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Die Torwächter vom Augustusweg

Die Stadtwerke Elbtal machen ihre Umspannstationen mit Kunst zum Blickfang. Auch als Gegenpol zu Schmierereien in der Stadt.

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© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Radebeul. Wer vom Augustusweg zur Kinderarche hochfährt, sieht sie sofort: Die beiden Torwächter an der Umspannstation der Stadtwerke Elbtal. Übermannsgroß rechts und links der Eingangstür. Mit aufmerksamem Blick auf alle, die sich nähern.

Nicht gern gesehen: Lauchs-Spuren an der Brücke Weintraubenstraße in Radebeul...
Nicht gern gesehen: Lauchs-Spuren an der Brücke Weintraubenstraße in Radebeul... © Norbert Millauer
...und an einer Halle neben der Bahnstrecke.
...und an einer Halle neben der Bahnstrecke. © Arvid Müller

Genau dafür hat Thomas Müller sie entworfen. Er gehört zu den geistig behinderten Künstlern vom Atelier Farbig, die an der Station arbeiten. Gemeinsam mit dem Radebeuler Graffitikünstler Carsten Langner. Im Auftrag der Stadtwerke Elbtal GmbH, die Radebeul und Coswig mit Strom versorgen. Ihre technischen Anlagen sollen zum Hingucker werden. Und so nicht nur für sich und ihre Arbeit werben. Sondern auch gegen die wilden Schmierereien an den Stationen wirken.

Darauf sollen die Torwächter achten. Ihr Schöpfer Thomas Müller lächelt. Ja, sie sollen dafür sorgen, dass sich böse Geister fernhalten. Gerade die illegalen Sprayer, die ihre Spuren überall in Radebeul hinterlassen. Auf Gebäuden und Mauern, auf Stadtwerke- und anderen Bauten.

Erst kürzlich waren vor allem in West neue Schmierereien entdeckt worden, unter anderem mit dem Schriftzug Lauchs. Auch auf Schildern der Stadt. Die hatte Anzeige erstattet. Und von der Staatsanwaltschaft erfahren, dass der Betreffende nicht auffindbar sei. Seitdem gebe es keine neuen Erkenntnisse, heißt es aus dem Rathaus.

Um dem Problem vorzubeugen, lassen die Stadtwerke mit dem Augustusweg schon ihre dritte Station gestalten. Nach der Richard-Wagner-Straße mit einem Badejungen wegen der nahen Schwimmhalle und am Coswiger Wettinplatz mit Tomaten, passend zum Marktgeschehen. Drei Anlagen sollen dieses Jahr noch dazukommen. Ebenfalls mit Typischem aus der Umgebung, sagt Annett Müller-Bühren, kaufmännische Stadtwerke-Geschäftsführerin.

Graffitikünstler Carsten Langner vom Atelier farbclang macht die nüchternen Anlagen zum Blickfang. Die Arbeit auf dem Augustusweg ist für ihn wie für alle anderen Beteiligten eine Premiere. Für die Stadtwerke selbst und das Atelier Farbig, das zur Lebenshilfe gehört. 15 behinderte Menschen verwirklichen dort ihre Kunstideen. Die Stadtwerke unterstützen sie. Dabei entstanden bereits besondere Tee-Verpackungen. Und die Idee, das Farbig-Team im öffentlichen Raum einzusetzen.

Gut vorbereitet – so bei einem Workshop mit Profi Carsten Langner –, hat sich die Farbig-Crew ans Werk gemacht. Die Entwürfe immer wieder verfeinert. Bis sie per Projektor auf die Umspannstation übertragen und vorgezeichnet wurden. Und jetzt von den inzwischen im Sprayen geübten Künstlern vervollständigt werden.

Mit vielen Besonderheiten. Neben den Torwächtern und einem Wanderplan ist der Goldene Wagen ein Hingucker. Wer den bisher nur als Weinberg kennt, sieht ihn nun tatsächlich als goldfarbenes Gefährt mit Rädern. Mit Fenstern und Türen und obendrauf Männlein und Weiblein, traut vereint durch den Weingeist.

Für das Projekt wurde extra eine größere Anlage gewählt, damit sich die Vorstellungen der Künstler gut umsetzen lassen, sagt Tilo Kadner, Leiter Regionalbereich. Die Stadtwerke betreiben 300 solcher Stationen. Die am Augustusweg versorgt Anlieger im Umkreis von etwa 500 Metern.

Etwa 10 000 Euro geben die Stadtwerke dieses Jahr Müller-Bühren zufolge für die künstlerische Arbeit an ihren Anlagen aus. Jetzt werde nachgedacht, wie sie da auch künftig mit dem Atelier Farbig zusammenwirken können. Ein weiterer Pluspunkt: Bisher gab es keine Schmierereien nach der Neugestaltung. Das hoffen nun alle auch für den Augustusweg. Und setzen nicht zuletzt auf die Torwächter.

https://www.lebenshilfe-dresden.de