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„Die Straße ist eine Katastrophe“

An der Mittleren Bergstraße warten die Anwohner dringend auf die Sanierung. Doch es gibt Probleme.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeul. Eigentlich sollte es schon im Frühjahr losgehen. Der nächste Termin ist für den August angesetzt worden. Jetzt wird das offenbar wieder nichts. Die Mittlere Bergstraße ist Radebeuls westliche Umgehung für die Meißner Straße. Wenn auf der großen Verbindung zwischen Radebeul, Coswig und Meißen etwas repariert werden muss, dann bleibt als einziger Ausweg die Mittlere Bergstraße.

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Doch gerade verkündete die Stadt, dass es wohl auch in diesem Jahr nichts mit dem Baubeginn wird.

Wie die Mittlere Bergstraße auf der geplanten Sanierungsstrecke aussieht

Zwischen der Gerhart-Hauptmann-Straße, genauer dem Straßenbahnübergang der Linie 4, und dem Spitzgrund soll die Strecke erneuert werden. Zwei Drittel der Mittleren Bergstraße bestehen aus Granitpflaster. Ausgefahren, mit groben Wellen und Löchern zeigt sich die gesamte Fahrbahn. Die SZ hat gezählt, derzeit in den Ferien und nicht zur Hauptverkehrszeit: Rund 300 Fahrzeuge passieren die Umgehung der Meißner Straße je Stunde. Jedes zehnte Fahrzeug ist ein schwerer Lkw.

Letztere sind es auch, so die Anwohner, die die Straße über die Maßen belasten und verformt haben. Ganz abgesehen von der Geräuschbelastung, die sich auf dem Kopfsteinpflaster zwangsläufig ergibt.

Im östlichen Abschnitt zwischen Straßenbahnkreuzung und Abzweig nach links ist der Bauabschnitt noch im besten Zustand. Hier gibt es beidseits Fußwege, die Verwerfungen sind da, aber noch gering, auch wenn die Kopfsteinpflasterfahrbahn schon gehörige Flicken vom Rohreverlegen hat.

Ungemütlicher wird es zwischen Abzweig Gehart-Hauptmann-Straße und Kynastweg. Talseitig gibt es noch einen uralten Fußweg, ein Bordstein grenzt ihn von der Straße ab. Das mittlere Stück zwischen Kynastweg und Hausbergweg ist regelrecht abenteuerlich. Wer hier zu Fuß unterwegs ist, muss sich an Grundstücksmauern ducken, wild parkenden Autos vorbeizwängen und bei Schlechtwetter immer damit rechnen, eine Pfützendusche zu bekommen. Hydrantenanschlüsse sind fast vollständig von Löchern umgeben oder ausgebrochen.

Nicht besser die Situation zwischen Hausbergweg und dem Ende der geplanten Sanierung am Spitzgrundweg: Löcher, Straßenausbrüche. Der Asphalt, der hier mal vor Jahrzehnten aufgebracht wurde, bricht an den Rändern aus. Einen wirklichen Fußweg gibt es nicht.

Was die Stadt auf 940 Metern in Ordnung bringen will

Rund 940 Meter lang ist die geplante Sanierungsstrecke zwischen Straßenbahnquerung und Spitzgrundweg. Unter der Straßendecke sollen der Kanal komplett neu verlegt werden – jeweils bis zu den Hausanschlüssen der Grundstücke. Darüber muss die Straße ohnehin erst ausgebaggert und dann komplett neu aufgebaut werden. Asphalt statt Kopfsteinpflaster soll die Mittlere Bergstraße durchgehend bekommen. Vor allem aber will die Stadt Fußwege anlegen. Mit Anliegern wurde vereinbart, wechselseitig einige Quadratmeter Grundstück abzukaufen, damit Bürgersteige angelegt werden können.

Die Stadt rechnet mit einem Finanzierungsaufwand von knapp einer Million Euro. Die Planungsarbeiten wurden inzwischen abgeschlossen. Der Antrag auf Fördergelder ist längst gestellt. Die Antwort darauf, was es nun wirklich an Landesgeld als Zuschuss gibt, ist allerdings noch nicht da. Das ist auch der Grund, so die Stadtverwaltung, weshalb der Baustart noch nicht erfolgen kann.

Im Rathaus rechnet man damit, dass im Herbst die Zusage kommt und dann im Frühjahr mit dem Bauen begonnen werden kann. Was allerdings zur Folge hat, dass auch die Meißner Straße in Zitzschewig verschoben werden muss, denn die Mittlere Bergstraße ist die Ausweichstrecke und soll vorher fertig sein.

Was die Anwohner zur Sanierung sagen und welche Wünsche sie haben

Kerstin Schuster wohnt mit ihrer Familie seit 1981 im westlichen Teil der Mittleren Bergstraße. „Seit wir hier eingezogen sind, ist an der Straße nichts gemacht worden. Die Straße ist eine Katastrophe.“ Hier sind keinerlei Bürgersteige, Schulkinder und Radfahrer leben absolut gefährlich“, sagt Frau Schuster. Wenn die Autofahrer der Meißner Straße ausweichen, rolle hier permanent der Verkehr.

Eike Dietrich und seine Familie haben sich oberhalb der Mittleren Bergstraße ihr Eigenheim erst vor wenigen Jahren gebaut. Sie nervt vor allem die Lärmbelastung durch das Kopfsteinpflaster. Eike Dietrich: „Und die Kinder brauchen dringend einen ordentlich Fußweg. Kaum einer hält sich hier an das vorgeschriebene Tempo 30.“

Genau deshalb sollte auch mehr kontrolliert werden, sagt Dorothea Münch, die mit der Gärtnerei Kießlich hier ihr Gewerbe betreibt. Die Kanalisation zu erneuern, sei dringend geboten. Wenn auf der Straße die Pfützen stehen, spritzt es von den Autos bis weit ins Grundstück.

Sie findet es richtig, dass Fußwege angelegt werden, aber diese müssten nicht zwei Meter breit sein. „1,50 Meter reicht auch für Kinderwagen“, sagt Dorothea Münch, die wie andere Grundstück für den Bau abgeben soll.

Die Gärtnereibetreiberin fragt sich außerdem, ob auf der Straße auch Parkbuchten angelegt werden. Und wenn dann über Monate gebaut wird, kommt keiner mehr an ihr Hofgeschäft ran.

Für den Interimsverkauf an der Meißner Straße muss sie extra was aufbauen. „Wird mich die Stadt zumindest für den Bauaufwand finanziell unterstützen?“, möchte sie wissen. Zumindest aber hätte sie gegenüber ihrer regulären Torausfahrt von der Stadt einen Verkehrsspiegel angebracht – sonst sei das an ihrer Ausfahrt viel zu gefährlich.