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Die Topverdiener im Wahllokal

Zur Bundestagswahl packen im Landkreis Bautzen über 2 000 Wahlhelfer mit an. In einigen Orten zahlt sich der Job besonders aus.

© dpa

Von Sebastian Kositz

Aufkreuzen, ankreuzen – und Zettel in die Urne. Deutschland hat am Sonntag die Wahl, mehr als 60 Millionen Menschen sind aufgefordert, über den Bundestag zu entscheiden. Für den Wähler ist der Aufwand überschaubar, tatsächlich steckt hinter der Abstimmung aber ein echter Kraftakt. Damit es in den Wahllokalen reibungslos läuft, werden 600 000 Wahlhelfer mit anpacken. Allein im Kreis Bautzen müssen mehr als 300 Wahllokale besetzt werden, braucht es über 2 000 Helfer. Die arbeiten ehrenamtlich, erhalten aber immerhin ein Erfrischungsgeld. Ein zumeist eher symbolischer Betrag – in einigen Orten kann sich der Job jedoch durchaus auszahlen.

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In der Bundeswahlordnung ist zwar nicht verbindlich geregelt, was die Städte und Gemeinden den Wahlhelfern zu zahlen haben, empfohlen wird aber ein Erfrischungsgeld von je 25 Euro, dem Vorsitzenden des Wahlvorstands im Lokal wird sogar eine Summe von 35 Euro zugebilligt. Eine Blitzumfrage im Landkreis unter den sechs größten Gemeinden ergab, dass genau diese Summen auch gezahlt werden. Die Verwaltungen in Bautzen, Bischofswerda, Hoyerswerda, Kamenz und Radeberg halten sich genau an diese Empfehlungen. Allerdings geht es auch anders. In der Großgemeinde Ottendorf-Okrilla gehen die Wahlhelfer nach Auszählung aller Stimmen mit immerhin 50 Euro in der Tasche nach Hause – ganz unabhängig von ihrer Funktion.

Dass in Ottendorf-Okrilla besser bezahlt wird als andernorts im Landkreis, liegt keineswegs am allgemein höheren Lohngefüge. Vielmehr hatten die Verantwortlichen ein Stück weit aus der Not eine Tugend gemacht. Denn vor jeder anstehenden Wahl standen die Verantwortlichen im Rathaus bislang vor dem gleichen Problem: Ausreichend freiwillige Wahlhelfer zu finden.

Wahlhelfer zu finden, ist schwierig

Ein Problem, das so ziemlich alle Städte und Gemeinden im Landkreis Bautzen haben. Offenkundig interessieren sich nicht besonders viele Menschen für den ehrenamtlichen Job im Wahllokal – mit stetig abnehmender Tendenz. „Die Gewinnung von Wahlhelfern stellt sich zunehmend als schwierig dar, da die Bereitschaft, sich freiwillig für das Ehrenamt zu melden, sinkt“, sagt Thomas Käppler, der Sprecher der Kamenzer Stadtverwaltung. Und: In etlichen Ecken des Landkreises schlägt zudem der demografische Wandel zu – heißt: Es rücken nicht mehr genug junge Leute nach.

Um die Wahl zu sichern, greifen die Gemeinden und Städte deshalb verstärkt auf die Mitarbeiter aus den Verwaltungen zurück. In Radeberg müssen am Sonntag neben 50 freiwilligen Bürgern 80 Mitarbeiter ran, in Bautzen füllen 160 Verwaltungsleute die insgesamt 280 Plätze in den Wahllokalen auf. Auch in Hoyerswerda – 125 Mitarbeiter der Stadt und 75 Bürger und Bischofswerda, wo Rathausleute etwas mehr als die Hälfte der 110 Wahlhelfer stellen, sieht es nicht anders aus. Besonders drastisch ist es in Kamenz. Hier haben sich nur neun Bürger für die 126 Stellen gemeldet.

Das Engagement der Verwaltungsmitarbeiter beruht zunächst auch auf Freiwilligkeit. „Gezwungen wird niemand, jedoch wird von den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst eine diesbezügliche Mitwirkung erwartet“, so Radebergs Stadtsprecher Jürgen Wähnert. In Bautzen hatten die Mitarbeiter die Möglichkeit, zu erklären, ob sie am Wahltag verhindert sind. „Wer sich daraufhin nicht gemeldet hat, wurde berufen“, sagt Laura Ziegler von der Pressestelle.

Ottendorf zahlt 50 Euro

Im Ottendorfer Rathaus ist das anders. Dort sind die Bürger dieses Jahr in der Überzahl. Von 72 Wahlhelfern kommen nur 26 von der Gemeinde. „Bei uns muss niemand gezwungen werden“, sagt Hauptamtsleiter Udo Rößler. Denn die Ottendorfer selber melden sich nach der Anhebung des Erfrischungsgeldes deutlich lieber für den Job.

Mit 50 Euro liegt Ottendorf-Okrilla übrigens auch im Bundesschnitt weit vorn und beispielsweise auf Augenhöhe mit Berlin. Aber es geht noch besser, wie der Finanzdienstleister Vexcash herausgefunden hat. Im Vergleich der 30 größten Städte liegt Augsburg mit 100 Euro an der Spitze der Tabelle, deutlich vor dem zweitplatzierten Mannheim, wo mit 60 Euro letztlich auch nicht so viel mehr wie in Ottendorf gezahlt wird. Der bundesweite Schnitt des Salärs für Wahlhelfer wird auf 40 Euro beziffert.