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Die Treppe ins Freizeitparadies

Ein Jahr nach der Eröffnung geht es im Großenhainer Jugendklub „Downstairs“ aufwärts mit den Besucherzahlen.

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© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Großenhain. Freitagabend ist Clubzeit am Remonteplatz. Ab 17 Uhr klappern auf der Seitentreppe des Alberttreffs die Schuhsohlen, und es zieht Leben ein in die Kellerräume am Rande der Stadt. Hier kann man nach einer anstrengenden Schulwoche am Billard- oder Kicker-Tisch entspannen, ein paar Runden auf der Playstation zocken oder einfach vorm Fernseher abhängen. Man plaudert mit Freunden und Bekannten, trinkt an der Bar eine Cola oder bereitet in der clubeigenen Küche einen leckeren Snack zu. Die Kelleratmosphäre ist aufgelockert durch eine helle, freundliche Farbgestaltung, Wandbilder und cremefarbene Sitzmöbel.

Vor genau einem Jahr ist das „Downstairs“ eröffnet worden. „Am Anfang lief es ziemlich zäh“, sagt Vorstands-Chef Philip Schuckert. „Aber seit Jahresbeginn geht es aufwärts – da haben wir jeden Freitag so um die 30 Besucher.“ Das kann sich sehen lassen bei der doch etwas abgeschiedenen Lage. Früher logierte im Keller des Alberttreffs der Jugendklub am Marstall (JAM). Die Stamm-Truppe war bereits in die Jahre gekommen, und die Zusammenarbeit mit den Jüngeren kam nie richtig in die Gänge. Deshalb sah sich die Stadt nach einem neuen Betreiber um, und der Trendsportverein Roll-Laden, der im benachbarten Sportpark beheimatet ist, meldete Interesse an.

achdem eine Gnadenfrist für den JAM verstrichen war, setzten Großenhains Jugendarbeiter endgültig auf die Skateboard-Gemeinde, die sich mit dem Betrieb der Trendsporthalle bereits einen guten Namen gemacht hatte. Roll-Laden-Finanzchefin Jana Möhler nahm sich der ziemlich heruntergekommenen Räumlichkeiten an und managte den Umbau und den Generationswechsel im „Downstairs“. „Unser Ziel war, dass die Mitglieder nicht älter als 25 sind und ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen“, erklärt sie. Mit Philip Schuckert (19), Corinna Petermann (18) und Mariza Ludwig (17) hat Jana Möhler einen Vereinsvorstand zur Seite, der das Publikum im „Downstairs“ recht gut repräsentiert.

Hardcore-Bands zu Gast

Als der Roll-Laden e.V. die Verantwortung für das frühere JAM-Domizil übernahm, waren die Räume komplett leer, so dass die neuen Betreiber quasi bei null anfingen. Das erste Projekt hieß folgerichtig „Wir bauen uns unseren Jugendklub“. Mit Hilfe von Fördermitteln, Spenden und viel eigenem Engagement gestalteten die jungen Leute den Alberttreff-Keller um. Zweieinhalb Jahre lang werkelten sie fast jedes Wochenende herum, um die Gewölberäume aufzupeppen. Für die Küche musste der alte Bartresen weichen, der abgesägt und zu einer Sitzecke umfunktioniert wurde.

Ein Wanddurchbruch schuf eine Verbindung zum dahinter liegenden Lagerraum, der mit einer modernen Kücheneinrichtung ausgestattet wurde. Mittlerweile sind fast alle Vorstellungen, die die jungen Leute anfangs hatten, Wirklichkeit geworden. Der Kickertisch, das Billard, die Fernsehecke – nur das Computerkabinett muss wegen des hohen Kostenaufwandes noch etwas warten. „Dann werde wir hier unten auch W-Lan haben“, sagt Corinna Petermann. Bisher sei die Netzverbindung für Smartphones in den Clubräumen noch ziemlich bescheiden, was für Jugendliche ein echtes Problem darstellt. Besonders stolz sind die Downstairs-Leute auf ihren separaten kleinen Tanzsaal, auf dessen Bühne schon DJs auflegten und Hardcore-Bands spielten.

Der Jugendklub am Rande der Stadt muss für seine Räume zwar keine Miete zahlen, dafür aber die Betriebskosten und die Versicherung. „Wir bekommen Zuschüsse vom Kreisjugendamt und können uns auch selbst was erwirtschaften“, sagt Jana Möhler. Vor allem über Vermietungen sollen zusätzliche Mittel eingespielt werden – schließlich bietet das „Downstairs“ ein erstklassiges Party-Ambiente. Die Roll-Laden-Schatzmeisterin selbst will sich langsam aus dem Geschäft zurückziehen. „Ich hoffe, dass ein paar von den engagierten jungen Leuten, die den Klub mit aufgebaut haben, hängenbleiben.“ Das Publikum im „Downstairs“ liegt deutlich unterhalb der 20-Jahre-Grenze. Da fühle sie sich mit ihren 27 manchmal schon ein bisschen zu alt.