivführer investierte rund 20 000 Euro, weil er ein Grußwort von Sachsens ehemaligem Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf in einer Infinus-Broschüre gelesen hatte. Ein Arzt aus Dresden legte 30 000 Euro an. Verhandelt wird über 156 Millionen Euro Schaden, der allein von 2011 bis 2013 bei mehr als 20000 Anlegern entstanden sein soll.