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Die Torwartfrage

Schubert hat bei Dynamo gut gehalten, doch jetzt ist Schwäbe zurück. Wie wird sich der Trainer entscheiden?

© Robert Michael

Von Sven Geisler

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Sie ist wieder da: Die Saison der dicken Schals und selbst gestrickten Socken. Zeit, sich selbst und anderen mit besonderen Überraschungen eine Freude zu machen!

Der Trainer macht das geschickt. Uwe Neuhaus lässt sich nicht zu einer klaren Aussage hinreißen, vermittelt den Anschein, als sei alles offen in der Torwartfrage bei Dynamo. Wahrscheinlich ist es das auch, nur das nach außen schwierig zu vermitteln. Klar ist: Marvin Schwäbe, die eigentliche Nummer eins, ist nach seiner Meniskusoperation zurück. Er könnte seinen Stammplatz also wieder einnehmen, doch den beansprucht nun auch sein Vertreter. Das sagt Markus Schubert nicht, aber er lässt Taten sprechen.

Beim Sieg gegen Regensburg war der 19 Jahre alte Schlussmann nicht nur wegen seiner drei Fußparaden ein starker Rückhalt. „Da steht er richtig, und wenn ein Torwart richtig steht, ist das immer gut“, sagt Neuhaus, dem aber noch etwas positiv aufgefallen ist. „Er hatte eine gute Präsenz, gerade bei hohen Bällen“, sagt Neuhaus. „Es war ihm egal, ob ein Gegner oder ein Mitspieler vor ihm stand, er ist konsequent rausgegangen und hat die Bälle mit Bravour gemeistert.“

Schuberts Leistung ist auch ein Zeichen dafür, dass er offenbar auch Fehler wegstecken kann. Eine Woche zuvor hatte er das Gegentor in Fürth mit auf seine Kappe nehmen müssen. Es bleibt spekulativ, ob Neuhaus den Rücktausch zwischen den Pfosten deshalb bereits vollziehen wollte. Zumindest hat er Schwäbe nach eigener Aussage gefragt, ob er sich nach einer halben Woche Training mit der Mannschaft bereits bereit fühlt. Der 22-Jährige hatte jedoch noch nicht das Gefühl, auf alles vorbereitet zu sein. „Ich brauche schon eine ehrliche Antwort, sonst fallen wir beide auf die Nase – und wir alle“, meint der Chefcoach.

„Fakt ist: Wir sind alle zufrieden“

Für ihn bestand sowieso kein Handlungszwang, weil Schubert trotz des Wacklers seine Sache in den nun fünf Spielen nach der Winterpause ordentlich gemacht hatte. „Fakt ist: Wir sind alle zufrieden, wie er sich präsentiert hat.“ Trotzdem wollte sich Neuhaus bisher nicht zu einer Entscheidung durchringen, zumindest macht er sie nicht öffentlich, sondern formuliert es offen: Es gelte abzuwägen, „wer unserem Spiel im Moment am besten weiterhilft“.

Da gibt es dann doch einen kleinen Kritikpunkt, der den Ausschlag geben könnte. Denn gegen Regensburg unterliefen Schubert einige Fehlpässe im Spielaufbau, weshalb einige Zuschauer bereits murrten. „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht“, meinte Schubert. „Ich habe nur mal mitbekommen, dass es unruhig wurde, wenn ich den Ball etwas lange gehalten habe. Aber das stört mich nicht.“ Florian Ballas erklärt die kleinen fußballerischen Unsicherheiten damit, dass der Gegner extrem früh attackiert hat. „Sie haben Marcel und mich beim Abstoß gut zugestellt. Dadurch konnte uns Markus fast nie anspielen“, sagt der Innenverteidiger. Trotzdem ist das sichere Passspiel vielleicht ein Kriterium, das noch für Schwäbe spricht. Hinzu kommt seine Erfahrung. Er ist zwar auch nur drei Jahre älter als Schubert, aber hat für Dynamo 51-mal in der zweiten Liga gehalten. Bis Saisonende ist er von 1899 Hoffenheim ausgeliehen, danach soll er zurück und sich als zweiter Mann hinter Stammkeeper Oliver Baumann empfehlen – oder verkauft werden.

Dynamo würde für Schwäbe wohl keine Ablöse zahlen, denn die Perspektive, Schubert als Nummer eins aufzubauen, war spätestens klar, als der Junior im Juli 2016 seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieb. Der ist bis 2019 datiert. Dieser Prozess, meint Neuhaus, sei noch nicht abgeschlossen. „Was passiert, wenn er einen klaren Bock macht?“, fragt der Trainer. „Das sind Momente im Leben eines Torwarts, die sehr prägend sein können. Er hat noch so viel vor sich, man sollte kein endgültiges Urteil fällen.“

Neuhaus lässt sich also vor dem Spiel am Freitag in Bielefeld weiter beide Optionen offen. Wobei er einräumt, Respekt zu haben vor der Reaktion von Schubert, falls er den wieder auf die Bank setzen würde. „Wenn sich Schubi aufbaut, ist er schon furchteinflößend“, meint er und lacht. Nein, bekräftigt er noch mal, er wisse selber noch nicht, wie er sich entscheidet. Spätestens am Freitag gibt es Klarheit.