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Die Trennmeister

Im Landkreis fällt deutlich weniger Restmüll an als sonst in Sachsen. Dabei werfen die Leute hier nicht weniger weg.

© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Landkreis. Donnerstags ist die Biotonne dran. Zumindest auf dem Görlitzer Obermarkt. Alle vier Wochen stellen dann – so wie heute – die Hausbesitzer und Hausmeisterdienste die braunen Tonnen vor die Türen. Und sie sind immer gut gefüllt. Das beweisen auch die Zahlen: Nirgendwo in Sachsen ist die Mülltrennung so effektiv wie im Kreis Görlitz. Das strikte Aufteilen in recyclingfähigen Plastemüll, Sperrmüll und verrottbare Bioreste führt hier dazu, dass der Kreis sachsenweit den geringsten Restmüllanteil pro Kopf hat: 87,2 Kilo pro Person sind es hier. Nur noch Mittelsachsen bleibt mit 92,2 Kilo pro Einwohner ebenfalls unter der Marke von 100 Kilogramm. Alle anderen liegen weit darüber – im Sachsendurchschnitt ergeben sich knapp 125 Kilo pro Kopf. Das zeigen die Zahlen, die das Statistische Landesamt in Kamenz jetzt für das Jahr 2014 herausgegeben hat.

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Den Grund für dieses Ergebnis kennt Ronny Hirschmann genau. Der Leiter des Regiebetriebes Abfallwirtschaft im Kreis rechnet das geringe Restmüllaufkommen vor allem dem ausgeprägten Trenneifer der Landkreisbewohner zu. „Das liegt vor allem an der hohen Akzeptanz der Biotonne“, fasst er zusammen. Schon sehr früh, Anfang der 90er Jahre habe der Süden des Kreises – also Löbau und Zittau – mit dem Sammeln des Biomülls angefangen. Der ehemalige Niederschlesische Oberlausitzkreis folgte Mitte der 90er. Die Görlitzer bekamen erst 1999 ihre Pflicht-Biotonnen. „Dadurch haben sich die Leute inzwischen gut an das System gewöhnt. Viele nutzen auch die Möglichkeit, selbst zu kompostieren“, erklärt Hirschmann. In anderen Regionen Sachsens, wo die Biotonnen erst viel später dazu kamen, sei das anders.

Dass wirklich der Biomüll einen solchen Effekt haben kann, beweist schon ein Blick in den Nachbarkreis: Während jeder Bautzener Kreisbewohner im Schnitt 59 Kilo Biomüll und 125 Kilo Restmüll zum Entsorgen gibt, liegen die Zahlen im Kreis Görlitz deutlich darüber: Für den Norden weist Hirschmanns Statistik 62 Kilogramm Bio- und 99 Kilogramm Restmüll aus. Görlitz und der Süden liefern pro Kopf 111 Kilo Biomüll und 82 Kilo Restmüll. „Wobei vor allem in Löbau-Zittau die braune Tonne besonders voll ist und viele selbst kompostieren“, betont der Kreisabfall-Chef.

Was bei all den Zahlen offenbar keine Rolle spielt, ist das Alter der Einwohner oder die Größe der Haushalte. Gerade im Vergleich mit Großstädten und anderen Kreisen zeigt sich nämlich, dass die gesamte Abfallmenge pro Person inklusive Sperrmüll beispielsweise auch zwischen Weißwasser und Jonsdorf gar nicht so niedrig ist: Mit 325,7 Kilo Abfall pro Kopf liegt der Kreis auf Platz 6 – im Mittelfeld Sachsens und sogar über dem Durchschnitt des Freistaates. Denn der lag 2014 bei ganzen vier Kilo weniger.

Auch deshalb ist sich Ronny Hirschmann sicher, dass der Altersschnitt und die Größe der Haushalte keine entscheidende Rolle spielen. Den Erfolg beim Mülltrennen allein auf die Gewohnheit und Übung der Menschen zu schieben, hält er allerdings auch für zu kurz gegriffen. Denn letztendlich spart der Aufwand am Ende eine ganze Menge Geld: „Wenn man die Kosten auf die Entsorgung einer 80-Liter-Tonne runter-bricht, so zahlen die Bürger 2,19 Euro pro Bio-Leerung und 4,08 Euro bei den Restmüllbehältern“, rechnet Hirschmann vor.

Dass die inzwischen gewachsene Liebe zur Biotonne auch weiterhin hält, davon geht der Landkreis aus. Nicht wirklich von Dauer sei hingegen das Engagement der privaten Wertstoffsammler gewesen, schätzt Hirschmann ein. Vor einigen Jahren gab es darum heftigen Streit. Vor allem als die Papiertonne eingeführt wurde. „Jetzt zum Beispiel sind die Wertstoffpreise im Keller – auch bei Papier“, sagt er. Im gleichen Zuge habe das private Sammeln kleiner Firmen deutlich nachgelassen.

Steigende Tendenz sieht der Kreisabfall-Chef aber beim Sperrmüll. Schon die bisher vorliegenden Zahlen für 2015 zeigen einen Anstieg. „Die Leute leisten sich mehr, auch Möbel sind nicht mehr die große Anschaffung wie früher“, sagt er. Da sich sparen bei der Zinslage kaum lohnt, kaufen die Leute mehr.