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Die Superheldin im langen Schwarzen

Serena Williams kehrt nach ihrer Babypause bei den French Open mit einem Erfolg zurück. Doch für Gesprächsstoff sorgt besonders ihr Ganzkörperanzug.

© Michel Euler/AP/dpa

Von Pirmin Closse

Sie hat schon immer eine Vorliebe für schrille Outfits auf dem Tennisplatz. Das ist bestens dokumentiert. Serena Williams trug bei ihren Duellen bereits beispielsweise einen weißen Trenchcoat, einen extrem knappen Jeansrock oder eine nietenbesetzte Rockerkluft. Doch der schwarze Einteiler, den sie für ihr Grand-Slam-Comeback bei den French Open wählte, war nicht nur eine modische Extravaganz, sondern auch ein Statement.

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Denn die US-Amerikanerin ist inzwischen mehr als nur die vielleicht beste Tennisspielerin aller Zeiten. Sie ist längst eine Symbolfigur – eine Symbolfigur etwa für Frauenpower oder den Kampf der afro-amerikanischen Gemeinschaft gegen Rassismus und Intoleranz. Ihr Ganzkörperanzug mit pinkfarbenem Brustring, den die 36-Jährige bei ihrem 7:6- und 6:4-Auftakterfolg im Einzel gegen Kristyna Pliskova sowie beim 2:6-, 6:4- und 6:1-Erstrundesieg mit ihrer Schwester Venus im Doppel gegen die Japanerinnen Shuko Aoyama und Miyu Kato trug, transportierte daher gleich einige Botschaften.

„Wenn ich ihn trage, dann fühle ich mich wie eine Superheldin“, sagte Serena Williams. „Ich fühle mich wie eine Kriegerin, eine Prinzessinnen-Kriegerin, die Königin von Wakanda.“ Es war eine Anspielung auf die neueste Verfilmung des Marvel-Comics Black Panther. Darin kämpft der erste dunkelhäutige Superheld der Popkultur-Geschichte vom fiktiven afrikanischen Staat Wakanda aus unter anderem um Bürgerrechte für Schwarze weltweit.

Doch mit ihrer Rückkehr auf die Tennis-Bühne nach 13-monatiger Babypause will Serena Williams außerdem und in erster Linie beweisen, was sie auch als Mutter noch immer erreichen kann. Sogar dabei spielte das hautenge und „super bequeme“ Outfit eine Rolle. „Will noch jemand einen Catsuit?“, twitterte die 23-fache Major-Gewinnerin am Abend nach ihrer Auftaktpartie. „An alle Mamas da draußen, die sich von einer schwierigen Schwangerschaft erholen: Wenn ich es kann, dann könnt ihr es auch.“

Serena Williams schwebte aufgrund von Komplikationen bei der Geburt ihrer Tochter Alexis Olympia im September zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Auch bei ihrem ersten Spiel war zu sehen, dass sie körperlich noch nicht wieder bei 100 Prozent ist. Mit starken Aufschlägen und purer Willenskraft gewann Serena Williams das Duell gegen die Tschechin dennoch – und stapelte vor der Zweitrundenpartie am Donnerstag gegen die an Nummer 17 gesetzte Australierin Ashleigh Barty trotzdem erst mal tief.

Vom Kampf um ihren vierten Titel in Paris, wie es ihr Trainer Patrick Muratoglu machte, wollte Serena Williams jedenfalls nicht reden. „Ich denke, wenn wir ehrlich sind, tief drinnen kennen alle die Antwort“, sagte sie auf die Frage, ob sie tatsächlich damit rechne, um den Turniersieg spielen zu können. „Ich bin da, um mein Bestes zu geben, mache mir aber nicht so viel Druck wie früher.“ Es geht eben nicht mehr nur um Tennis bei Serena Williams.

Für Alexander Zverev dagegen durchaus. Er fluchte, zeterte und zertrümmerte wutentbrannt seinen Schläger. Nach beinahe dreieinhalb Stunden Schwerstarbeit durfte der an Nummer zwei gesetzte Hamburger aber doch noch jubeln. In einem Fünfsatzkrimi gegen den Serben Dusan Lajovic hat der große deutsche Hoffnungsträger das drohende Aus in der zweiten Runde gerade noch abgewendet. Der 21-Jährige siegte trotz einer lange Zeit schwachen Leistung mit 2:6, 7:5, 4:6, 6:1 und 6:2. (sid)