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Freital

Die süßen Trauben aus dem Weißeritztal

Coschütz machte wohl den Anfang beim Weinbau, Pesterwitz ist auch derzeit auf Tradition bedacht.

1795 im Auftrag von Junker Carl Albrecht von Nimptsch erbaut, das Pesterwitzer Jochhöhschlösschen. © Archiv: SZ

Wie mag der Wein aus dem Weißeritztal wohl geschmeckt haben? Die Urteile der Chronisten stimmen nicht überein. Während die einen von einem lieblich-milden Tropfen sprechen, legen sich andere auf eine herbe Note fest. Einige meinen gar, er sei sauer gewesen, habe nichts getaugt. Vielleicht ist an jeder Meinung etwas dran. Bei allem Respekt vor dem einheimischen Weinbau dürfte feststehen, dass Wein von der Weißeritz lange Zeit allenfalls bedingt überregionale Bedeutung erlangte.

Wann die ersten Trauben zwischen Coßmannsdorf und Plauen reiften, lässt sich mit Sicherheit nicht sagen. Des Öfteren wird Bischof Benno von Meißen (1066–1106) zitiert, der neben dem Nussbaum auch den Rebstock in die klimatisch angenehme Dresdner Gegend einführte. Eine Neuheit, die zunächst kaum zur Kenntnis genommen wurde. Als wahrscheinlich erster Weinstandort taucht in einer Urkunde von 1329 der Name Coschütz auf. Überdies gelten die Pesterwitzer Südhänge als umfangreiches Anbaugebiet, was sich ab 1552 nahezu lückenlos nachweisen lässt. Selbst an den zum Teil schroff abfallenden Hängen des Plauenschen Grundes spielt der Weinanbau eine gewisse Rolle. W. G. Becker, Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts, schildert in seinem 1799 erschienenen Buch „Der Plauensche Grund bei Dresden“: „Mit mühsamen Eifer bildeten die Leute zwischen den Klippen und Felsen Terrassen, um sie mit Reben zu bepflanzen. So viele Beschwerden es ihnen auch verursachte, die gewonnenen Flächen mit Erdreich zu decken und die gepflanzten Reben zu warten, sie wurden nicht müde, diesem neuen Zweig der Wirtschaft nachzugehen ...“

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Vielleicht glaubte man damals, dass die Güte des Weines, den Schweiß ihrer Arbeit lohnen würde. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Da die Coschützer Höhenzüge bis in den Vormittag hinein die Sonne von den Anlagen fernhielten und die Abendsonne nur bedingt einwirken konnte, geriet der Wein alles andere als lieblich.

Ein Ölgemälde von Heinz Kürbis: Weingut Folde, Pesterwitz, Zauckeroder Straße.  © privat

Dennoch breitet sich der Weinbau weiter aus. Kulturen entstehen unter anderem in Dölzschen, Coschütz, am Jochhöhschlösschen in Pesterwitz, auf Wurgwitzer und Döhlener Flur sowie am Potschappler Geiersgraben und in Hainsberg/Coßmannsdorf. Als um 1790 der Borkenkäfer auf den von Pesterwitz zur späteren Steiger-Gaststätte abfallenden Waldhang wütet, lässt der Besitzer Freiherr Carl Albrecht von Nimptsch, seines Zeichens Geheimrat, Kammerherr, Kreissteuereinnehmer der Landesschule in Meißen und vermögender Junker auf Schloss Roßthal, den oberen Teil der Waldung abholzen.

Der 1797 hier angelegte Weinberg bringt wiederholt erstaunliche Erträge. Um Weinbergarbeiter gleich bei der Hand zu haben, gibt der Freiherr zwischen 1791 und 1794 an dem am Weinberg vorbeiführenden Weg den Bau von sechs Drescherhäuser in Auftrag – eine Ansiedlung, die fortan den Namen „Neunimptsch“ trägt.

Von den inmitten der Anlage erbauten Pavillon hat man einen fantastischen Ausblick auf sächsische Schweiz und Osterzgebirge. Damit nicht genug, entschließt sich der Junker 1795 zur Errichtung eines stilvollen Winzerhauses an der oberen Kante des Weinbergs. Leute mit Sinn für Poesie halten das Gebäude für ein Schlösschen, das Jochhöhschlösschen. Prof. Karl Simmang, ein feinsinniger Kenner bauhistorischer Belange, formuliert in einem 1953 verfassten Gutachten: „Das Ganze ist ein reifes Werk der Baukultur des 18. Jahrhunderts.“ Das Staatspost- und Zeitungslexikon von 1820 führt das Objekt als „Herrschaftliches Lusthaus“.

1847 erwirbt Carl Friedrich August Dathe von Burgk Rittergut, Schlösschen und Weinberg und investiert erhebliche Mittel, um das vom Verfall bedrohte Winzerhaus mit frischem Glanz auszustaffieren. Der Sohn des Barons, Arthur, Mitdirigent der Burgker Steinkohlenwerke, zieht im Oktober 1848, kurz vor seinem 25. Geburtstag, als Hausherr ins Jochhöhschlösschen ein. Auf sein Geheiß hin wird 1851 der einstige Steigerbuschfußweg zur Fahrstraße ausgebaut.

Die Reblaus, von Volksschauspieler Hans Moser in dem 1940 gedrehten Filmlustspiel „Sieben Jahre Pech“ so liebenswürdig besungen, sorgt ab 1870 für ein schlimmes Ende. Um dem Schädling Einhalt zu gebieten, bleibt nichts anderes, als die Weinstöcke zu roden. 1885 werden sämtliche Weinterrassen abgebrochen, die Hänge verwandeln sich in Obstplantagen.

Ab 1987 legte das Staatsgut VEG Pesterwitz auf traditionellem Terrain einen Weinberg von 8,4 Hektar an. Das jüngste Kapitel schreibt mit bemerkenswerten Ergebnissen das Gut Pesterwitz Obst- und Weinbau mit Familie Folde an der Spitze.

Im Hofladen, aber auch auf regionalen Märkten und Einkaufszentren bietet das Gut ein weit gefächertes Sortiment an, das sich kaum abgrenzen lässt. Es reicht etwa von vorzüglichen Pesterwitzer Weinsorten über selbst angebautes Gemüse, Obst, hausgemachte Marmeladen bis zu Naschereien und Korbwaren. Der Kundenkreis ist groß.

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