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„Die Täter sind nur zwei Minuten in der Wohnung“

In Riesa zeigt die Polizei, wie sich Mieter und Hausbesitzer vor Einbrechern schützen können. Alarmanlagen spielen dabei kaum eine Rolle.

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© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Detlef Kaminsky und Heike Matschke sind noch mit dem Aufbauen beschäftigt, als sich vor ihrem Bus eine kleine Schlange bildet. Ein Polizeifahrzeug mitten auf dem Riesaer Wochenmarkt, das ist schon ein Blickfang. „Das ist natürlich so gewollt“, sagt Kaminsky und schmunzelt. Schon seit einigen Wochen touren die beiden Polizisten durch die Region. Ihr Ziel: aufklären über Wohnungseinbrüche – und darüber, wie sich Mieter und Hausbesitzer davor schützen können. Am Montag waren sie in Großenhain, davor in Dresden.

Es sei schon auffällig, dass unter den Leuten in Riesa das Thema etwas distanzierter diskutiert werde als in Dresden, sagt Kaminsky. Das kommt nicht von Ungefähr. In den Großstädten kommen Einbrüche mit Abstand häufiger vor, so wie auch die Kriminalitätsrate allgemein drei- bis fünfmal so hoch sei wie im Landkreis Meißen – je nach Art des Delikts.

Trotzdem gibt es auch in Riesa Fragen dazu, wie die eigenen vier Wände besser zu schützen sind. „Zuerst fragen wir dann immer, ob die Leute Eigenheimbesitzer oder Mieter sind“, erklärt Detlef Kaminsky. Denn letztere hätten in der Regel deutlich weniger Spielraum. Im Grunde gehe es dann immer darum, die Tür sicherer zu machen, indem verschiedene Sicherheitsmechanismen ins Schloss eingebaut werden.

Einer Frau, die diese Frage auf dem Riesaer Rathausplatz stellt, erklärt Kaminsky, dass grundsätzlich der Vermieter um Erlaubnis gebeten werden muss. Ist die erteilt, gibt es zwei Möglichkeiten: „Entweder, der Mieter übernimmt die Kosten in Eigenverantwortung. Oder der Vermieter rüstet nach und die Kosten werden auf die Miete umgelegt.“ Allzu teuer werde das in der Regel aber nicht. Die Polizei führt eine Liste von Unternehmen, die solche Nachrüstungen übernehmen und auch entsprechende Zertifikate nachweisen können. Der Tischler von nebenan sei da meist nicht der richtige Ansprechpartner.

Alternativ zu aufwendigeren Nachrüst-Aktionen hilft auch schon die Kette an der Tür, um zumindest erst einmal das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. „Die Einbrecher bringen selten schweres Werkzeug mit“, sagt der Polizeihauptkommissar und verweist auf die Statistik: Das mit Abstand am häufigsten genutzte Einbruchswerkzeug ist der Schraubenzieher. Mehr braucht es nicht, um ungeschützte Fenster aufzuhebeln – der bevorzugte Zugang in Häuser oder Wohnungen. Und an der Tür? Auch da reicht eine Plastikkarte, wenn nicht richtig abgeschlossen wurde.

„Neulich hatten wir in Dresden auch einen Fall, in dem eine Bohrmaschine zum Einsatz kam.“ Hochgradig professionelle Fälle, in denen Tätergruppen ein ganzes Haus besenrein ausräumen, die gebe es zwar auch. Aber das seien eher Ausnahmen. „Meist geht es um eine Art Beschaffungskriminalität. 80 Euro am Tag reichen denen.“ Das erklärt auch, welche Dinge bevorzugt aus Häusern und Wohnungen geklaut werden: Bargeld, Schmuck, Handys, Kleinelektronik. – Neben der Technik ist Einbruchsschutz vor allem eine Frage der Organisation, sagt Detlef Kaminsky.

Dass ein angekipptes Fenster eine Einladung ist, mag sich mittlerweile herumgesprochen haben. Aber es gebe auch immer noch viele Hausbesitzer, die Leitern und andere Steighilfen herumstehen haben. Damit sind auf einmal auch Fenster in mehr als zwei Metern Höhe leicht zu erreichen. In den individuellen Beratungen, die die Polizei kostenlos anbietet, bemerken er und seine Kollegen das immer wieder.

Von Alarmanlagen halten die Mitarbeiter der Polizeidirektion Dresden dagegen nicht allzu viel. Die empfindliche Elektronik sorge für viele Fehlalarme: durch Haustiere, falsche Benutzung, zum Teil sogar nur, weil starker Wind an Fenstern rüttelt. Und einen echten Schutz bieten sie nicht. „Wir empfehlen für Alarmanlagen meist, einen Sicherheitsdienst zu engagieren. Der garantiert, spätestens in 20 Minuten am Tatort zu sein.“

Anschließend dauere es durchschnittlich acht Minuten, bis die Polizei am Tatort eintreffe. „Die Täter haben die Wohnung oder das Haus dann aber schon aufwendig beobachtet und wissen, wie sie reinkommen. Und dann sind sie zwei Minuten lang in der Wohnung.“ Länger brauche niemand, um ein paar Wertsachen mitgehen zu lassen. Besser ist es da nach Ansicht der Polizei, das Einbrechen zu erschweren. Denn länger als fünf Minuten mühe sich kein Einbrecher an Fenstern oder Türen ab.

Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.k-einbruch.de sowie bei der polizeilichen Beratungsstelle in Dresden unter der Telefonnummer 0351 4832243 und [email protected].